Swantje Roersch | Arbeitsprobe
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Liebe, Frieden & Zahnarzt – eine Woche ROC in der Notunterkunft Neukölln

Der Raum füllt sich mit Leben. Immer mehr Menschen strömen durch die Türen und aus den Fahrstühlen in die geräumige 4. Etage. Alle voller Aufregung, alle voller Vorfreude – das Warten hat sich gelohnt. Die Rede ist von der Eröffnung der »Etage der Möglichkeiten« in einer Notunterkunft in Berlin Neukölln. Viele Monate Arbeit stecken in dem wundervollen Ergebnis, dass ich zusammen mit dem Rest des Teams und den Bewohnern in diesem Moment auf mich wirken lasse, ja gerade zu genieße.

 

Das Projekt ROC – Refugee Open Cities – will etwas verändern. Der Alltag für geflüchtete Menschen, die in Deutschland ankommen, ist schwierig, die Unterbringung sehr einfach und es herrschen weder Wohnlichkeit noch Privatsphäre. Knapp 600 Menschen teilen sich die 3 Etagen in dem ehemaligen Einkaufszentrum. Da bleibt wenig Raum für selbstständige Beschäftigung, Entspannung, Kinderbetreuung (für die ca. 150 Kinder) oder einfach eine ungestörte Unterhaltung.

 

Wie soll man so eine Situation bewältigen, wo soll man anfangen? Wie soll man Dinge wie Behaglichkeit, Unbeschwertheit und so etwas wie Normalität in einen Ort stecken, an dem auf engstem Raum Menschen leben, die schrecklichste Strapazen hinter sich und noch einen langen Weg Richtung »geregeltes Leben« vor sich haben?
Im Sommer 2016 beschloss ein Team von Open State gemeinsam mit Bewohnern und in Zusammenarbeit mit den Maltesern, dies gemeinsam herauszufinden, und arbeitete mehrere Monate an Lösungen, Visionen und einem Plan, der es in sich hatte.
Das Ganze resultierte im »ROC Baufestival«, einer Woche, in der all die Ideen für die freistehende 4. Etage des Gebäudes umgesetzt werden sollten und zu der auch ich eingeladen wurde. Was ich dort erlebte, war schlicht weg unglaublich!

 

Die Planung sah eine Vielzahl an einzelnen Räumen vor: einen Sportraum mit Geräten und Platz für Übungsstunden, ein Lernzentrum, in dem unter anderem Deutschlernkurse stattfinden können, ein Frauenzimmer zum Nähen und Ungestört-Sein, ein Kinderzimmer mit Möglichkeit zum Toben und Energie abbauen, ein Teehaus für die Herren der Schöpfung, ein kleiner Garten und eine provisorische Küche, ein Informationszentrum z.B. mit Angeboten für den Berufseinstieg, eine kleine Siedlung abschließbarer Tiny-Häuser mit Betten und/oder Tischen für ein wenig Privatsphäre sowie ein »Marktplatz« als Zentrum mit einer kleinen Bühne, einer Leinwand und genügend Sitzgelegenheiten für alle. Jeder dieser Räume hatte also eine Aufgabe und würden nach der Bauwoche von den Maltesern mit Programm und Workshops für die Bewohner bespielt werden.
Doch zu erst einmal gab es da ja nur eine riesige Halle, die so ganz und gar nicht einladend war. Bei meiner Ankunft waren immerhin schon einige Wände eingezogen und farbenprächtig bemalt. Doch so richtig vorstellen konnte ich mir das Ganze noch nicht. Nach dem morgendlichen Check-In verteilten sich die täglich angetanzten freiwilligen Helfer auf die verschiedenen Teams der Riesen-Baustelle. Tatsächlich tummelten sich binnen kürzester Zeit Unmengen von sägenden, bauenden, malenden und organisierenden Helfer und Bewohner in der Halle. Innerhalb der 7 Tage wurden Wände eingezogen, kleine Häuser und Möbel gebaut und jeder Raum seiner Funktion entsprechend Bestückt und eingerichtet.

 

Meine Aufgabe war es, ein Leitsystem mit Icons für die gesamte Etage zu erstellen, welches ich später gut sichtbar auf drei große Platten am Eingang übertrug.

 

Ich war insgesamt sehr beeindruckt, welch motivierte, engagierte und großartige Menschen an diesem Ort zusammenkamen. In der Luft lag neben dem Duft von gutem Essen nicht bloß die konzentrierte und zum Ende hin leicht hektische Anspannung. Es war mehr. Es war ein gemeinsames Ziel, geteilter Schweiß, Unterhaltungen auf den verschiedensten Sprachen, Menschen, die an einem Strang zogen, und ein Geist, der all dies zusammen hielt. Es klingt ein wenig kitschig, aber irgendwie spürte man so etwas wie Aufbruch und Hoffnung.

 

Und dann wurde dieser neuer Ort mit seinem ganz eigenen Zauber feierlich eröffnet. Es gab eine Band, ein mitgebrachtes Buffet und eine kleine Parade, in der die Bewohner und das Team einmal gemeinsam durch die Etage gingen und jeden Raum kurz einweihten.

 

In der Mitte des Eingangsbereiches stand ein zusammengezimmerter von den Kindern wild bemalter Wunschbaum, an den diese nun ihre Wünsche hängen durften. Ich fragte mich, was dort wohl so stehen mochte – trotz der Freude über das neue Kinderzimmer hatten die Kinder keine unbeschwerte Kindheit. Die Wünsche zu lesen, hat mich erinnert, warum es so wichtig ist, an solchen Projekten teilzunehmen oder sie zu initiieren. Ein Schild blieb mir besonders in Erinnerung und ließ mich im Moment, da ich es las, wieder einmal gewahr werden, wie gut es uns geht. Es sagte: »Liebe, Frieden & Zahnarzt«.

 

Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Woche werden wohl noch ein wenig nachhallen. Und es geht natürlich weiter mit ROC. Das Projekt in Berlin soll erst der Anfang und Vorbild für viele weitere Projekte in Deutschland und Europa sein. Um anderen die Durchführung eines solchen Vorhabens zu erleichtern, wird das Ganze nun in einem Online-Toolkit als Open Source aufbereitet. Auch das ist wieder jede Menge Arbeit. Wie gut, dass auch dafür ein bisschen Gestaltung benötigt wird…

 

(Fotos: Open State; ROC)

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Projekt »Robuste Liebe« – Gestaltung ist Magie!

Wie das ein oder andere Mal angedeutet, hatte ich vor etwas weniger als einem Jahr jede Menge Projekte, die auf mich zuschossen. Da war meine Abschlussarbeit, von der ich euch demnächst auch noch mal etwas eingehender berichten werde, das Bock drauf Kreativblatt, der Auftrag für IWICE uuuund… die umfassende Gestaltung einer Silberhochzeit.

Einladungen, aus denen Blumen wachsen, Tischdeko, die sich in funkensprühende Flammen verwandelt und Gastgrüße, die in einem Magazin real werden – was mit einer kleinen Idee anfing, verwandelte eine Silberhochzeit in ein magisches Fest.

Aber erst mal alles auf Anfang. Das Thema Silberhochzeit war für mich zu erst etwas unhandlich und kitschig. Ich suchte nach Vergleichen und grübelte über Metaphern. Schließlich stellte ich fest, dass eine 25 Jahre andauernde Liebe am ehesten einer Pflanze gleichkommt, die von einem zarten Sprössling zu einem kräftigen Trieb herangewachsen ist und unter Umständen jede Menge durchmachen musste. Sie erträgt heiße Sommertage ebenso wie Witterung und hält vielleicht auch mal ein Gewitter oder einen Sturm aus. Ich beschloss, dass der Begriff »robust« diesen Zustand sehr gut einfängt.
25 Jahre Ehe sollen jedoch nicht nur das Ende einer 25-jährigen Ära sein, sondern auch der Anfang einer neuen. Eine Pflanze also, die neu erblüht und mit ganz neuer Energie in jede erdenkliche Richtung wachsen kann.

Ein weiteres Motiv kam mir beim Durchsehen alter Hochzeitsfotos: Die Dosen am Wagen, der das Brautpaar in die Flitterwochen trägt! Nicht nur, dass sie Glück bringen sollen, sie haben passender Weise auch noch die Farbe silber. In einer ebensolchen Dose erhielten die Gäste dann ihre Einladung. Sie öffneten die Dose mit der Dosenlasche, und zum Vorschein kam ein kleiner Erdbatzen und eine Stück Samenpapier mit aufgedruckter Einladung. Pflanzten sie nun einen Teil der Einladung in die Dose, wuchsen einige Tage später Wildblumen empor und ließen »eine Liebe neu erblühen«.

Das Dosen Thema wurde dann in der Tischdeko wieder aufgenommen. Diesmal bestand das Etikett der Dose allerdings aus Getränke- und Speisekarte. Vervollständigt wurde das Ganze durch Namensschildchen, die jeweils auf eine Wunderkerze aufgezogen waren, welche die Gäste zum Silberhochzeitstanz alle gemeinsam entzünden konnten!

Um dem Fest und vor allem den 25 vergangenen Jahren ein wenig mehr Nachhaltigkeit und Erinnerungswert zu verleihen, trug ich in Zusammenarbeit mit allen geladenen Gästen Fotos und Texte zusammen und erzählte dann in einem 90-seitigen Silberhochzeits-Magazin Anekdoten und Erlebnisse aus dem gemeinsamen Leben des Brautpaares – Titelstory: die Hochzeit vor 25 Jahren. Jedes Gastpaar sowie das Brautpaar bekamen ein Exemplar ausgehändigt.

Als Abschluss des Gesamtbildes und im Nachgang an die Feier entstand dann noch ein Bildband, in dem alle Eindrücke und Momente der Festlichkeiten verarbeitet wurden. Julia Ahrens stand mir dabei fotografisch treu zur Seite.

Alles in allem war es ein herzergreifendes Projekt! Ihr könnt euch das Ergebnis sowie Auszüge aus dem Magazin und dem Fotobuch gerne auf der Projektseite ansehen.

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Gaby, Swantje und der Schinkengang

Es ist geschafft: Mein Buchcover ziert das kürzlich erschienene Buch »Schinkengang – Eine Spur im Sand« von Gaby von der Heydt! Nach reichlich anregender Konversation gelang es mir, die Erlebnisse, Emotionen und den gesundheitlichen Kampf der im Gospelchor vertretenen Autorin visuell und in einer freien Typografie-Fotografie-Kombination einzufangen.

Was der Schinkengang ist, wie sie ihn bestritten hat und wie sie mit ihm durch ihre schwere Leukämie-Erkrankung gegangen ist, erzählt Gaby von der Heydt auf knapp 400 Seiten. Zu kaufen gibt es das kurzweilig und humorvoll umgesetzte Werk auf der Seite von epubli. Und schließlich wird es hoffentlich schon bald in jeglichen Kieler Praxen ausliegen, um Gabys Intention zu erfüllen: anderen Patienten Mut, Kraft und Hoffnung zu geben.

Schaut euch das schöne Stück gerne noch einmal auf der Projektseite an!

 

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»Wir würden das hier nicht machen, wenn wir nicht so einen Bock drauf hätten!«

Es war im Frühling diesen Jahres: Eigentlich ging es nur um ein Cover für ein Jahrbuch mit den besten Arbeiten unseres Semesters… herauskam jedoch eine 28-seitige Zeitung mit dem Ziel, eine Brücke zwischen Studenten und Agenturen zu schlagen.

Christian Friedrich und Niclas Gerull holten mich bei einer Besprechung des Buchcovers ins Boot – zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns eigentlich schon lange mit unserer Abschlussarbeit auseinandersetzen sollten.
In so einigen Gesprächen mit unseren Dozenten Julia Meyran und Stefan Kerp tüftelten wir an dem Masterplan, der uns Studenten eine Stimme verleihen sollte:
Wir kreierten in konzeptionellen und gestalterischen Einklang das Gerüst für die erste Ausgabe dieses Kreativblattes. Die No.1 des Bock drauf Magazins sollte unter dem Titel »Ansturm« Themen des Aufbruchs vereinen: Wohin stürmen wir nach dem Abschluss? Was wirbelt in unseren Köpfen umher? Wer bestürmt uns? Und wie ticken wir dabei als Studenten?
In nur sechs Wochen stellte ich so mit Christian und Niclas nicht nur die Redaktion des Ganzen auf die Beine sondern natürlich auch die Kreation selbst sowie ein Interview und Agenturportrait der Agentur Blood Actvertising.
Mit Unterstützung unserer beiden Dozenten schmissen wir einen Workshop an der Kunstschule Wandsbek zu unserem Thema und erhielten am Ende des Tages umwerfende Ergebnisse unserer Mitstudenten, welche wir auf einigen Doppelseiten in die Zeitung einfließen ließen! Hammer nices Zeug, Leute!
Schließlich druckten wir das Ganze in England und hielten und 28-seitiges Baby dank der finanziellen Unterstützung unserer Uni schon wenige Tage später in unseren Händen. Um genauer zu sein 400 von ihnen… Einen Teil dieser Exemplare positionierten wir über Kontakte direkt auf den Schreibtischen renommierter Kreativen Hamburgs, den verbleibenden Teil brachten wir dann beim Art Directors Club Festival (ADC) unter die Leute und ernteten wohltuendes Interesse und anregende Gespräche.

Um der Zeitung einen nachhaltigen Effekt zu verleihen, stellten wir außerdem in Zusammenarbeit mit flügge Design das »Kreativgehege« auf die Beine – eine Plattform, auf der eine Auswahl von Studenten zeigen kann, was sie drauf haben. Diese soll potenziellen Arbeitgebern die Möglichkeit geben, direkt den Kontakt zu unseren jungen Talenten zu finden (auch mich findet man dort 😉 ).

Wenn ihr mehr von diesem Projekt sehen wollt, schaut’s euch doch an auf der Projektseite von Bock drauf.

 

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Fünf Studenten erfrischen den Sommer

Es ist heiß und ein jeder sehnt sich nach einer kühlen Erfrischung – einer leckeren Erlösung. Und wie das so ist mit kalten Köstlichkeiten, kann man sich nach dem Verzehr gleich auf die nächste Sporteinheit vorbereiten, um die zu sich genommen Kalorien wieder abzutrainieren. Normaler Weise.

Nicht so bei dem neuen Proteineis des Start-Ups IWICE. Es ist kalorienarm und proteinreich und somit ein Muss für den Sommer!

Und genau das dachten wir uns auch, als wir den Auftrag für das Corporate Design und das Packaging dieser tollen Marke annahmen. Im Team mit Christian Friedrich entwickelte ich so den Mantel für das Produkt, welches schon bald den österreichischen und deutschen Markt überströmen soll.

Der Name stand von Beginn an und überzeugte sofort mit einem phonetischen Wortspiel – welches uns auf die eckigen Klammern einer Lautschrift brachte. Die molekulare Struktur der Proteine bereiten wir in polygonalen Mustern auf. Es entstand ein Gesamtbild aus elegantem Weißraum und frischen bunten Farbwelten.
Wie das aussieht, könnt ihr euch auf ersten eindrucksvollen Bildern auf der Facebook-Seite von IWICE anschauen. Oder auf der Website des Start-Ups – welche wir hoffentlich als Folgeauftrag auch bald professionell überarbeiten dürfen!
Ich werde euch über den weiteren Projektverlauf auf dem Laufenden halten und euch hoffentlich bald auch eine Projektseite zu diesem Thema präsentieren können!

 

Foto: Kürzlich trafen wir uns mit dem Team von IWICE in Hamburg, um über den weiteren Projektablaut zu beratschlagen und eine erste fertige Becher-Version in Händen zu halten!
[v.links Swantje Roersch, Lukas Weinrich, Dirk Paffrath, Christian Friedrich und Johanna Köhler (nicht abgebildet)]

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Nimm dir doch mal ’ne Minute, Swantje!

Abschlussarbeit – Stress pur. Nichts will, wie ich will und die Zeit rennt und rennt und rennt*. Ich habe kurz vor den Ferien noch einmal alles umgeschmissen und arbeite jetzt auf Hochtouren an der Umsetzung.
Und genau an diesem Punkt, denke ich mir: Pause! Jetzt nehme ich mir eine Minute!
Wie ich plötzlich darauf kam? Mir fiel ein Projekt aus dem 6. Semester in die Hände..

Es ist noch gar nicht lange her, da bekamen wir im Editorial-Unterricht die Aufgabe, die Zeiteinheit von einer Minute gestalterisch in einem Heft zu verarbeiten. Dabei hatten wir freie Hand – es sollte nur das Thema gut einfangen. Meine Idee stand flott auf den Beinen, es sollte ein Ratgeber werden, der dem Leser Tipps gibt, wie er in einer Minute gutes tun kann. So entstanden 60 Sekunden-Tipps – zusammengenommen könnte man sie also in einer Minute abarbeiten.
Das Buch gliedert sich in 3 Hauptteile: »Nach Innen« (Tu dir selbst etwas Gutes), »Zur Seite« (Tu deinen Mitmenschen etwas Gutes), »Im Kreis« (Tu der Welt etwas Gutes).
Das Layout wurde mit System aufgebaut: links immer ein Text mit 200 Wörtern (die Anzahl an Wörtern, die ein durchschnittlicher Leser innerhalb von einer Minute liest), rechts eine Grafik dazu, deren weißer Flächeninhalt von Seite zu Seite um 1 Sechzigstel schrumpft.

Damals habe ich vielleicht 5-10 Tipps ausformuliert – die restlichen Seiten enthalten noch Blindtext. Allerdings überkommt es mich manchmal, dass ich es gerne weiterschreiben würde und ein übergeordnetes Konzept dazu aufstellen möchte. Vielleicht mache ich das dann nach der Abschlussarbeit.

Feststeht: Ich habe mir eine oder vielleicht auch zwei Minuten genommen, um hier mal wieder etwas zu schreiben, und stelle fest, dass das gar nicht weh tut. Sich selber treu bleiben, Prioritäten setzen für das Hier und Jetzt und für sich selbst!
Jetzt verschwinde ich aber erst mal wieder zum Schreibtisch. Schaut doch in der Zwischenzeit mal in das Projekt rein!

*Noch 30 Tage bis zur Abschlussarbeitabgabe.

 

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Die Selbsthochzeit – ein Bund für’s Leben

Irgendwann in meinem Leben hatte ich wohl wieder eine philosophische Stunde – oder was auch immer. Jedenfalls, muss ich rückblickend sagen, sind da doch ganz interessante Thesen bei rausgekommen. Na ja, lest selbst! Viel Spaß!


[…]
Es kann also trotz der ganzen vielen Menschen, die sich bei uns befinden, wirklich sein, dass wir uns richtig allein fühlen. Wir können Einsamkeit spüren, obwohl wir in Gesellschaft sind, können sie nicht stoppen, obwohl wir vielleicht hunderte Menschen um uns haben. Wir sind allein. So traurig die Wahrheit klingt und so gerne man sie geändert wüsste: Wir sind allein. Jeden Tag, jede Nacht, wenn die Sonne aufgeht und wenn sie untergeht: Wir sind allein. Menschen sterben und Menschen verändern sich. Wir kommen mit Menschen nicht mehr klar, streiten, verlieren sie. Kurz: irgendwann verlassen sie uns vielleicht.
Vielleicht sollte man die Einsamkeit in der Hinsicht betrachten, dass man doch wenigstens in Gesellschaft seiner selbst ist.
Ein Fakt bleibt: Wir müssen uns die Luft zum Atmen selbst holen und egal unter welchen Einflüssen wir stehen, so trifft immer noch jeder für sich ganz allein seine Entscheidungen – jeder.

Eines muss dir so oder so klar sein: Die Person, die dich am längsten in deinem Leben begleitet bist mindestens du selbst. Du wirst dich nie von dir trennen können. Ich will schweigen von Dingen, die nach unserem Leben mit unserem Ich oder unserer Seele passieren, denn davon weiß ich nichts, doch ich kann sagen, in unserem Leben sind wir unser einziger bleibender Gefährte. Und das ist der Grund, warum wir auf uns aufpassen sollten. Wir sind für uns selbst wertvoll.
Du bist wertvoll, das darfst du nicht vergessen. Du bist wichtig für dich selbst. Du musst für dich da sein und wenn es dir schlecht geht musst du zu dir stehen. Mach dich stark und bleibe dir treu, denn den Bund, den du mit dir eigentlich ganz unfreiwillig geschlossen hast, kannst du nicht brechen.

[…]

Du wirst die Zeit also ewig mit dir selbst zubringen. Und so kann ich dir nur eines für deinen Lebensbund raten:
Versprich dir die Treue in guten wie in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit, bis dass der Tod dich scheidet.

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Die Schlacht am kalten Buffet

Ja und wie fast alles, habe ich meine Zeit bei der Traum GmbH schwarz auf weiß verarbeitet. Ich schildere in dem Text, aus dem der folgende Auszug stammt, meine Arbeitsstätte aus der Sicht eines Krieges – nicht weil ich dort so eine schreckliche Zeit hatte – im Gegenteil, ich hatte dort eine sehr angenehme Zeit und sehr -, sondern weil ich Menschen gesehen habe, die bei dem Anblick von Essen zu Tieren wurden.

[…]

Und dann – der trügerische Schein der Idylle trügt einen wie die Ruhe vor dem Sturm – erschallt das Kommando des Diensthabenden Restaurantoffiziers, die Tore öffnen sich und die erste Gästewelle schwappt mit einem verheißungsvollen Murmeln über das gesamte Kampfgebiet. Erst langsam, dann immer energischer, drängen sich die hungrigen Menschen rund um das lange kalte Buffet und – ihr glaubt es kaum – sie nehmen mit funkelnden Augen die Bratstation ins Visier.
An meiner gesamten Front regen sich die ersten Reaktionen: Meine Kameradin eilt wie ein Düsenjet von Küche zum langen Tisch, um möglichst schnell die ramponierten Platten und Schüsseln wieder in Schuss zu bringen. Die Serviceinfanterie strömt wie eine Armeisenkolonne aus dem Tresenbereich, schleppt Teller und Tassen mit einem Gewicht, das wahrscheinlich ihr Körpergewicht weit übertrifft, und schafft es trotzdem noch die schweren Platten an fröhlich herumirrenden Kinderscharen vorbei zu manövrieren. Der ganze Raum summt und brummt und die Schlacht ist in vollem Gange. 

[…]

Jetzt ist meine Chance: Ich krieche aus meiner Deckung hervor und gehe auf’s Ganze. Jetzt können Sie alles haben, was noch von mir übrig ist. Ich setzte an zum Gegenschlag. Mein »Guten Appetit« verstummt nicht, ich weiche nicht zurück. Jetzt hört man nur noch die glücklichen Seufzer: »Guck mal, Schatz, die Dame macht Herzen auf die Pfannkuchen!«. Der Menschen Herzen erweichen und auf dem Schlachtfeld reicht man sich die Hände. Mitleid – nein sogar wahre Zuneigung für meinen »fetten« und »heißen« Job machen sich breit. Die Leute danken. Und lächeln. Und gehen.

Sie gehen nach Hause in ihre Häuser und dann fragen sie sich: Habe ich das gerade erlebt?
Ja, am Ende sind sie alle fort.

Und wir tragen die Leichen davon. Die reglosen, zerpflückten Kadaver der anfangs doch so ansehnlichen Platten und die geräuberten und vergewaltigten Schälchen und Schüsseln – meine Kameradin und ich bringen sie in das Lazarett – die Schweinetonne – wo sie darauf warten, ihre letzten Stunden zu verwirken.

Und nachdem das Schlachtfeld bereinigt ist und wieder eine Wiese der Gemütlichkeit und Behaglichkeit hergestellt ist, gucken wir uns an und wissen, nächsten Sonntag beginnt sie auf’s Neue: Die Schlacht am kalten Buffet.

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Buchprojekt Kalligrafie

Für all‘ die, die noch keinen blassen Schimmer von Kalligrafie haben: Es ist so in etwa die »Kunst des Schreibens«. Meiner Kunstschule Wandsbek sei Dank, durfte ich diese Kunst auch in den Ansätzen lernen.

Folgendes gab ich als mein literarisches Verständnis dieser neuen künstlerischen Errungenschaft von mir:

Wenn eines Menschen Seele spricht,

So kann man ruhig lauschen – man hört sie nicht.

Sie kann es wohl ohne Mühe lenken,

Dass wir ihre Sprache denken.

So kann es wohl auch sein, dass wir es wagen,

Und das Gedachte frei raus sagen.

Doch immer noch kann man in der Zukunft nicht erschließen,

Was wir so frei verlauten ließen.

Es fand der Mensch zum Glück den Stift,

Und schrieb mit ihm ganz frei die Schrift.

Doch die Seele wollte mehr,

Waren bloße Worte doch kalt und leer.

Und ganz heimlich – sie verriet es nie,

Schuf die Seele so die Kalligrafie.

Nun lassen wir aber vielleicht doch lieber die Bilder sprechen. Unten findet ihr die 26 Seiten meines Kalligrafie-Buches in chronologischer Reihenfolge. Meine Textgrundlage ist ein eigens verfasster Text mit Gedanken zum Altern, Lachen und zu Kindern. Ihr findet die Seiten sonst auch immer unter der neuen Rubrik „Projekte und Serien“.

Und bitte kein Verdruss über Rechtschreibung oder Unlesbarkeit – das darf in diesem Buch sein, es geht um die Ästhetik.

 

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Pessimismus oder Realität?

Die Frage muss sich bei diesem langen aber hoffentlich nicht langatmigen Ausschnitt aus Knuds Archiven wohl jeder selbst beantworten. Man darf nur nicht vergessen, dass wir eigentlich in einer schönen Welt leben:

Warum drückt jeder Mensch im Bus den Stopp-Knopf? Er weiß ganz genau, dass der Bus am Hauptbahnhof hält – selbst wenn keiner drückt. Und doch hat er Angst.

Er hat Angst, im Stich und alleine gelassen zu werden. Er hat Angst, dass der Bus doch weiter fährt und er nicht die Chance bekommt auszusteigen. Auch die Zusteiger fürchten sich. Es könnte ja sein, dass der Busfahrer die Tür sogleich schließt, sind alle Passagiere ausgestiegen. Drum wird ihnen – den Aussteigenden – entgegengestürmt.

Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Menschen, die vielleicht Hilfe beim Ein- oder Aussteigen brauchen. Sicherlich, es gibt den einen oder anderen, der doch behilflich ist, fast als müsste er sich für das rücksichtslose Verhalten der anderen entschuldigen. Vielleicht besitzt er aber auch das gute Herz, die gute Seele, den klassischen, alt eingestaubten Anstand, den doch so wenige der neuen Generation beherzigen.

Viel zu anstrengend ist das Leben, viel zu knapp die Zeit und viel zu beschäftigt ein jeder, um kurz Halt zu machen und zu helfen.

Autonom verläuft auch die Fahrt. Egal wo – Musik steckt im Ohr und das verlorende Individuum widmet sich seiner selbst. Selbst die zwei sonst so Vertrauten sitzen verkabelt und mehr oder minder abwesend in Gedanken, für die sonst keine Zeit bleibt, verloren nebeneinander. Es wird aneinander vorbei statt miteinander, füreinander gelebt.

In alten Zeiten – so erzählte man mir – setzte sich der eine zum anderen. Man war sich fremd und doch begann man eine selbstverständliche Konversation, die mal mehr und mal weniger unter die Oberfläche reichte. Man knüpfte Bekanntschaften, lachte und ließ die Zeit verstreichen.

Es ist ja gar nicht so, dass keine Dialoge mehr entstehen zwischen Halbfremden. Doch sie haben unsere gegenständliche Welt verlassen und spielen sich im bloßen visuellen Raum ab. Social Media, maximal ein auditives Gespräch via Telefon. Es ist einfach – möglich, sich mit 5, nein gleich 10 Menschen gleichzeitig zu unterhalten.

Eine kleine Rechenaufgabe: Wenn die Unterhaltung mit 10 Menschen den zeitlichen Raum von einer einzelnen einnimmt, wie hoch kann dann die Gesprächsqualität maximal sein? Verlieren wir uns in einem stetigen Fluss von Small-Talk? Wir haben 400 Freunde und doch könnten wir fast jeden einzelnen davon mit einem Klick löschen. Wieder die Angst: Wir könnten doch glatt alleine dastehen, verpassen die Chance, einen x-Beliebigen einmal im Jahr zu kontaktieren, um zu fragen, wie es ihm geht, oder herauszufinden, welche Fotos ihm gefallen oder ob seine Schwägerin vielleicht doch schwanger ist. Ist es die Evolution?

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