Swantje Roersch | Blog
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Die Entdeckung des Universums unterm Apfelbaum

Auf der Suche nach Schatten und einer Pause von den scharfen Strahlen der gleißenden Sonne fand ich einen Baum. Sie stand dort einfach so, voller Ruhe und Gelassenheit, ihre Äste über Jahre in alle Richtungen streckend. Ihre Zweige, schwer von den neugeborenen Früchten, hingen herab und bildeten einen schützenden Schirm, ein Zelt, einen neuen Himmel rund um mich herum. Wie ein Vorhang, der den Rest der Welt verbirgt. Wie eine Grenze, die dieser Baum zieht, als würde sie sagen: »Dies ist alles, was du an Welt gerade brauchst.«
Und so akzeptiere ich ihre Welt für diesen Moment als meine und setze mich nieder. Sie lässt gerade so viel Licht durch, wie ich es brauche – genug Helligkeit und Wärme, ohne zu verbrennen oder zu schwitzen.

Ich bin am Boden – in einem wunderbaren Sinne. Ich sitze auf dem Boden, auf dem Gras, dem Moos, all den kleinen Pflanzen und Wesen.
Ich fange an, genauer hinzusehen. So viele verschiedene Arten von Gewächsen.
Dann, während ich jeden Halm und jedes Blatt für sich betrachte, finde ich auf einmal eine unfassbare Weite. Es sind so viele. Mir wird plötzlich bewusst, dass ich, während ich hier sitze, wahrscheinlich eine ganze Menge von ihnen zerdrücken muss. Ich setze mich ein Stück zur Seite und sehe, dass mein Körper einen Abdruck hinterlassen hat. Oh weh. Eben war diese Wiese für mich noch ein Boden, jetzt scheint sie mir wie ein Wald – den ich zerdrückt habe.
Ich beobachte, wie jeder einzelne Grashalm sich wieder aufrichtet. Einer nach dem anderen zurückspringt in seiner ursprüngliche Form. Mir wird bewusst, wie viel Kraft es sie kosten muss. Und dann wird mir bewusst, dass jeder dieser Halme und Moos-Stränge und jedes kleine Pflänzchen die Kraft aufgewendet hat, aus einem Samen in der Erde an die Oberfläche zu stoßen und heranzuwachsen, um sich dann auszubreiten und zu vermehren. Ich betrachte die Gewächse noch etwas näher und sehe die vielen kleinen liebevollen Details, mit denen sie versehen sind. Da sind einige Blätter, die Härchen haben, einige mit winzig kleinen Stacheln und manche stehen da mit einer Blüte und tragen so einen kleinen Farbklecks. Ich sehe sattes Grün genau so wie einige vertrocknete Halme. Und dann sehe ich eine Ameise. Und eine kleine Spinne. Und daneben eine Assel. Und dann eine Spinne, die nur noch den Bruchteil der Größe der anderen Spinne hat. Um diese wirklich in ihrer Gestalt zu erkennen, bräuchte ich ein Vergrößerungsglas. Und plötzlich sehe ich, dass sich alles in meinem Sichtfeld bewegt.

Überall krabbelt und wuselt es. Da sind minuziöse Spinnennetze und eine Straße von Ameisen, die an meinem Bein vorbeiläuft. Eine der Ameisen überwindet mein Bein – als sei es nur ein Zweig, der zufällig im Weg liegt, fast so, als wäre mein Bein dort schon immer gewesen. Eine weitere Ameise tut es ihr nach. Ich merke ein Kribbeln an meinem Arm. Ein winziger Käfer kämpft sich durch meine Arm-Behaarung und hat dabei sichtbare Schwierigkeiten, voran zu kommen. An meinem Oberschenkel schaut ein weiteres kleines Getier um die Ecke. Dann eine weitere Ameise. Und dann scheinen sie überall.
Mein Körper und meine Kleidung sind hier und da mit kleinen Lebewesen bedeckt. Sie sind bei mir, weil ich bei ihnen bin. Ich habe mich hier in oder besser auf ihren Wald gesetzt. Habe mich in ihre Welt gesetzt. Bin ein Teil von ihr geworden. Wie ein Ast oder ein Stein oder Stamm oder Tier oder sonstiges, das in der Natur einen Teil ihrer Welt bildet und erkundet und erklommen wird.
Manche krabbeln über mich, manche landen auf mir und fliegen dann wieder fort. Ich frage mich, ob es sie wohl interessiert, dass ich da bin bzw. ob es für sie einen Unterschied macht, ob sie sich durch die Grashalme kämpfen oder durch meine Armbehaarung. Und dann wird mir bewusst, dass dies für viele größere Tiere, die in der Natur leben, ganz normal ist. Anderes kleines Getier lebt auf ihnen und mit ihnen. Sie sind quasi dauerhaft besetzt und Lebensraum für andere Tiere.

Während ich eine unfassbar kleine Spinne dabei beobachte, wie sie über meine Haut krabbelt, stelle ich fest, dass es wahrscheinlich irgendwie ähnlich unter meiner Haut aussieht und in mir drin. Denn dort fließt mein Blut und dort sitzen Zellen und Bakterien. Und alles bewegt sich und arbeitet und es laufen Prozesse ab, die mich so funktionieren lassen, wie ich es tue. Alles fließt und krabbelt und wächst.
Und meine Haaren scheinen mir plötzlich wie das Gras, auf dem ich sitze, und meine Arme und Beine wie die Äste, die der Baum über mir ausstreckt.

Ich rette eine kleine Fliege aus meinem Tee und beobachte sie dabei, wie sie ihre Beine sortiert und versucht, such von der Flüssigkeit zu befreien.

Ich lege mich hin. Und mir ist so bewusst, wie viel Fläche mein Körper gerade einnehmen muss, wie viel Welt ich gerade unter mir zerdrücke. Aber diese Welt wird damit klarkommen. Ich bin ein Teil von ihr und ich kann nicht auf dieser Welt sein, ohne auf ihr zu sein. Jeder natürliche Untergrund ist voller Leben. Und solange mir keine Flügel wachsen (und selbst dann müsste ich irgendwann landen) komme ich da nicht drum herum. Wahrscheinlich ist vieles von diesem Leben unter mir so klein, dass es von mir gar nicht gestört wird sondern einfach so weiterlebt.

Und unter der Oberfläche geht es dann ja auch noch weiter: die Wurzeln von all dem Gras und den Pflänzchen und die Wurzeln von größeren Pflanzen, kleine Käfer, Spinnen, Regenwürmer, »große Kolosse« wie Wühlmäuse oder Maulwürfe. Und wie tief es erst unter mir weitergeht. All diese Erdschichten. Mein Geist kann diese Vorstellung gar nicht vollziehen oder greifen.
Es ist eine merkwürdige Vorstellung, hier zu liegen und von »Tiefe unter mir« zu sprechen. Ich schwimme schließlich nicht auf dem Meer, sondern liege auf festem Boden. Und doch scheint es mir, so weit, wie ich mich von Größe und Relation getrennt habe, unter mir liege ein Raum, weit, groß, unendlich und sich meiner Vorstellungskraft entziehend. Ein Universum. Ein Universum unterm Apfelbaum.

Ach ja, der Apfelbaum. Ich habe sie für einen Moment fast vergessen. Wie weit in die Tiefe ihre Wurzeln wohl ragen? Sie steht so fest und sicher im Erdreich und sie sieht aus, als wenn es ihr gut ginge. Als sei sie zufrieden. Und dann lege ich eine Hand an ihren Stamm.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber es passiert erst mal nichts. Ich spüre ihre Rinde. Und irgendwann spüre ich meinen eigenen Puls. Mein Blut, wie es durch mich strömt. Und ich stelle mir vor, was unter ihrer Rinde ist, ähnlich wie ich mir vorgestellt habe, was unter oder in meiner Haut passiert. Und ich stelle mir die gleichen Zell-Prozesse vor, ganz viele kleine sich bewegende Teilchen.
Die Prozesse, die in ihr ablaufen und sie wachsen lassen, sie Blätter, Blüten und Früchte tragen lassen. Und je mehr und länger ich über diese kleinen Teilchen und die Teilchen in den Teilchen nachdenke, desto größer, weiter, tiefer wird der Raum, den ich mir unter der Rinde vorstelle.
Und dann wird mir bewusst, dass der Baum und auch ich das gleiche Universum in uns haben, das ich unter dem Gras erahnt habe, das sich unter mir im Meer auftun würde und über mir im Himmel. Es ist genauso in mir und nach innen wie um mich herum und in allem, was mich umgibt.

Ich habe ein bisschen das Gefühl, innen und außen lösten sich auf. Als gäbe es kein Innen und Außen mehr sondern nur noch eins und den Abstand oder den Fokus, mit dem ich es betrachte. Die Perspektive, aus der ich beobachte. Und vor allem aber das Bewusstsein, mit dem ich es tue.

Denn wenn ich mir all diese Dinge nicht bewusst mache, dann sitze ich einfach nur im Schatten und schreibe einen Text.
Und genau damit werde ich jetzt aufhören.

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3 Gründe warum wir manchmal schweigen sollten, obwohl es so viel zu sagen gibt

Es ist so still hier. Die Welt lauscht, das Blog schweigt. Warum sagt es denn nichts?
Es ist eine der längsten Funkstillen, die ich in diesem Rahmen je eingelegt habe. Meine Website zeigt Arbeiten von vor zwei Jahren, ist unangerührt seit Monaten, und erzählt von dem Mensch, der ich damals war. Und das, obwohl quasi Gedankenmassen ähnlich der Niagarafälle von dem Rand meines Horizontes hinunterstürzen. Gedanken, die sich, noch während sie gedacht werden, selbst überholen.

 

Warum also teile ich sie bis jetzt nicht mit der Welt? Ich habe bisher gut drei Texte vorbereitet, in denen ich versuchte zu ergründen und/oder zu erklären, warum ich so lange keinen Blogartikel mehr veröffentlicht habe. Keiner von ihnen bringt ausreichend zum Ausdruck, worum es dabei geht. Ich stecke wahrscheinlich selbst noch bis über beide Ohren in einem Prozess, der mir Klarheit darüber verschafft. Ich möchte mich hier trotzdem an einer Zusammenfassung der verschiedenen Baustellen versuchen.
Meine erste Vermutung – eine sehr simple Erklärung – war, dass ich dem Schreiben derzeit keine Priorität einräume, dass kein Platz dafür ist in meiner pulsierenden Woche. Aber das kann man so nicht sagen. Ich hüpfe und tanze und schlendere durch meinen Alltag und meine Gedanken formen bereits ganze ausformulierte Sätze fast so als würde jemand parallel jedes Grübeln, jede Idee und jede Erkenntnis in Worte kleiden, die in Gedanken-Bänden direkt abgedruckt werden könnten. Ich hätte diese also nur ergreifen und zu Papier bringen müssen. Machte ich aber nicht.

 

1. Der Schulterklopfer
Der erste Grund ist also ein anderer. Und zwar wahrscheinlich, dass ich mich bei vielen meiner Handlungen derzeitig frage, wofür ich sie tue. Warum und für wen?
Warum. Eine häufige Antwort auf die Frage, warum wir Dinge tun, ist, weil wir gefallen wollen oder Anerkennung suchen. Wir alle suchen nach Bestätigung. Wir wollen Bestätigung für die Kleidung, die wir tragen, die Marken, mit denen wir uns umgeben, den Lifestyle, den wir haben, den Ort, an dem wir leben, die Arbeit, die wir verrichten, die Dinge, die wir lieben.. – ich könnte diese Liste ewig weiterführen. Für die meisten Dinge in unserem Leben wollen wir Anerkennung. Ob durch Likes, einen Schulterklopfer, Blicke, Kommentare, einen Status, eine Gruppe oder durch den eigenen Stolz. Das ist grundlegend auch in Ordnung und ich selbst nehme mich da nicht aus. Und trotzdem widerstrebt mir der Gedanke, dass wir Menschen nichts mehr tun können, ohne darüber zu reden. Und gelobt zu werden.

 

Und für wen? Wir leben in einem andauerndem Vergleich mit unserem Umfeld und dem Rest der Welt und vergessen bei all dem Miteinander-Messen und Idealen-hinterher-Gelaufe ganz, was wir selbst tief in unserem Inneren wirklich wollen. Will ich das, was ich gerade kaufe, besitze, plane oder tue, wirklich oder ist es etwas, dass ich von meinen Eltern, Freunden, der Schule, dem System, der Werbung oder der Gesellschaft, in der ich lebe, gelernt habe und als meine Realität angenommen habe? Uns einzugestehen, dass wir einigen wenigen Dingen, vielen oder vielleicht auch einem Großteil der Aspekte in unserem Leben blind und fremdbestimmt hinterherlaufen, tut weh. Ich erfahre diesen Schmerz gerade an jeder Ecke. Etwas nur für uns selbst zu tun oder etwas nur zu tun um des Tuns willen – ohne Zweck, Gewinn, Vergütung, Anerkennung, dem Streben, an ein Ideal heran zu reichen, oder eben einfach ohne es zu teilen – das offenbart sich für mich derzeit als sehr wertvoll und wunderbar.

 

Ich komme trotzdem zu dem Schluss, dass ich einen Schulterklopfer als Nebeneffekt akzeptieren kann, wenn ich ihn verdient habe, auch wenn das Augenmerk für mich nicht auf der Bestätigung und somit dem Nehmen liegt sondern auf dem Teilen im Sinne von bedingungslosem Geben. Das Teilen und Weiterreichen von Gedanken ähnlich einem Getränk, von dem ich einen Schluck nehme und es dir gebe, damit du sehen kannst, wie es dir schmeckt. Oder viel eher noch wie ein Bild, das ich beginne zu malen und an dich weitergebe, damit du deine Linien hinzufügen kannst, ihm eine neue Schicht verpassen kannst, mit ihm machen kannst, was du willst.

 

2. Das Hamsterrad des Teilens
Der zweite von mir identifizierte Grund für meine ausgebliebene Kommunikation ist, dass das Teilen von Bildern, Informationen und Momenten immer Zeit benötigt. Wenn wir etwas aufbereiten, findet die eigentliche Aktion in einer bestimmten Zeit x statt. Es kommt im Anschluss eine weitere meistens nicht unerhebliche Zeitspanne dazu, die wir nur damit verbringen, die erste verbrachte Zeit aufzuarbeiten. Ich erinnere mich, an ewige Portfolio-Arbeit und Projektdarstellungen, die zwar zum Job gehören, die aber meistens fast ein eigenes Projekt darstellen. Ich erinnere mich an Instagram-Posts, mit denen ich so viel Zeit verbracht habe, dass ich das zu teilende Erlebnis in der Zeit wahrscheinlich noch drei Mal hätte erleben können. Teilen wird zu einem Hobby, zu einer Freizeitbeschäftigung, nimmt ganze Stunden unseres Tages ein.

 

Und wenn wir dann erst zum Echtzeit-Teilen kommen, beschneiden wir sogar die Aktion selbst. Wenn ich an einem Wasserfall stehe und dabei eine Life-Übertragung schalte, wie ich vorm Wasserfall stehe, zeige ich dabei eigentlich nicht mich, wie ich vor einem Wasserfall stehe, sondern mich, wie ich teile, dass ich vor einem Wasserfall stehe. Das hat nicht nur zur Folge, dass ich weder den Wasserfall sehen kann, noch wirklich gedanklich am Ort bin, sondern auch, dass ich ja mindestens die Hälfte der Zeit und Aufmerksamkeit mit dem Teilen verbringe statt mit dem Erleben. Unsere Aktionen bekommen durch das Teilen also nicht nur manchmal einen anderen Zweck sondern verlieren sogar an Qualität. Wenn ich also meine Gedanken teile, während ich sie habe, oder im Verhältnis mehr teile, als ich eigentlich denke, habe ich weniger Zeit zum Denken und weniger Qualität der Gedanken. Eine sehr einfache Gleichung und ein klassisches Beispiel dafür, dass  Qualität vor Quantität Sinn macht.
Vielleicht brauchen wir bei der Flut der Gedanken und Erlebnisse einen Damm. Wir brauchen einen Staudamm, der uns vor Überflutungen und ungebremsten Massen schützt und schließlich nur ein kleines hübsch anzusehendes Rinnsal hindurch lässt – konzentriert, essenziell und wunderschön.

 

3. Gedanken auf der Überholspur
Und der dritte, letzte und damit zusammenhängende Grund ist das Verhältnis von Input zu Output bzw. der zeitliche Abstand dazwischen. Es ist fast so als sagte eine Stimme in meinem Kopf: »Bitte warten Sie einen Moment, Ihre Gedanken werden gerade verarbeitet. Dies kann einige Zeit dauern.« Darunter ein Ladebalken, der von 90% auch gerne mal zurück auf 40 springt.
Die Welt prasselt geradezu mit neuen Ideen, Werten, Lebenskonzepten und möglichen Türen, die einladend zur Auswahl stehen, auf einen ein. Ich persönlich merke, dass ich gerade sehr viel mit dem Input beschäftigt bin und vieles noch nicht ausreichend verarbeitet habe, um es mit anderen zu teilen. Was machen diese Gedanken mit mir? Wie verändern sie mich und wie verändere ich wiederum sie? Kann ich sie greifen und will ich das? Kann und will ich sie bewerten? Man kann schlecht lauschen, wenn man im gleichen Moment schreit – man würde ja eh nur sein eigenes Gebrüll hören. Also lausche ich und schweige. Mal schauen, was von draußen kommt, mal sehen was im Inneren passiert.

 

Was ich hier teile sind also diesmal Gedanken zu meinen Gedanken. Es ist ein bisschen wie mit jemandem darüber zu reden, dass man mal miteinander reden muss. Oder mit Leuten darüber abzustimmen, ob man über etwas abstimmt. Vielleicht ist es aber auch wie jemand anderem in die Augen zu sehen und ihm zu sagen: »Ich sehe dich.«, und damit viel mehr zu meinen als bloß, dass man ihn sieht. Vielleicht ein bisschen, wie in einen Spiegel zu schauen, der sich nicht vor dir befindet sondern in dir. Ein bisschen so fühlt es sich an.

 

Die Quintessenz: Warum ich trotzdem weiter teilen werde
Man sagt über Liebe, dass, wenn man sie teilt, sie sich verdoppelt. Und ich glaube, das gleiche trifft auf Gedanken zu. So wäre es doch eine Verschwendung, wenn ich Gedankengänge für mich behalte, die sich in exponentiellem Wachstum vervielfältigen und weiterentwickeln könnten. Ich gebe sie dir und du gibst sie zwei anderen und die wiederum zwei anderen.
Natürlich ist es auch ein bisschen wie mit der stillen Post und ein Gedanke kann sich auf dem Weg Gehirn–Mund–Ohr–Gehirn allein durch Interpretation und Horizont schon stark wandeln, aber genau darum geht es ja. Eine schillernde phosphorisierende Gedankenmasse, die ständig Farbe und Form ändert um mal angeregt tanzend, mal träge dahinfließend von Wirt zu Wirt wandert und sich wie eine Zelle teilt. Ein ungreifbarer wundersamer Organismus. Der umtriebige Organismus, der uns als Individuum und als Menschheit am Leben hält.
Dich, mich und uns alle. Und ich lausche und glaube, er tanzt und wabert und schillert gerade ein wenig…

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Liebe, Frieden & Zahnarzt – eine Woche ROC in der Notunterkunft Neukölln

Der Raum füllt sich mit Leben. Immer mehr Menschen strömen durch die Türen und aus den Fahrstühlen in die geräumige 4. Etage. Alle voller Aufregung, alle voller Vorfreude – das Warten hat sich gelohnt. Die Rede ist von der Eröffnung der »Etage der Möglichkeiten« in einer Notunterkunft in Berlin Neukölln. Viele Monate Arbeit stecken in dem wundervollen Ergebnis, dass ich zusammen mit dem Rest des Teams und den Bewohnern in diesem Moment auf mich wirken lasse, ja gerade zu genieße.

 

Das Projekt ROC – Refugee Open Cities – will etwas verändern. Der Alltag für geflüchtete Menschen, die in Deutschland ankommen, ist schwierig, die Unterbringung sehr einfach und es herrschen weder Wohnlichkeit noch Privatsphäre. Knapp 600 Menschen teilen sich die 3 Etagen in dem ehemaligen Einkaufszentrum. Da bleibt wenig Raum für selbstständige Beschäftigung, Entspannung, Kinderbetreuung (für die ca. 150 Kinder) oder einfach eine ungestörte Unterhaltung.

 

Wie soll man so eine Situation bewältigen, wo soll man anfangen? Wie soll man Dinge wie Behaglichkeit, Unbeschwertheit und so etwas wie Normalität in einen Ort stecken, an dem auf engstem Raum Menschen leben, die schrecklichste Strapazen hinter sich und noch einen langen Weg Richtung »geregeltes Leben« vor sich haben?
Im Sommer 2016 beschloss ein Team von Open State gemeinsam mit Bewohnern und in Zusammenarbeit mit den Maltesern, dies gemeinsam herauszufinden, und arbeitete mehrere Monate an Lösungen, Visionen und einem Plan, der es in sich hatte.
Das Ganze resultierte im »ROC Baufestival«, einer Woche, in der all die Ideen für die freistehende 4. Etage des Gebäudes umgesetzt werden sollten und zu der auch ich eingeladen wurde. Was ich dort erlebte, war schlicht weg unglaublich!

 

Die Planung sah eine Vielzahl an einzelnen Räumen vor: einen Sportraum mit Geräten und Platz für Übungsstunden, ein Lernzentrum, in dem unter anderem Deutschlernkurse stattfinden können, ein Frauenzimmer zum Nähen und Ungestört-Sein, ein Kinderzimmer mit Möglichkeit zum Toben und Energie abbauen, ein Teehaus für die Herren der Schöpfung, ein kleiner Garten und eine provisorische Küche, ein Informationszentrum z.B. mit Angeboten für den Berufseinstieg, eine kleine Siedlung abschließbarer Tiny-Häuser mit Betten und/oder Tischen für ein wenig Privatsphäre sowie ein »Marktplatz« als Zentrum mit einer kleinen Bühne, einer Leinwand und genügend Sitzgelegenheiten für alle. Jeder dieser Räume hatte also eine Aufgabe und würden nach der Bauwoche von den Maltesern mit Programm und Workshops für die Bewohner bespielt werden.
Doch zu erst einmal gab es da ja nur eine riesige Halle, die so ganz und gar nicht einladend war. Bei meiner Ankunft waren immerhin schon einige Wände eingezogen und farbenprächtig bemalt. Doch so richtig vorstellen konnte ich mir das Ganze noch nicht. Nach dem morgendlichen Check-In verteilten sich die täglich angetanzten freiwilligen Helfer auf die verschiedenen Teams der Riesen-Baustelle. Tatsächlich tummelten sich binnen kürzester Zeit Unmengen von sägenden, bauenden, malenden und organisierenden Helfer und Bewohner in der Halle. Innerhalb der 7 Tage wurden Wände eingezogen, kleine Häuser und Möbel gebaut und jeder Raum seiner Funktion entsprechend Bestückt und eingerichtet.

 

Meine Aufgabe war es, ein Leitsystem mit Icons für die gesamte Etage zu erstellen, welches ich später gut sichtbar auf drei große Platten am Eingang übertrug.

 

Ich war insgesamt sehr beeindruckt, welch motivierte, engagierte und großartige Menschen an diesem Ort zusammenkamen. In der Luft lag neben dem Duft von gutem Essen nicht bloß die konzentrierte und zum Ende hin leicht hektische Anspannung. Es war mehr. Es war ein gemeinsames Ziel, geteilter Schweiß, Unterhaltungen auf den verschiedensten Sprachen, Menschen, die an einem Strang zogen, und ein Geist, der all dies zusammen hielt. Es klingt ein wenig kitschig, aber irgendwie spürte man so etwas wie Aufbruch und Hoffnung.

 

Und dann wurde dieser neuer Ort mit seinem ganz eigenen Zauber feierlich eröffnet. Es gab eine Band, ein mitgebrachtes Buffet und eine kleine Parade, in der die Bewohner und das Team einmal gemeinsam durch die Etage gingen und jeden Raum kurz einweihten.

 

In der Mitte des Eingangsbereiches stand ein zusammengezimmerter von den Kindern wild bemalter Wunschbaum, an den diese nun ihre Wünsche hängen durften. Ich fragte mich, was dort wohl so stehen mochte – trotz der Freude über das neue Kinderzimmer hatten die Kinder keine unbeschwerte Kindheit. Die Wünsche zu lesen, hat mich erinnert, warum es so wichtig ist, an solchen Projekten teilzunehmen oder sie zu initiieren. Ein Schild blieb mir besonders in Erinnerung und ließ mich im Moment, da ich es las, wieder einmal gewahr werden, wie gut es uns geht. Es sagte: »Liebe, Frieden & Zahnarzt«.

 

Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Woche werden wohl noch ein wenig nachhallen. Und es geht natürlich weiter mit ROC. Das Projekt in Berlin soll erst der Anfang und Vorbild für viele weitere Projekte in Deutschland und Europa sein. Um anderen die Durchführung eines solchen Vorhabens zu erleichtern, wird das Ganze nun in einem Online-Toolkit als Open Source aufbereitet. Auch das ist wieder jede Menge Arbeit. Wie gut, dass auch dafür ein bisschen Gestaltung benötigt wird…

 

(Fotos: Open State; ROC)

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3 Wege zum nachhaltigeren Reisen

So einige Male gingen mir die Folgen von Tourismus und Globalisierung ziemlich gegen den Strich. Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass wir deshalb aufhören zu reisen. An einem der besuchten Strände ärgerten mich angeschwemmte Fischernetze und Müll derartig, dass ich einen kleinen Denkanstoß daraus bastelte, der daraufhin fleißig von vorbeikommenden Besuchern diskutiert und fotografiert wurde. Das war eine schöne Aktion – ein Besuch im Ausland muss aber natürlich nicht in stundenlangem Bastel-Aktivismus ausarten. Es reichen herunter gebrochen drei kleine Nachhaltigkeits-Prinzipien…

 

1. Langsamer – Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Vielen geht es im Leben und besonders beim Reisen darum, möglichst viel in möglichst geringer Zeit zu sehen, zu erleben, abzuhaken. Was ist aber, wenn man versucht, in der gleichen Zeit an einem Ort zu bleiben und ihn dafür intensiver zu erkunden?

 

Ich bin mittlerweile sehr froh, dass ich in Kapstadt nicht auf der Durchreise war, sondern mir knapp drei Monate Zeit gegeben habe. So manch einer hätte in der gleichen Zeit ganz Südafrika abgereist und vielleicht noch weitere Länder. Diese Art des Reisens hat ja auch ihre Vorteile: Man sieht eine größere Vielfalt an Landschaften, Menschen und Erfahrungen und kommt ein wenig mehr oder weiter rum in der Welt. Und natürlich ist unsere jährliche Urlaubs- oder Reisezeit in den meisten Fällen begrenzt. Es geht mir aber gar nicht um 3 Monate oder 3 Wochen, sondern um die Art und Weise, wie man einen x-beliebigen Zeitraum beim Reisen nutzt.
Was ist, wenn man dem Ort und den Menschen mal die Zeit gibt, einem ihre Version darzulegen? Ihre Lieblingsplätze besucht, die Dinge tut, die sie dort tun, und die Menschen trifft, die zu ihrem Leben gehören? Man taucht in ihre Welt ein, in ihre Version der Stadt oder des Landes. Ich habe in Kapstadt Woche um Woche mit einem anderen Couchsurfer verbracht und so jedes Mal einen neuen Menschen, einen neuen Freundeskreis, einen neuen Stadtteil und einen neuen Lebensstil kennengelernt – »zu Besuch im Leben eines anderen«. Es ist (besonders bei drei Monaten) weder Urlaub noch wirklich Reisen. Es ist, für eine kurze Zeit, an diesem Ort leben. Man lernt ein paar Sprachbröckchen und kann diese mit den Leuten vor Ort austauschen. Man lernt, was die Regeln in der Gesellschaft vor Ort sind, spürt die Vibes und das Feeling, das der Ort rüberbringt.

 

Natürlich führt das Ganze zu dem Kompromiss, dass man in seinem Leben vielleicht nicht alle »sehenswerten« Städte, Länder und Orte von der Lonely Planet Liste abhaken kann. Aber ist es denn nicht auch viel schöner und erstrebenswerter, abseits von irgendwelchen Listen, Empfehlungen und Location-Suchen sein persönliches Glück einfach zu finden und selbst zu definieren? Wer hat denn zu entscheiden, was für mich persönlich »sehenswert« ist? Warum muss ich die Top-20-Städte unserer Welt besucht haben? Vielleicht finden wir unsere schönsten Erinnerungen nicht in den 5-10 größten, besten, schönsten Sehenswürdigkeiten eines Ortes, sondern in dem kleinen Café, das wir zufällig entdecken, während wir unsere Umgebung erforschen. Das klassische »Back to the Roots«, zurück auf den Boden der Tatsachen kommen, den Boden, auf dem wir uns befinden, wenn wir unterwegs sind.

 

2. Regionaler – Bleib auf dem Boden

Mir wird dabei bewusst, dass ich meinen eigenen Boden, meine eigene Stadt, mein eigenes Bundesland und eigentlich auch Deutschland noch nie auf diese Art erkundet habe. Natürlich ist man mal in anderen Ecken Deutschlands, besucht Freunde oder Veranstaltungen, macht einen kleinen Urlaub. Aber kann ich nicht genauso zu Hause reisen, wie ich es im Rest der Welt tue? Kann ich nicht mit der gleichen Neugierde, mit der gleichen Offenheit in meinem eigenen Land reisen? Natürlich ist der Sprach-, Kultur- und Klimaunterschied nicht ganz so gravierend wie bei einer Reise um die halbe Welt und doch kann man dank dieser Unterschiede sicherlich ganz neue Seiten, ganz neue Menschen in seinem eigenen Land finden. Oder einfach das Nachbardorf, -see oder -meer, ein Tagestrip in die Umgebung, ein Wochenende außerhalb der eigenen vier Wände, des eigenen Alltags und der eigenen Komfortzone. Warum nicht ein paar Kilometer rausfahren und Zelten? Warum nicht 2 Wochen bei einem Freund oder einem Fremden unterkommen? Warum nicht vor der eigenen Haustür zum Entdecker werden? Wenn wir es versuchen, können wir Erfahrungen und Erkenntnisse machen, die ähnlich denen sind, die ein Reisender in der großen weiten Welt erfährt.

 

Und selbst wenn wir uns gegen die Heimat entscheiden und in die Ferne wollen: Wir müssen ja nicht immer gleich fliegen. CO2 Emissionen, die wir beim Fliegen in unsere Umwelt pusten sind weitaus schlimmer als viele der kleinen Umweltverbrechen, die wir tagtäglich so akribisch zu vermeiden suchen. Wir können uns also andere Ziele suchen oder als Kompromiss bei den Zielen bleiben und nach alternativen Transportmitteln Ausschau halten. Inlandsflüge sind komplett unnötig, Flüge in Europa lassen sich häufig durch günstige Busverbindungen vermeiden. Natürlich sind da wieder die kleinen sehr bedeutenden Faktor Zeit und Bequemlichkeit. Aber warum nicht auch mal den Weg als Ziel sehen? Wir hetzen immer von Ziel zu Ziel, merken gar nicht mehr, wo wir eigentlich sind, wie weit wir uns bewegen. Wir steigen in ein Flugzeug, genießen einige Stunden Board-Programm und -küche und steigen dann irgendwo auf der Welt wieder aus, ganz als wären wir dorthin teleportiert.
Sollte aber das Traumziel in einem vertretbaren Rahmen eben nur im Flugzeug erreichbar sein, gibt es Unternehmen wie Atmosfair. Das System von Atmosfair berechnet einem den CO2-Ausstoß seiner Flüge und daraus einen Betrag, den man zum Ausgleich seiner Freveltat in ein ökologisches Projekt investieren kann. Vermeiden ist zwar besser als Ausgleichen, aber Ausgleichen ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung immer noch deutlich besser als Ignoranz:)

 

3. Bewusster – Watch Your Steps

Und genau um diese kleine Schritte geht es, wenn wir unsere Art des Reisens hinterfragen. Es geht nicht um ein gebuchtes »Nachhaltigkeits-Erlebnis« (zum Thema Eco-Tourismus möchte ich an dieser Stelle nicht so ausführlich werden, da der ganze Bereich relativ komplex ist, und neben einigen wirklich guten Projekten nicht nur jede Menge Green-Washing betrieben wird sondern teilweise noch größere Schäden angerichtet werden).
Auch geht es nicht nur um Entfernung und Geschwindigkeit. Es geht um ein allgegenwärtiges Bewusstsein. Wir sind zu Gast. Selbst wenn wir zu Hause sind, sind wir zu Gast in unserer Stadt in unserem Land, in unserer Natur. Wir sollten nichts in unserer Umgebung als selbstverständlich annehmen. Wenn wir irgendwo zu Besuch sind, irgendwo eine gewisse Zeit verbringen, irgendwo leben, nutzen wir einen Lebensraum, interagieren wir mit anderen Bewohnern dessen und nehmen in irgendeiner Form einen Platz in ihm ein. Wir beeinflussen seine Wirtschaft, die Einwohnerdichte, das BIP , vielleicht, wie viele Hotels gebaut werden, oder wie gut die Infrastruktur sich entwickelt. Wir produzieren Müll, Lärm und Gestank und Geschwindigkeit, weil wir Menschen sind. Mit der Entscheidung, wo wir uns in dieser Sekunde, Woche oder im ganzen nächsten Jahr aufhalten, verändern wir den jeweiligen Ort, formen wir unsere ganze Welt. Man sollte ab und zu reflektieren und sich bewusst machen, wo man sich denn eigentlich aufhält oder sich aufhalten will, warum überhaupt und welche Folgen das für den jeweiligen Ort hat. Und dann sollte man versuchen, dem Ort und der Gesellschaft vor Ort etwas zurückzugeben. Etwas von dem zurückzugeben, was man ihm genommen hat, dem Ort etwas zu geben, das ihn den bleiben lässt, der er vorher war, oder ihm etwas hinzufügt, das ihm gut tut. Wenn man einen Ort besucht, wie lange auch immer, wird man zumindest für eine kurze Zeitspanne ein Teil von ihm – und wir können bewusst entscheiden, wie dieser Teil aussehen soll, ob wir Spuren hinterlassen und wenn ja, wie tief diese sind.

 

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Die Komfort-Hütte oder warum ein Blick aus dem Fenster nicht reicht

Bei dem ein oder anderen etwas schärferen Text, den ich derzeitig mal schreibe, mag man vielleicht das Gefühl bekommen, dass ich eine oppositionelle Position gegenüber allem Gewohnten einnehme, voll auf dem Anti-Alles-Trip bin. Das ist so einfach allerdings nicht zu sagen. Zu sagen ist, dass ich derzeitig den wohl größten Abstand zu meinem alltäglichen Leben und meinen Gewohnheiten eingenommen habe, den ich je hatte.

 

Es ist ein wenig wie aus einem Haus heraus zu treten, in dem man zwar täglich wohnt, das man aber nie verlässt, geschweige denn von außen in Augenschein nehmen kann. Wir bleiben in unseren geschützten vier Wänden, weil es warm ist und trocken und – wie könnte es anders sein – sicher. Wir leben so vor uns da hin, folgen unserer Routine, schauen vielleicht auch mal aus dem Fenster, wenn wir eines haben, und öffnen es als höchstes der Gefühle vielleicht auch, um einen Lufthauch zu erhaschen. Wir könnten natürlich hinausgehen und atmen und die Sonne und den Wind auf unserer Haut spüren, all die guten Gerüche und Geräusche erleben und vielleicht auch den Garten verlassen, wenn wir denn wissen, was ein Garten ist und einen haben. Aber das wäre viel zu gefährlich, denn man weiß ja nicht, was sonst noch alles passieren kann da draußen und schließlich geht es uns ja auch eigentlich gut so wie es ist. Jeder, der das jetzt so liest, würde sagen: Natürlich verlasse ich mein Haus, das mache ich tagtäglich. Aber natürlich geht es nicht wirklich um ein Haus, nein, ich spreche von unserer allzu oft beschriebenem und allgemein kritisierten Komfortzone. Und diese verlassen wirklich die allerwenigsten von uns. Ich meine, natürlich ist sie nichts Schlimmes und sie gefällt uns, sonst hätte sie nicht ihren Namen. Und auch ich habe eine – jeder hat sie. Sie kann in den unterschiedlichsten Formen auftreten: Sie kann das Zuhause sein mit all seinen Facetten, die Nachbarschaft, die Arbeit, zu der viele täglich gehen, vielleicht auch einfach das Badezimmer in seiner gewohnten Form, ein warmes weiches Bett, das Smartphone, die gewohnten Menschen, Familie und Freunde, die alltäglichen Gewohnheiten, finanzielle Sicherheit oder sogar das Wetter. Sie ist das, womit wir in unserem Alltag gezielt umgeben.

 

Doch wenn man sich das Sinnbild des Hauses noch einmal vor Augen hält – ein Mensch und sein kleines angenehmes zu Hause –, würde man wohl immer sagen: »Warum verlässt die Nase nicht das Haus? Es ist doch so viel schöner im Garten und bei den Nachbarn und gegenüber in der Bar und in der gesamten bunten Welt um sein Haus herum!« Nun, die »Nase« ist eben bequem und vermeidet Unannehmlichkeiten. Vorsicht ist schließlich besser als Nachsicht. Man könnte draußen hinfallen, angegriffen werden oder sogar sterben. Fakt ist, dass man das in seinem Haus früher oder später auch tut und Nachsicht kann ja manchmal auch als reizvollen Lehre auftreten.
Doch worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass wir uns nicht nur viele interessante Erfahrungen draußen in der Welt nehmen, wir nehmen uns auch den Blick auf unser eigenes Haus. So sehen wir nicht, wie es beschaffen ist, welche Farbe es hat oder wo es sich überhaupt befindet. Das Reisen gibt uns die Möglichkeit, unsere Komfortzone zu verlassen und einen objektiveren Blick von außen auf uns selbst und unser ganzes eigenes Leben zu gewinnen. Wir lernen Dinge über unser eigenes Leben, weil wir so viele neue Versionen eben jenes kennenlernen und wir lernen so einiges über uns selbst, einfach weil wir uns in einem ganz neuen Umfeld, in einem ganz neuem Licht sehen. Wenn es in unserem Haus mal stürmisch wäre oder geregnet hätte, hätten wir immer die Tropfen mit einem Eimer aufgefangen und so das Problem weitestgehend behoben. Nun aber können wir sehen, dass der Wind die Dachziegeln vom Dach gerissen hat und es jedes Mal hineinregnet. Durch unseren Blick von außen gewinnen wir einen ganz neue Perspektive auf das Problem und können es vielleicht beheben.

 

Man muss sicherlich nicht ans andere Ende der Welt reisen, um seine Komfortzone zu verlassen oder genügend Abstand dazu zu gewinnen. Was ist schon genügend Abstand? Entscheidend ist, dass man es sich mal bewusst »ungemütlich« macht, sich Extremsituationen aussetzt, sich in eine Situation begibt, in der man gefordert wird und unter Umständen alleine klarkommen muss. Es geht darum, über sich hinauszuwachsen. Um dies wörtlich zu nehmen eine weitere letzte Metapher: Es fühlt sich vielleicht ein wenig an wie eine Blume zu sein, die man aus einem kleinen Topf in der Ecke eines stinkigen dunklen Zimmers genommen und draußen an einem schönen Fleckchen in die Erde gepflanzt hat. Versteht mich nicht falsch, mein Leben ist kein stinkiges, dunkles Zimmer. Aber der Effekt, den das Reisen auf mich hat ist einfach ein sehr extremer. Ich kann atmen, ich kann meine Wurzeln ausstrecken und wandern wohin immer ich will und mich der Sonne entgegen recken, wachsen bis in den Himmel und erblühen in vollster Blüte, Kraft und Energie. Ich weiß, dass dieser Satz wahrscheinlich kleine Schleimfäden zwischen den Synapsen eurer literarischen Gehirnwindungen zieht, doch er drückt genau das aus, was ich erlebe. Ich möchte euch also ermutigen, aus eurer kuschligen kleinen Hütte heraus zu treten, die Tür hinter euch zuzuschlagen, die Welt zu erkunden, in der ihr euch befindet, euch selbst zu erkunden und schließlich zu wachsen, wohin immer ihr wollt.

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Urlaub in Thailand und sein bitterer Nachgeschmack

Thailand – mit seinen wunderschönen Wasserwelten, Inselgruppen, Tempeln und idyllischen Landstrichen wunderschön anzusehen. Lokales Essen, Pad Thai, frische Früchte und exotische Spezialitäten an jeder Straßenecke. In der Luft liegt ein Geruch von heißen gerade zubereiteten Köstlichkeiten, den verschiedensten Gewürzen, Räucherstäbchen. Und der Gestank des Tourismus.

 

Der Aufenthalt in Thailand hatte für mich definitiv zwei Seiten. Ich habe die Bilderbuch-Buchten, das gute Essen und vor allem die Sonne sehr genossen und doch hatte das Ganze irgendwie einen leicht bitteren Nachgeschmack. Warum fährt man an einen Ort wie Thailand? Weil es warm ist, weil die Fotos im Internet schön aussehen und weil es sicher ist. Sicher ist in unserer heutigen Welt ein sehr relativer Begriff. Und doch kann man an einem Ort, an dem sich so viele Touristen aufhalten wohl annehmen, dass es sicher ist. Wenn ich von »Backpacking durch Thailand« erzähle, klingt das erst mal nach einem abenteuerlichen Tripp – wunderschöne Landschaften und nichts als den Rucksack mit seinem Hab und Gut dabei. Fakt ist aber: Von diesen Backpackern gibt es dort etliche geradezu unzählbare Mengen. Nachdem wir auf einem mehrstündigen Tripp mit Tetris ähnlichem Geschick gemeinsam mit anderen Touristen und Gepäck in einem Minibus geradezu verladen wurden, kam mir irgendwie der Vergleich zu einer Viehherde in den Sinn, welcher erst einmal etwas hart erscheint, mir aber in vielerlei Hinsicht sehr passend vorkommt.

 

Das schöne mit uns Menschen ist, dass wir immer nach einer neuen frischen grünen Wiese suchen, auf der die Grashalme noch von einer erfrischenden Schicht Raureif bedeckt sind, kein Halm einen Knick besitzt, kein anderer je gegrast hat. Das ist so weit verständlich, denn Reisen ist günstiger denn je und die billigen Flüge und Angebote sorgen dafür, dass es fast egal wird, welches Ziel wir letzten Endes wählen. Das Ganze hat nur einen Haken: Unsere Weidegründe sind begrenzt. Wir neigen in jeder Hinsicht und eigentlich immer dazu, uns zu überfressen. Es wird nicht mehr geschmeckt, wiedergekäut, reflektiert oder genossen. Nein, wir fressen und dann scheiden wir unverdaut wieder aus. Wir suchen uns im Katalog oder wahrscheinlicher im Internet, bei Google-Bilder oder bei Instagram eine Weide aus, nehmen ein bisschen Geld in die Hand und dann wird abgegrast. Möglichst viele Spots in möglichst kurzer Zeit, denn man weiß ja nicht, wann man den nächsten Urlaub bekommt von der Arbeit, die man eigentlich gar nicht machen will. Sehenswürdigkeiten abklappern, den Tipps der Bewertungsportale, Blogger und Youtuber folgen, die auch den letzten unerforschten, scheinbar unberührten Winkel eines Landes finden und ihn an den Rest der Welt heraus posaunen. Und dann geht es los: Es ist dabei nicht besonders wichtig, was die landestypischen Gepflogenheiten oder Benimmregeln sind, nicht wichtig, dass man Fledermäuse mit seinem Blitzlicht stört, Korallen zertrampelt, ganze Riffe zerstört oder Menschen in ihren Wohnzimmern fotografiert, denn man ist ja so wie so nur kurz zu Besuch. Man grast eine Woche oder zwei oder fünf oder sechs so herum und zieht dann weiter oder zurück zum Stall. Zurück bleibt ein völlig zertrampeltes, abgegrastes und matschiges Land.
Keine Frage, Tourismus ist super für die Wirtschaft. Die reichen Besucher werden schließlich auch ordentlich gemolken und ausgenommen – lokale Preise sind da nicht drin. Da Touristen höhere Preise zahlen können, sollen sie dies doch bitte auch tun. Wenn man mal die Perspektive wechselt, scheint das nur fair. Es funktioniert ja auch für alle Beteiligten. Und trotzdem scheint mir der Preis, den die Locals, das Land und besonders die Natur für diese Einnahmen zahlen, unvergleichlich hoch. Jedes Mal, wenn ein Land weiter touristisch erschlossen wird, ist es, als verlöre dieses Land etwas von seiner Unberührtheit, seiner Unschuld, etwas, das ihm für immer genommen wird.

 

Wir alle müssen uns also dringend mehr mit dem Thema von einem nachhaltigen Tourismus beschäftigen. Durch Globalisierung, Entwicklung und unser Bevölkerungswachstum erschließen wir immer mehr unserer »unberührten Weiden« und verkaufen sie an heißhungrige Viehherden, die nur darauf warten, die Halme aus dem Boden zu reißen. Kein Wunder, dass wir anfangen, den Tourismus auf den Mond zu verlegen. Gibt es doch schließlich bald keine Superlative mehr, wenn so mancher mit Anfang 30 schon einen Großteil unserer irdischen Länder bereist hat und seine Bucketlist schon dreimal neu schreiben musste. Es klingt wie das traurige Ende einer Geschichte, ist aber wahrscheinlich die nüchterne Wahrheit: Wenn wir nicht aufwachen, wird es diese Weiden bald gar nicht mehr geben. So wie wir das Reisen unserer Eltern nicht mehr kennengelernt haben (kommunikativ abgenabelt, mit Karte in der Hand und zu Flecken der Erde, die kein anderer in ihrem Freundeskreis je besucht hat) so werden die nächsten Generationen auch unsere Art des Reisens vielleicht nicht mehr nachvollziehen können. Das ist natürlich bis zu einem bestimmten Punkt einfach der Lauf der Dinge. Einen großen Anteil haben wir aber durch pure Ignoranz selbst zu verantworten. Schon jetzt kommt man in manchen Ecken Thailands an, in denen es deutsche Guides gibt, deutsche Restaurants mit deutschem Essen und sogar deutsche Straßenschilder. Wenn man so etwas sieht, fragt man sich doch, warum die Deutschen nicht einfach gleich in Deutschland bleiben.

 

Die Krux an dieser ganzen Geschichte ist, dass ich dieses ganze Problem beschreibe und zugleich ein Teil seiner bin. Ich wüsste all dies nicht, wenn ich es nicht erlebt hätte, was wiederum bedeutet, dass ich selbst zum Vieh gehöre und grundsätzlich nicht besser bin als all die anderen Trampeltiere. Und auch ich habe nicht vor, mit dem Reisen aufzuhören. Doch – und ich glaube, das ist entscheidend – ich merke wenigstens, dass ich zu der menschlichen Rasse der Trampeltiere gehöre und erkenne die Probleme, die ich verursache. Es reicht natürlich nicht, das Problem auszumachen und zu beschreiben. Man muss auch etwas verändern. Wir brauchen Lösungen. Wie kann ich reisen und trotzdem keine allzu tiefen Spuren auf den bezaubernden Hängen und Wiesen hinterlassen? Wie kann ich grasen, sodass nach meiner Mahlzeit genügend Gras für das nächste Vieh nachwächst? Wie kann ich zu Besuch sein und den Menschen vor Ort dabei angemessen begegnen? Wie können wir die Welt, wie wir sie kennen, erforschen und sie trotzdem für kommende Generationen erhalten?

 

Nun, die Antworten darauf würden sicherlich den Umfang dieses Textes sprengen und ich möchte sie auch nicht in Form einer kurzen Liste behandeln, sondern dem Thema angemessen und ausführlich gegenübertreten. Ich verspreche also, den Prozess, der in meinem Kopf in Gange ist, und die Lösungen, die ich vielleicht finde, in weiteren Artikeln hier mit euch zu teilen. Bleibt also dran!

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Kapstadt – das südlichste Europa der Welt

Bei all den erkenntnisreichen Ergüssen, die mir während meiner Reise aus den Fingern fließen, komme ich nicht umhin auch mal einen kleinen etwas klassischeren Reisebericht einzuschieben. Ich habe Südafrika abgeschlossen und möchte dieses Land nicht einfach unbeschrieben zurück lassen.
Vorweg muss ich schon mal gestehen, dass ich nicht wirklich von Südafrika schreiben kann. Ich kann von Kapstadt, dem kleinen eigenen Europa am südlichen Zipfel des Landes, und von der Garden Route – doch zu dieser vielleicht an anderer Stelle mehr. Das Folgende kann allen, die bereits in Cape Town waren, ein lächelndes Zurückerinnern bescheren und allen, die noch dort hin wollen einen netten ersten Vorgeschmack geben.

 

Kapstadt ist eine vibrierende funkelnde Metropole mit so vielen Gesichtern, wie es Dinge zu erleben gibt. Ich möchte die Reisetipps kurz halten und nur kurz und knackig anreißen, was euch dort erwartet. Wie gerade schon angedeutet: Glaubt nicht, dass ihr dort „Afrika“ zu spüren bekommt. Natürlich könnt ihr bunte Armbänder, hölzerne Giraffenfiguren oder farbenfrohe Gewänder kaufen, aber ihr werdet hier nicht auf einem Elefanten reiten, mit den Löwen schlafen oder euch durch den Dschungel schlagen. Es gibt hier genauso Konzerte, Hipsterviertel, Szene Cafés und allen anderen Klimm-Bimm, den es in jeder anderen Stadt von Welt auch gibt. Auch Kapstadt hat dunkle Ecken und fröhliche Ecken und teure Ecken und hektische Ecken. Auch Kapstadt hat Berufsverkehr, bei dem gar nichts mehr geht, und Mietpreise, denen man beim steigen quasi zusehen kann – wie das ist einer Metropole eben so ist.
Was diese Stadt aber so besonders macht, ist die Kombination von Rundum-Meer und den Bergen in der Mitte. Die südafrikanische Sonne brennt im Sommer (unserem Winter) kräftig einen weg, während der South-Eastern-Wind (Cape-Doctor) einem vom Meer die ersehnte Abkühlung bringt.

 

Die Kapstädter, örtlich „Capetonians“ genannt, sind überspitzt gesagt eine Mischung aus schwarz, weiß, Südafrikaner, Holländern und Deutschen. Gesprochen wird Englisch, Xhosa oder Afrikaans – und da gibt es dann noch ein paar sprachliche Eigenheiten, wie zum Beispiel, Fragen mit einem „hey?“ zu beenden oder zur Verblüffung ein „Joh!“ oder „Jissis!“ auszustoßen.
Wir befinden uns hier außerdem in einem Land, in dem Kontraste zwischen arm und reich oder weiß und schwarz größer gar nicht sein könnten. Südafrikas Geschichte der Apartheid spiegelt sich natürlich auch hier wieder und so kann man am einen Ende der Stadt die teuersten Luxusvillen bewundern, am anderen Ende Townships mit Wellblechhütten vorfinden, die sich in einem scheinbar gewollten Chaos über große Fläche erstrecken.

 

Schauen wir doch noch einmal was Kapstadt denn nun so zu bieten hat. Ich gehe dabei jetzt mal nach Bezirken vor – diese sind überspitzt formuliert folgende:
Obz aka Observatory ist Studentenbezirk und wird von den meisten besser betuchten eher als „dodgy“ beschrieben, hat aber mit seinen Second-Hand-Läden, Restaurants und Cafés auf der Lower Main Road jede Menge Charme. Es grenzt an den Devilspeak, einen besonders anstrengend (!) zu besteigenden Ausläufer des Tafelberges.
In Woodstock geht das kreative Leben ab: Biscuit Mill Market, Design Studios, Ausstellungen, Start-Ups.
Es folgen etwas weiter nördlich Milnerton, Sunset Beach, Table View, Blouberg – endloser wunderschöner Strand, der an Nordsee und Dänemark erinnert, mit bestem Blick auf Kapstadt City und den Tafelberg (als absoluter Kite-Surfing Strand bekannt).
Zurück in Kapstadt: das Stadtzentrum. Im Schutze des Tafelberges wandert man durch Long-Street (bei Tag Touri-Meile, bei Nacht Party-Meile), Loop-Street, Bree Street und Green Market (Geheimtipp „First Thursday“ mit freiem Eintritt in Galerien, kostenlosem Wein und jeder Menge feierfreudiger Menschen). Außerdem zu finden: Tambourskloof, Bo-Kaap, Civic Center, Bahnhof und Minibus-Anlaufstelle.
Nächstes Highlight – V&A Waterfront und der Hafenbereich: Schicki-Micki-Shoppen, Sehen und Gesehen-Werden, seine Yacht ausführen, zu Silvester Feuerwerk gucken oder einfach teuer essen gehen. Von hier aus kann man auch ein Boot Richtung Robben Island nehmen (frühere Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela lange Zeit verbrachte).
Weiter an der Küste entlang folgen Greenpoint, Seepoint, Clifton und schließlich Camps Bay, welche in dieser Reihenfolge auch steigende Grundstückspreise, Einkommen und Egos vorweisen. Lange Promenaden mit Grünanlagen, Alibi-Joggern oder Sonnuntergangs-Spaziergängern. Auch hier zu Hause sind Leuchtturm, Greenpark und das WM-Stadion. Clifton lädt zu einem Tag an Beach 1-4 und eiskaltem Wasser ein, Camps Bay trumpft auf mit feinen Restaurants, einem abendlichen Glas Wein mit den Schönen und Reichen oder dem Sonntag-Abend im Café Caprice (egal was man hier unternimmt, man wird auf jeden Fall Geld los).
Weiter geht’s mit Hout Bay, einem kleinen Fischer-Hafen, mit feinem weißen Sandstrand, jeder Menge Seehunden und einem atemberaubenden Wochenendmarkt in der Markthalle. Eine ganz eigene Welt bildet die Peninsula: Touri-Programm pur. Ein sehr schöner Nationalpark, mit dem süd-westlichsten Punkt Afrikas, Pinguine zum Anfassen und kleinen süßen Orten wir Simons Town oder Fish Hoek. Vorbei an Kalkbay folgt dann Muizenberg, die Surferhochburg mit den kleinen bunten Umkleidehäuschen. Von hier aus könnte man dann am Township Khayelitsha vorbei Richtung Strand fahren, einer kleinen Stadt in der False Bay (hier hat das Wasser dann auch endlich Badetemperatur). Alternativ dazu ein Tripp nach Stellenbosch – Weinhochburg, sehr schnieke und nett mit dem angrenzenden ebenso zauberhaften Franchoek. Will man es noch weiter treiben, macht man sich von hier auf die Route 44 und erreicht irgendwann Bettys Bay und schließlich Hermanus die Wal-Stadt, in der (hauptsächlich zwischen Juni und Oktober) jede Menge Wale zu sehen sind.

 

Das wars dann auch schon mit der kurzen, leicht verspäteten Zusammenfassung von Kapstadt und Umgebung. Ein kleiner Text wird dieser pulsierenden Metropole sicher nicht ganz gerecht und auch muss ich detailliertere Tipps und Erläuterungen aussparen – ich stehe euch aber jederzeit für Fragen bereit.
Ich habe die einzelnen Facetten und vor allem aber die Menschen, die ich in dort kennen lernen durfte, sehr geschätzt und behalte sie in warmer guter Erinnerung in der südlichsten Ecke meines Reiseherzens.

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Reisen – was das?

Ich glaube, ich bin lange genug von zu Hause weg, um mir ein kleines Reise technisches Zwischenfazit zu erlauben. Mir wird bewusst, dass Reisen nicht nur der Schlüssel zu einer neuen Perspektive und einem objektiveren Blick auf unser eigenes Leben ist, sondern uns auch viele der Dinge zurück gibt, die wir im Schoße unserer alltäglichen Gewohnheiten verlernt oder vergessen haben.

 

Ich muss zum Beispiel feststellen, dass man in einem Gespräch mit jemandem, den man gerade eben erst getroffen hat, sehr schnell sehr viel von sich preisgeben kann wie auch sehr tiefgründig werden kann. Dieses Phänomen ist gar nicht mal an das Reisen gebunden, mir aber durch die hohe Frequenz neuer Leute besonders bewusst geworden. Man erzählt diesem fremden Menschen eine Geschichte, die man vielleicht schon mit jedem seiner Freunde durchgekaut hat und doch bekommt sie einen ganz neuen Anstrich, eine ganz neue Reflexion, nur weil ein Fremder seine objektive Meinung dazu kund tut. Ich glaube, dass diese Konversationen mit zufälligen Bekanntschaften, die man vielleicht in einem Bus sitzend, auf einer Felskante wartend oder klassischer Weise in einem Café beginnt, einem jede Menge geben können, ohne dass man dafür allzu viel tun muss. Es ist das simpelste und zugleich wichtigste Konzept der Welt: unsere Kommunikation. Diese befindet sich dauerhaft im Wandel und jede Generation hat aufs Neue das Gefühl, dass wir verlernen, miteinander zu sprechen. Und ich denke, das hat auch seine Berechtigung – zu mal eben jene spontanen und doch zutiefst interessanten Gespräche immer seltener werden. Wenn ich darüber nachdenke, wann ich in Deutschland zuletzt ein Gespräch mit einer fremden Person im Bus begonnen habe (ohne dass es aus Höflichkeit und ohne dass es eine ältere Dame war, die diese Form der Kommunikation noch ganz anders verinnerlicht hat), muss ich schon sehr lange überlegen. Und dabei haben wir immer die Freiheit und Wahl dies bei jeder Möglichkeit einfach zu tun.
Und das ist eines der wichtigsten Dinge, die ich bis jetzt vom Reisen mitnehme: Wir haben immer die Wahl. Wir haben immer die Wahl und können uns immer für diesen oder jeden Weg, diese oder jede Handlung, diese oder jede Art zu sein entscheiden. Viele der Menschen, die ich treffe, reisen, um sich ihrer selbst bewusst zu werden, zu verstehen, was sie wirklich wollen, einen Neuanfang zu starten, bei Null anzusetzen. Und ich sehe, dass es kein Alter, keinen Lebensabschnitt und kein Land gibt, in dem das nicht passiert bzw. nicht möglich wäre. Wenn jemand meint, es geht nicht, dann will er es meiner Meinung nach nur nicht genug, setzt seine Prioritäten anders. Wir können immer neu beginnen, wir können immer, diese Woche, heute, jetzt sofort anfangen, das zu tun, was wir wirklich wollen, was wir wirklich tief in uns ersehnen.

 

Reisen ist also Sehnsucht. Reisen ist Inspiration. Und Reisen bedeutet, sich selbst neu zu erfinden.
Das Gefühl, ein Reisender zu sein, befähigt einen zu jeder Menge neuer Handlungen und Eigenschaften. Man ist der Ausländer, Außenseiter, in Welpenschutz und außerdem hat man generell die Erlaubnis, jede Art von Fragen zu stellen. Das Reisen scheint uns einen Teil unserer kindlichen Neugierde zurückzugeben. Jeden Tag erleben wir etwas Neues, starten in den Tag mit der Vorfreude auf neue Orte, Menschen und Erfahrungen.
Doch wenn man es streng nimmt, können wir das auch zu Hause haben, oder nicht? Das einzige, was diesem Gefühl, dieser Lebensart, dieser neugierigen Perspektive im Wege steht, ist das kleine Ding, das sich unser Alltag schimpft. Er entsteht durch Wiederholung und die leben wir als Gewohnheitstiere jeden Tag und so oft wie nur möglich. Wir fühlen uns wohl mit Dingen, die wir kennen, mit einem geregelten Tagesablauf.
Die Dinge auf sich zukommen zu lassen, nicht alles zu planen und Inspiration in den Dingen selbst zu finden, beschert mir jedoch gerade höchste Zufriedenheit. Unsere Gefühle, Lebenseinstellungen oder die Art, wie wir uns geben, zu hinterfragen oder zu verändern, ist nicht zwingend an einen fernen Ort gebunden – auch wenn ich zugeben muss, dass man vielleicht einmal einen fremden Ort braucht, um dies überhaupt erst zu erkennen. Ich möchte dies für mein Leben verinnerlichen: reisen nicht bloß, wenn ich „Reisende“ bin, sondern immer, wenn es mir beliebt.
Warum also nicht sein Leben als Reise sehen, seinen Tag als Reise sehen? Diesen neugierigen unverbrauchten Blick, den wir haben, wenn wir unterwegs sind, mit nach Hause nehmen. Vielleicht müssen wir lernen, Neues in unserem Alltag zu finden, ihn neu zu interpretieren, ihn zu verändern. Vielleicht müssen wir nicht mit dem klassischen sich wiederholenden Abbild eines Alltags leben, sondern haben die Möglichkeit, unseren Tag immer wieder neu zu erfinden. Einen anderen Weg zur Arbeit einschlagen, sich Zeit für Dinge nehmen, die wir sonst nur im Vorübergehen tun oder weil wir sie tun müssen, und kleine Gesten, Momente und Ereignisse wieder wertschätzen.

 

Das Reisen hat also jede Menge wundervoller Eigenschaften – sei es Spontanität, Neugierde, Offenheit oder Mut. Wenn wir nur die Hälfte davon wenigstens ab und zu etwas mehr in unserem Tag leben, können wir ein anderes Leben haben, ein anderer Mensch sein. Dann können wir über uns hinaus wachsen, unserem Horizont hinterherjagen und einen neuen abenteuerlichen Weg finden.

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Von Steinen und warum man sie nicht suchen sollte

Wenn wir mal ehrlich sind, beschäftigt man sich auf einer Reise ständig mit Suchen. Sei es nach Steinen, Orten, Menschen, Erlebnissen, Fotomotiven, Weisheit oder sich selbst – man strebt nach Veränderung, nach dem Neuen. Bis jetzt hat sich für mich allerdings herausgestellt, dass das Finden und Entdecken an und für sich viel reizvoller ist.
Nehmen wir einen urlaubsüblichen Strand mit jeder Menge Sand und einigen Steinen, an denen sich der durchschnittliche Urlauber jedes Mal stört, wenn er auf ihnen ausrutscht, sich den Fuß stößt oder sie unter seinem Handtuch hervorholen muss, um bequem zu liegen. Diese Steine sind die Begierde so manch eines verwegenen Sammlers, der vielleicht zersprungene Muscheln satt hat und ein Souvenir sucht, dass von Dauer ist. Nun begebe ich mich in seine Situation und sage mir, ich will den perfekten Stein finden. Abgesehen davon, dass dies eine vage Definition ist und ich vielleicht noch gar nicht richtig weiß, was perfekt in diesem Falle bedeutet, kommen vielleicht jede Menge dieser Steine in Frage. Wie fange ich also an zu suchen? Ich gehe zu einem der angeschwemmten Steinhaufen, bei denen mir die Wahrscheinlichkeit größer erscheint, einen geeigneten Stein zu finden. Das ergibt ja nur Sinn – dachte ich. Doch auch nach mehreren Minuten will sich kein wirkliches Prachtstück finden. Schließlich nehme ich einen x-beliebigen und mache mich auf den Weg nach Hause. Kurz vor dem Holzsteg zurück zum Parkplatz sehe ich ein besonders schönes Exemplar aus dem Sand ragen – nur eine kleine Spitze, doch in so schillernder Farbe, dass ich sie nicht übersehen kann. Es ist kein Stein sondern ein phantastisch geformtes schillerndes von seinem Bewohner verlassenes Schneckenhaus.
Es geht mir natürlich nicht um Steine, denn diese Geschichte hat mir bloß den Denkanstoß für die weitreichende Bedeutung des Ganzen gegeben. Es geht mir um die Suche selbst. Wir suchen Locations, von denen wir Fotos gesehen haben, Orte, an denen sich viele Touristen aufhalten, Restaurants, in denen viele Gäste speisen. Wir suchen die Wale, in Gegenden, in denen viele gesichtet wurden, die große Liebe in Clubs, Kreisen oder in Netzwerken, in denen wir eine große Auswahl haben und unser Glück in all den Dingen, die wir begehren und vor uns sehen.
Es macht Sinn, auf diese Art und Weise zu suchen… Das Ganze liegt nur nahe: das Essen in gut besuchten Restaurants ist gut, mehr Steine bedeuten mehr Auswahl und da wo alle Touris ein Foto machen, hat das auch meistens einen atemberaubenden Grund.

 

Ich glaube allerdings, dass wir vielleicht mit der Suche selbst falsch liegen. Wir schauen mit dem Fernglas weit nach vorne, verpassen den Boden unter unseren Füßen und die Welt um uns herum. Wir suchen die Brille, die auf unserem Kopf ist, das Handy, dass wir gerade in der Hand haben und unseren Verstand, mit dem wir darüber nachdenken, wo er selbst wohl sein mag. Und schließlich verlieren wir aus den Augen, was wirklich zählt, nämlich was, wer, wo und mit wem wir jetzt und in diesem Moment gerade sind. Zu suchen, schürt in uns Erwartungen und Ungeduld und endet vielleicht auf kurz oder lang in Frust, Verzweiflung oder einer weiteren Suche. Zu suchen verändert uns, nimmt unsere Gedanken ein, raubt uns Energie und macht uns unzufrieden.

 

Es ist sicherlich leichter gesagt als getan, aber ich denke, wir sind besser dran, wenn wir versuchen, nicht zu suchen. Wenn wir zufrieden sind mit uns selbst und mit dem, was wir gerade haben. Das Ding, an das wir keine Erwartungen stellen, weil wir es noch nicht wissen, sehen, planen oder eben suchen, kann jene auch nicht enttäuschen.

 

Das beste Essen kann man in einem weit abgelegenen kleinen Restaurant haben – eben weil es nicht jeder kennt und mag, weil es eine irgendwie magische Atmosphäre hat und man mit den Menschen dort landet, die einem am Herzen liegen. Die schönsten Momente hatte ich an Orten, an die ich nie geplant hatte zu gehen, die mir vielleicht zufällig unter die Füße geraten sind oder nur weil ich einen ungewollten Umweg eingeschlagen habe. Wale habe ich nicht auf der unternommenen Whale Watching Tour gesehen, sondern ganz zufällig, als ich nichts ahnend einen Tripp mit einem Segelboot unternommen habe. Und einen Freund und Gefährten findet man manchmal in dem unscheinbarsten Fremden, in einem Menschen, den man nicht erwartet hat, in einem Menschen, der nie geplant war.

 

Man kann es je nach Neigung Zufall, Schicksal oder Glück nennen, aber ich glaube eben jene Phänomene können uns weit mehr Zufriedenheit bescheren als all die Dinge, nach denen wir bewusst und vielleicht vergeblich streben. Natürlich haben wir einen freien Willen und treffen unsere eigenen Entscheidungen und auch möchte ich damit nicht sagen, dass wir keine Träume haben sollen. Träume, Ziele und Sehnsüchte sind Antrieb und Grund für unsere persönliche Veränderung und Weiterentwicklung.

 

Doch wie alles sollte man sie in Maßen genießen. Wir sollten den Plan auch mal verwerfen dürfen oder ihn gar nicht erst schmieden. Wir sollten die Dinge so akzeptieren und genießen, wie sie kommen, und schließlich statt einem Stein ein schillerndes Schneckenhaus mit nach Hause nehmen.

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Allein unter Menschen – von Freundschaft, dem Allein-Sein und der Beziehung mit uns selbst

Vor einigen Wochen stand ich, nur mit meinem Rucksack ausgestattet, auf dem Busbahnhof und mir wurde bewusst: »Meine Reise beginnt jetzt!« – obwohl ich mich mittlerweile frage, was mich diese Feststellung treffen ließ. Ich könnte diese Worte eben so gut jeden Morgen sagen. Wir befinden uns auf einer ständigen Reise, haben ständig neue Anfänge und sind ständig dabei, dem nächsten »großen Etwas« entgegenzufiebern – sei es die nächste Verabredung, ein besonderer Tag, ein Lebensabschnitt oder das Leben selbst. Wo fängt also so ein »Etwas« an und wo endet es? Warum habe ich gerade jetzt das Gefühl, dass etwas Großes beginnt?

Wahrscheinlich scheint es mir so groß und besonders, weil ich schon ewig über die große Reise gesprochen habe, aber sie bis jetzt nicht umgesetzt habe und sie vor allem ganz alleine bestreite – dachte ich jedenfalls. Ich dachte, dass ich meine Heimat verlasse und komplett auf mich allein gestellt bin, alleine mit Problemen umgehen muss und von allen gewohnten Dingen und Menschen getrennt sein würde.
Fakt ist: Es gab bis jetzt keinen Punkt, an dem ich mich wirklich allein gefühlt habe. Abfahrt von zu Hause, ein Freundes-Besuch in Frankfurt, ein Freundes-Besuch in Pretoria und schließlich die große sagenumwobene »Allein-Phase« in Kapstadt. Pustekuchen. Von Zeit zu Zeit habe ich die Abgeschiedenheit gezielt gesucht und mir Zeit mit mir selbst eingeräumt, aber ansonsten gab es selbst ab diesem Zeitpunkt kein wirkliches Allein-Sein. Bereits am Flughafen schloss ich mich mit einer Niederländerin zusammen und teilte mir die Fahrt in die Stadt mit ihr. Und kaum betrat ich mein Hostel, lernte ich eigentlich alle zehn Minuten jemanden Neues aus allen Teilen der Welt kennen. Mit einigen dieser Menschen habe ich ganze Tage verbracht, Nächte durchgefeiert und Berge bestiegen. Und auch außerhalb der Backpacker-Welt ist es irrsinnig einfach, neue Menschen kennenzulernen – sei es über Couchsurfing, Whatsapp-Gruppen, Facebook oder einfach ganz klassisch auf der Straße. Die Welt steht dem Reisenden offen und er muss eigentlich nur noch die Initiative ergreifen, mit einer Frage, einer Feststellung oder einem interessanten Fakt ein Gespräch beginnen und Schwupsdiwups gesellt sich ein neuer Mensch in den Kreis der Reise-Freunde.
Natürlich frage ich mich, wie tief gehend diese Bekanntschaften so sind. Wie würden die Leute sich in Notsituationen verhalten? Wie hoch wäre die Hilfsbereitschaft? Bis zu welchem Punkt ist man ein Fremder, ab wann ein Bekannter und ab wann ein Freund? Was macht diese einzelnen Arten von Personen aus? Einige der eingefleischten Hostel-Bewohner sprachen sogar von einer Art Familie und dem Aufgenommen-Werden in diese. Ist es überhaupt möglich, eine Ansammlung von Fremden auf der Durchreise seine Familie zu nennen? Wir benutzen all diese großen Worte tagtäglich und akzeptieren sie in unserem Alltag irgendwann als selbstverständlich. Sie alle sind teil unserer Welt, in welcher Dimension auch immer. Wenn man bedenkt, dass jeder Mensch diese Begriffe für sich anders definiert, ist es eine subjektive Kategorisierung, jemanden seinen Freund zu nennen, zu seiner Familie zu machen oder sogar zu lieben. Doch es geht natürlich nicht nur um die Begrifflichkeiten. Vielmehr sind es Erfahrungen und Gefühle, die diese Personen für uns zu dem machen, was sie sind. Wir definieren unsere Beziehungen zu ihnen dadurch, wie lange wir sie kennen oder wie viel Zeit wir mit ihnen teilen, durch Sympathie, Treue, Vertrautheit und natürlich auch ein bisschen nach Herz- und Bauchgefühl.
Wenn man aber mal über all die Beziehungen nachdenkt, die man für gewöhnlich oder im Alltag hegt, kommt man vielleicht irgendwann an einen Punkt, an dem man sie hinterfragt. Was ist denn zum Beispiel eigentlich Familie? Wer ist Familie? Wäre man mit einigen seiner Familienmitglieder befreundet, auch wenn man nicht mit ihnen verwandt wäre – oder sind sie eben einfach da, weil sie da sind? Macht es einen Freund eher aus, dass man ihn lange kennt oder dass man ihn oft sieht? Muss man gemeinsam gelitten haben, um eine starke Bindung zueinander zu haben? Wie viele Menschen können wir in unserem Leben aufnehmen, wie viele Beziehungen können wir gleichzeitig pflegen? Was zerstört diese Beziehungen und was tut man, um sie aufrecht zu erhalten? Wir müssen nicht alles und jeden hinterfragen. Aber sich dieser Dinge einmal bewusst zu werden und bestimmte Eigenschaften wieder wertzuschätzen, Erinnerungen hochzuholen oder sich ins Gedächtnis zu rufen, was man mit diesem oder jenen Menschen durchgemacht hat, kann sehr erhellend sein.
Auf der anderen Seite lerne ich aber auch, dass wir, bevor wir über unsere Beziehungen zu Familienmitgliedern, Freunden, fremden Menschen nachdenken, bei uns selbst anfangen müssen. Egal, ob wir uns in unserem Alltag mit langjährigen Seelenverwandten umgeben, als Reisender gefühlt jede Stunde jemanden neues kennenlernen oder einfach nur irgendwo auf der Welt in einer riesigen Masse von Menschen befinden: wenn wir uns von ihnen verabschieden, nach Hause gehen, uns schlafen legen oder einfach nur die Augen schließen, ganz gleich, wo wir gerade sitzen, stehen oder gehen – dann sind wir mit uns allein. Und letzten Endes ist dies eine ganz entscheidende Frage: Mögen wir den Menschen, dem wir dann gegenüberstehen? Wären wir mit uns selbst befreundet, wenn wir uns auf der Straße treffen würden?

Wie gut pflegen wir die Beziehung mit uns selbst?

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