Swantje Roersch | Werbung
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TDOT, KW & KNUD

Ja, es ist doch schon ein wenig her…– der Tag der offenen Tür am 06. April an der Kunstschule Wandsbek.
Lange habe ich hier nicht mehr berichtet und es ist doch wie mit dem Kontakt zu einem Menschen: Je länger man sich bei ihm nicht meldet, desto schwieriger wird es irgendwann, wieder ein Gespräch aufzubauen. Und genau deshalb werde ich mich disziplinieren, hier mal wieder ein bisschen auf den Putz zu hauen, damit wir im Gespräch bleiben!

Also der Tag der offenen Tür war eigentlich ein TdoT wie jeder andere auch… außer, dass einige von uns ihre Zwischenprüfungsmappen ausstellen durften. Wie schön, endlich sehen andere völlig unbefangene Menschen mal deine Arbeiten! Die meisten Besucher waren wahrscheinlich zukünftige Mitstudenten mit ihren Eltern.
Aber egal welche Mappe durchgeblättert wurde – mich beschlich doch nach und nach ein Gefühl: Noch vor 1,5 Jahren blätterte ich selbst Mappen durch, ohne einen Schimmer, was ich da eigentlich wirklich betrachtete. Und nun sah ich den fachfremden Menschen zu, wie sie die Folien umblätterten. Mal huschte ein Lächeln über die Lippen dieser faszinierten Besucher, mal ein erstauntes Zucken über ihre Brauen. Und doch wurde mir bewusst, dass sie den Umfang und die Intensität des Weges zu den Ergebnissen gar nicht begreifen konnten. Mir war fast als wäre ich statt eines Besuchers in einem Zoo auf einmal das exotische Tier hinter der Scheibe, dessen Welt sich keinem anderen außer seiner selbst erschließen konnte. Und so war ich fast ein wenig traurig, dass sie unser kleines Universum nicht verstehen würden. Es ist halt eben schön. Oder so etwas in der Art.

Wie auch immer. Mir wurde jedenfalls bewusst, wie sehr sich mein Blick auf die Arbeiten, den Weg dahin und das ganze drum herum verändert hat, wie viel Wissen ich nahe meiner Synapsen verdichtet habe und wie sehr mein Auge sich verändert hat. Und ich bin gespannt wie viel anders ich wiederum auf alles blicken werde, wenn noch ein Jahr ins Land gegangen ist, oder zwei oder drei oder zehn. Wie viele Erfahrungen ich noch horten werde und wie mich das Ganze vielleicht in der Gesamtheit verändert.

Das 5. Semester ist jetzt in vollem Gange und wir haben so einige neue Fächer: neben Fotografie Teil II und einer neuen Einheit Werbung gibt es noch die Fächer Webdevelopment, Strategische Markenbildung und Social Marketing zu bestreiten. Ganz klar zu spüren ist, dass wir uns von der künstlerischen über die kreative jetzt sehr in die strategische Richtung bewegen. Aber auch in diesem Semester wird es mehr zu sehen geben, als ein paar Stücke Papier! Lasst euch überraschen…

(Fotos: Christian Friedrich)

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Blond und blöd!

Mädchen rosa, Jungs hellblau – das würde wohl jeder so unterschreiben. Oder? Die Differenzierung in der Branche der Spielzeughersteller tritt voll in die Pfütze des dicken unbestreitbaren Klischees. 

So manch einer mag die Empörung nicht verstehen, doch ich will es mal versuchen. Letzte Woche erwischte mich ein neuer TV-Spot eiskalt. Der erste Schock kam mit dem Ü-Ei für Mädchen! Abgesehen davon, dass es wieder knall-pink ist, ist außerdem Fakt, dass es zwar ein Mädchen Ü-Ei gibt, allerdings kein Jungs Ü-Ei. Die »normale« Kinderüberraschung bekommt also der Junge, das Mädchen soll jetzt doch lieber mit etwas anderem spielen? Das ist aber nicht alles. Als Sonderaktion befinden sich Barbies mit Stoffkleidung und realistischen Haaren darin UND sie verkörpern »Barbies Traumberufe«, welche da wären: Künstlerin, Rockstar, Köchin, Ärztin, Schwimmerin, Tänzerin, Schauspielerin und Tennisspielerin! Neben Talent abhängigen Berufen wie Artisten und Sportlern bleiben wohl nur noch eine ernüchternde Köchin und eine Ärztin.  Und jetzt wundert sich das arme Deutschland und versucht eine Frauenquote herbei zu reißen.

Ich meine reden wir doch mal über die Mädels. Ja, es sind Kinder. Die Kritik mag einem hart vorkommen, denn Mädchen mögen ja nun mal (Ausnahmen bestätigen die Regel) rosa und Prinzessinnen und Barbie. Aber woher kommt denn diese Neigung? Ich denke, vom Spielzeug selbst. Wenn die Erziehung oder das Umfeld allein durch das Spielzeug keine anderen Neigungen zulassen oder das Mädchen einfach von vornherein in eine Schublade stecken, wird es sich mit all den anderen zauberhaften Wundern dieser Welt nie auseinandersetzen. Es ist meiner Meinung nach eine Form der Diskriminierung – und das nicht nur für die Mädchen. Denn auch Jungs können sich nicht mehr frei entfalten. Würden sie auf einmal ein Mädchenspielzeug in die Hand nehmen, wäre das ja irgendwie nicht »normal«.

Hier geht’s zum Werbe-Spot aus dem Fernsehen.

Alles in allem finde ich es wirklich traurig, dass die Kinder schon so früh in eine Ecke getrieben werden. Warum denn nicht eine Wissenschaftlerin oder eine Technikerin oder wenigstens eine »Geschäftsfrau«. Meeresbiologin, Pilotin, Anwältin – das wären Traumberufe von Barbie, die mich an der Bushaltestelle beim Beobachten eines kleinen Mädchens, die ein Überraschungs-Ei öffnet, freuen würden.

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