Swantje Roersch | Gedanken
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Was ist, wenn morgen alles vorbei ist?

Habe ich all die Dinge getan, die mir am Herzen liegen?
Habe ich genug Zeit mit denen verbracht, die mir nahe stehen und die ich liebe?
War ich wild genug?
War ich frei genug?
Habe ich genügend Zeit mit mir selbst verbracht?
Bin ich mit mir im Reinen?
War ich an den Orten, an denen ich sein wollte?
Bin ich an dem Ort, an dem ich sein will?
Habe ich genug geteilt?
Habe ich genug gegeben?
Habe ich gut genug zugehört?
Habe ich die Menschen um mich gesehen?
War ich offen genug?
War ich tolerant genug?
War ich dankbar genug?
Habe ich die Arbeit vollbracht, die mir Spaß macht?
Die mich erfüllt?
Habe ich ein erfülltes Leben gelebt?
Habe ich auf mich geachtet?
Habe ich alles gesagt, was ich sagen wollte?
Habe ich mich genügend selbstverwirklicht?
Habe ich genug getan, was mir einfach nur Spaß macht – ohne weiteren Grund?
Habe ich genug getanzt, gelacht, geliebt?
Habe ich genug vertraut?
War ich immer so ehrlich, wie ich es sein wollte?
War ich verletzlich genug?
Habe ich die Spuren hinterlassen, die ich hinterlassen wollte?
War ich für andere der Mensch, der ich sein wollte?
War ich das gleiche für mich selbst?
Habe ich gut für mich gesorgt?
Habe ich meine Zeit gut genutzt?
War ich mir ihrer bewusst?
Habe ich genug diskutiert?
Habe ich genug gekämpft?
Habe ich genügend »richtige« Entscheidungen getroffen?
Und genügend »falsche«?
Habe ich genug gewagt?
Habe ich genug gefragt?
Habe ich mich selbst geliebt?
Weiß ich, wer ich bin?
Bin ich frei?

Kann ich all das mit Ja beantworten?
Und was bedeutet es, wenn nicht?

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Die Reise ins Land der Geduld

Warten hat für mich etwas Magisches an sich. Es versetzte mich schon oft in einen Zustand, den ich früher als sehr unangenehm empfand, gab mir das Gefühl, in der Schwebe zu hängen, mich in den Fängen der Ungewissheit zu befinden, und ließ mich herbei sehnen, dass es vorüber geht.

Wenn ich an Situationen denke, in denen ich in meinem Leben warten musste, passierte dies nicht nur unfreiwillig sondern oft auch unerwartet oder ungeplant. Ob an der Kasse, auf den Bus oder Zug, aufs Essen, auf ein Paket, auf Geld, Verabredungen oder Feedback – es waren Situationen, in denen sich Menschen, Dinge oder zeitliche Abläufe verspäteten oder vielleicht generell eine zeitliche Erwartungshaltung gestört wurde.
Ich fühlte mich dabei irgendwie fremdbestimmt. Statt einer Situation, in der ich warten musste, hätte ich immer eine gewählt, in der ich es nicht müsste. Im Normalfall hatte ich also keine andere Wahl, als zu warten oder aber von dem Erwarteten abzulassen. Machtlosigkeit oder Frustration – beides scheint kein angenehmer Umgang mit der Thematik. Wie kann ich also warten, ohne mich dabei schlecht zu fühlen?

Manchmal suchte ich mir einen »Zeitvertreib«, etwas, dass die Zeit vertreibt, etwas, durch das ich nicht merkte, wie die Zeit vergeht, das mich vergessen ließ, dass ich eigentlich wartete. Das ist eine Möglichkeit des Umgangs.
Aber warte ich dann wirklich noch? Wenn ich nicht mehr »aktiv warte« sondern mir eine andere Beschäftigung suche, als das Warten selbst, dann übe ich ja diese Beschäftigung aus und nicht mehr das Warten. Wir sagen zwar »wir tun etwas, während wir warten«, eigentlich müsste es aber vielleicht korrekter Weise heißen »wir tun etwas, statt zu warten«. Ich denke, man könnte das wirkliche Warten definieren als das bewusste Ertragen eines Zeitraumes, in dem nichts weiter passiert, als dass Zeit verstreicht. Eines Zeitraumes, in dem ich keine Handlung ergreife, um dieses Ertragen erträglicher zu gestalten. Eines Zeitraumes, in dem ich nichts tue, außer in einer Erwartungshaltung zu verharren, und eine Art Stillstand akzeptiere.

Ich glaube, das könnte auch der Grund sein, warum es vielen Menschen – und das besonders in unserer Gesellschaft – widerstrebt zu warten: es verstreicht Zeit, ohne das etwas passiert. Ich kenne sie aus der Vergangenheit nur zu gut: Zeit, in der ich weder produktiv oder effektiv, ja noch nicht mal mit irgendwas beschäftigt war. Es ist eine Zeit, die mir sinnlos erschien oder vergeudet. Und von sinnloser vergeudeter Zeit wollte ich so wenig wie möglich in meinem Leben haben. Immerhin hatte ich eh schon das Gefühl, als hätte ich für nichts Zeit.

Wenn ich diese Tatsache so betrachte und in den Zusammenhang unseres Zeitwandels setze, sieht es so aus, als genieße Warten, je weiter wir uns entwickeln, einen stetig abfallenden Stellenwert. Die Welt »dreht sich schneller«, Wartezeiten werden durch Prozessoptimierungen und Digitalisierung verkürzt und wir lernen, dass alles immer sofort und auf Abruf verfügbar ist. Ich vermute, wir verlernen sogar fortwährend die Fähigkeit zu warten. Ob es dabei um Transport, Liefer- und Öffnungszeiten oder um das Warten auf eine Antwort auf die letzte Whats-App-Nachricht geht, ist egal. Ungeduld wird zur Tugend. Geschwindigkeit und Wachstum zeugen von Strebsamkeit.

Das gilt nicht nur für das Warten auf Input oder die Bewegung von außen, sondern überträgt sich auch auf das Warten mit der eigenen Reaktion. Ich verfiel bei jedwedem Reiz in Aktionismus und unmittelbares Reagieren. Das klingt erst einmal effizient, lässt aber einen wichtigen Aspekt auf der Strecke zurück: das Ab-Warten. Und Abwarten meint dabei, mir Raum zum Reflektieren, Abwägen, Nachdenken und Hinterfragen zu gewähren. Raum, der mir eine Zeitspanne zwischen Input und Output gibt, in der ich den Input verarbeiten, filtern, fühlen und re-kreieren kann. Wenn ich mir diesen Raum nicht gebe hat der Schöpfungsmoment, den ich sonst erfahre und an dem wahrscheinlich auch meine Inspiration ihre Wurzel findet, kaum die Möglichkeit, aus mir selbst herauszukommen, sondern ist viel öfter ein direktes Spiegeln von dem, was ich aufgenommen habe. Die Auseinandersetzung bleibt aus oder oberflächlich und hat kaum eine Chance auf Tiefe. Was auch immer mich eigentlich erreichen will oder soll, streift mich und verlässt mich dann hastig wieder. Oder ich schicke es weg, noch bevor es mich erreicht. Und so verschließe und verliere ich den Raum, in dem eine Auseinandersetzung hätte stattfinden können. Ich verliere die Möglichkeit, mich mit dem Input oder dem, was ist, zu verbinden. Ich verliere die Magie.

Worin aber besteht diese Magie?
Ich denke – und das schlägt auch eine Brücke zurück zum Warten – die Magie ist in diesem Falle das bewusste Erleben der Gegenwart. Den Blick nicht zum erwarteten Ereignis in die Zukunft schweifen zu lassen oder zu einem direkten Output zu streben, sondern vielmehr das Aushalten und Akzeptieren von »leerer Zeit«. Und damit meine ich nicht bloß »Verstreichen-Lassen von Zeit«, sondern genau so die Abwesenheit von Aktion und die Beobachtung des Momentes.
Es kostet mich immer noch manchmal große Überwindung, mir dies zuzugestehen. Ohne Aktion, Ziel oder Sinn einfach für eine Weile zu sein. Und um diese Weile zu ertragen, braucht es Ausdauer und Gelassenheit. Es braucht Geduld.

Über die Geduld selbst könnte ich jetzt noch einmal ausschweifend sinnieren und das mag zu einem anderen Zeitpunkt auch noch mal passieren. An dieser Stelle möchte ich aber nur einmal anerkennen, dass Geduld mich nicht nur beim Warten unterstützt. Geduld bedeutet nicht ausschließlich, geduldig mit äußeren Einflüssen oder anderen zu sein, sondern auch mit mir selbst. Mit mir geduldig zu sein, mir selbst Zeit zuzugestehen und einen eigenen Rhythmus zu finden und zu leben, ist, nachdem ich auch Phasen in meinem Leben hatte, in denen mir nichts schnell genug gehen konnte, für mich zu einer wahren Superkraft geworden.

Und Warten unterstützt mich dabei: Es ist eine Ausbildung meiner Geduld. Ein Trainieren meiner Superkraft. Ein unfreiwilliges Geschenk des Inne-Haltens. Es ist die Eröffnung eines Raumes für die Magie des Moments.

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Ein schöner Sonnenuntergang

Ein schöner Sonnenuntergang
ist nichts mehr wert, wenn ich ihn fang.
Er will durch meine Augen treten,
tief in mich hinein
und nicht nur Inhaftierter
von einem Foto sein.

Ich schau' ihn an und lad ihn ein,
in meiner Seele Gast zu sein.
Er dankt und gibt mir einen Kuss.
Und wenn man es so sehen mag.
ist dies der letzte Gruß
am Sterbebett vom Tag.

In dem Moment sagt er zu mir,
dass alles und wir alle mal vergeh'n,
und wir uns in Kürze wieder seh'n.
Und nach dem Abschied und in diesem Wissen,
solle ich ihn nicht betrauern, nicht vermissen.

Und dann erlischt sein letzter Schein.
Und ich bin mit der Nacht allein.
Wach und blind und ohne Zeit.
Bleib ich zurück in Einsamkeit.

Ich weine.
Und mein Licht geht aus.
Und dann plötzlich,
sehe ich das seine.

Sein Licht erhellt des Mondes Blick.
Und dieser reicht es weiter.
Der Sonnenschein kommt nachts zurück.
Und begrüßt mich hell und heiter.

Ich merke nun, er ist nie fort.
Er ist nur viel auf Reise.
Und dank des Mondes Reflektion,
Berührt er mich ganz leise.

Er tritt in meine Augen,
nimmt in meiner Seele Platz.
Und ich verwahre seine Strahlen,
wie einen lang ersehnten Schatz.

Ich lausche seiner Wärme,
in meinem Herzen schwingt sein Klang.
Und so liebe ich den Mondschein
wie einen Sonnenuntergang.
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Die Entdeckung des Universums unterm Apfelbaum

Auf der Suche nach Schatten und einer Pause von den scharfen Strahlen der gleißenden Sonne fand ich einen Baum. Sie stand dort einfach so, voller Ruhe und Gelassenheit, ihre Äste über Jahre in alle Richtungen streckend. Ihre Zweige, schwer von den neugeborenen Früchten, hingen herab und bildeten einen schützenden Schirm, ein Zelt, einen neuen Himmel rund um mich herum. Wie ein Vorhang, der den Rest der Welt verbirgt. Wie eine Grenze, die dieser Baum zieht, als würde sie sagen: »Dies ist alles, was du an Welt gerade brauchst.«
Und so akzeptiere ich ihre Welt für diesen Moment als meine und setze mich nieder. Sie lässt gerade so viel Licht durch, wie ich es brauche – genug Helligkeit und Wärme, ohne zu verbrennen oder zu schwitzen.

Ich bin am Boden – in einem wunderbaren Sinne. Ich sitze auf dem Boden, auf dem Gras, dem Moos, all den kleinen Pflanzen und Wesen.
Ich fange an, genauer hinzusehen. So viele verschiedene Arten von Gewächsen.
Dann, während ich jeden Halm und jedes Blatt für sich betrachte, finde ich auf einmal eine unfassbare Weite. Es sind so viele. Mir wird plötzlich bewusst, dass ich, während ich hier sitze, wahrscheinlich eine ganze Menge von ihnen zerdrücken muss. Ich setze mich ein Stück zur Seite und sehe, dass mein Körper einen Abdruck hinterlassen hat. Oh weh. Eben war diese Wiese für mich noch ein Boden, jetzt scheint sie mir wie ein Wald – den ich zerdrückt habe.
Ich beobachte, wie jeder einzelne Grashalm sich wieder aufrichtet. Einer nach dem anderen zurückspringt in seiner ursprüngliche Form. Mir wird bewusst, wie viel Kraft es sie kosten muss. Und dann wird mir bewusst, dass jeder dieser Halme und Moos-Stränge und jedes kleine Pflänzchen die Kraft aufgewendet hat, aus einem Samen in der Erde an die Oberfläche zu stoßen und heranzuwachsen, um sich dann auszubreiten und zu vermehren. Ich betrachte die Gewächse noch etwas näher und sehe die vielen kleinen liebevollen Details, mit denen sie versehen sind. Da sind einige Blätter, die Härchen haben, einige mit winzig kleinen Stacheln und manche stehen da mit einer Blüte und tragen so einen kleinen Farbklecks. Ich sehe sattes Grün genau so wie einige vertrocknete Halme. Und dann sehe ich eine Ameise. Und eine kleine Spinne. Und daneben eine Assel. Und dann eine Spinne, die nur noch den Bruchteil der Größe der anderen Spinne hat. Um diese wirklich in ihrer Gestalt zu erkennen, bräuchte ich ein Vergrößerungsglas. Und plötzlich sehe ich, dass sich alles in meinem Sichtfeld bewegt.

Überall krabbelt und wuselt es. Da sind minuziöse Spinnennetze und eine Straße von Ameisen, die an meinem Bein vorbeiläuft. Eine der Ameisen überwindet mein Bein – als sei es nur ein Zweig, der zufällig im Weg liegt, fast so, als wäre mein Bein dort schon immer gewesen. Eine weitere Ameise tut es ihr nach. Ich merke ein Kribbeln an meinem Arm. Ein winziger Käfer kämpft sich durch meine Arm-Behaarung und hat dabei sichtbare Schwierigkeiten, voran zu kommen. An meinem Oberschenkel schaut ein weiteres kleines Getier um die Ecke. Dann eine weitere Ameise. Und dann scheinen sie überall.
Mein Körper und meine Kleidung sind hier und da mit kleinen Lebewesen bedeckt. Sie sind bei mir, weil ich bei ihnen bin. Ich habe mich hier in oder besser auf ihren Wald gesetzt. Habe mich in ihre Welt gesetzt. Bin ein Teil von ihr geworden. Wie ein Ast oder ein Stein oder Stamm oder Tier oder sonstiges, das in der Natur einen Teil ihrer Welt bildet und erkundet und erklommen wird.
Manche krabbeln über mich, manche landen auf mir und fliegen dann wieder fort. Ich frage mich, ob es sie wohl interessiert, dass ich da bin bzw. ob es für sie einen Unterschied macht, ob sie sich durch die Grashalme kämpfen oder durch meine Armbehaarung. Und dann wird mir bewusst, dass dies für viele größere Tiere, die in der Natur leben, ganz normal ist. Anderes kleines Getier lebt auf ihnen und mit ihnen. Sie sind quasi dauerhaft besetzt und Lebensraum für andere Tiere.

Während ich eine unfassbar kleine Spinne dabei beobachte, wie sie über meine Haut krabbelt, stelle ich fest, dass es wahrscheinlich irgendwie ähnlich unter meiner Haut aussieht und in mir drin. Denn dort fließt mein Blut und dort sitzen Zellen und Bakterien. Und alles bewegt sich und arbeitet und es laufen Prozesse ab, die mich so funktionieren lassen, wie ich es tue. Alles fließt und krabbelt und wächst.
Und meine Haaren scheinen mir plötzlich wie das Gras, auf dem ich sitze, und meine Arme und Beine wie die Äste, die der Baum über mir ausstreckt.

Ich rette eine kleine Fliege aus meinem Tee und beobachte sie dabei, wie sie ihre Beine sortiert und versucht, such von der Flüssigkeit zu befreien.

Ich lege mich hin. Und mir ist so bewusst, wie viel Fläche mein Körper gerade einnehmen muss, wie viel Welt ich gerade unter mir zerdrücke. Aber diese Welt wird damit klarkommen. Ich bin ein Teil von ihr und ich kann nicht auf dieser Welt sein, ohne auf ihr zu sein. Jeder natürliche Untergrund ist voller Leben. Und solange mir keine Flügel wachsen (und selbst dann müsste ich irgendwann landen) komme ich da nicht drum herum. Wahrscheinlich ist vieles von diesem Leben unter mir so klein, dass es von mir gar nicht gestört wird sondern einfach so weiterlebt.

Und unter der Oberfläche geht es dann ja auch noch weiter: die Wurzeln von all dem Gras und den Pflänzchen und die Wurzeln von größeren Pflanzen, kleine Käfer, Spinnen, Regenwürmer, »große Kolosse« wie Wühlmäuse oder Maulwürfe. Und wie tief es erst unter mir weitergeht. All diese Erdschichten. Mein Geist kann diese Vorstellung gar nicht vollziehen oder greifen.
Es ist eine merkwürdige Vorstellung, hier zu liegen und von »Tiefe unter mir« zu sprechen. Ich schwimme schließlich nicht auf dem Meer, sondern liege auf festem Boden. Und doch scheint es mir, so weit, wie ich mich von Größe und Relation getrennt habe, unter mir liege ein Raum, weit, groß, unendlich und sich meiner Vorstellungskraft entziehend. Ein Universum. Ein Universum unterm Apfelbaum.

Ach ja, der Apfelbaum. Ich habe sie für einen Moment fast vergessen. Wie weit in die Tiefe ihre Wurzeln wohl ragen? Sie steht so fest und sicher im Erdreich und sie sieht aus, als wenn es ihr gut ginge. Als sei sie zufrieden. Und dann lege ich eine Hand an ihren Stamm.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber es passiert erst mal nichts. Ich spüre ihre Rinde. Und irgendwann spüre ich meinen eigenen Puls. Mein Blut, wie es durch mich strömt. Und ich stelle mir vor, was unter ihrer Rinde ist, ähnlich wie ich mir vorgestellt habe, was unter oder in meiner Haut passiert. Und ich stelle mir die gleichen Zell-Prozesse vor, ganz viele kleine sich bewegende Teilchen.
Die Prozesse, die in ihr ablaufen und sie wachsen lassen, sie Blätter, Blüten und Früchte tragen lassen. Und je mehr und länger ich über diese kleinen Teilchen und die Teilchen in den Teilchen nachdenke, desto größer, weiter, tiefer wird der Raum, den ich mir unter der Rinde vorstelle.
Und dann wird mir bewusst, dass der Baum und auch ich das gleiche Universum in uns haben, das ich unter dem Gras erahnt habe, das sich unter mir im Meer auftun würde und über mir im Himmel. Es ist genauso in mir und nach innen wie um mich herum und in allem, was mich umgibt.

Ich habe ein bisschen das Gefühl, innen und außen lösten sich auf. Als gäbe es kein Innen und Außen mehr sondern nur noch eins und den Abstand oder den Fokus, mit dem ich es betrachte. Die Perspektive, aus der ich beobachte. Und vor allem aber das Bewusstsein, mit dem ich es tue.

Denn wenn ich mir all diese Dinge nicht bewusst mache, dann sitze ich einfach nur im Schatten und schreibe einen Text.
Und genau damit werde ich jetzt aufhören.

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Freie Vögel

Draußen ist es dunkel-kalt,
finstere Gesichter,
Menschen flüchten, suchen Wärme,
erfinden neue Lichter.
Leere Geister in den Häusern,
erquickt in Überfluss.
Sehnsucht wird betäubt mit Pflichten,
Zwängen und Verdruss.

Schrei'nde Herzen bitten Sonne,
Liebe ist ihr Licht.
Die Seele sucht Weite, um zu grasen,
und Fahrtwind in ihrem Gesicht.

Lass los, spann deine Flügel
und nimm den Mut zum Springen.
Vertrau dir, leb' die Freiheit,
statt nur von ihr zu singen.

Mit Leichtgepäck und frischem Geist
Angst bleibt zu Haus' zurück
bin ich alles, was ich brauch.
Mein Gefährte wird das Glück.

Gemeinsam fahr'n wir ohne Hast,
uns liegt die Zeit zu Füßen.
Durchs Fenster sehn wir wilde Zeiten
und Gedanken, die uns grüßen.

Von Wut zu Liebe, von Schnee zu Licht,
zu Menschen ohne Geld.
Über den Dächern und unter den Sternen,
regieren wir die Welt.

Zwei Menschen, vier Beine,
vier Räder, ein Ziel:
Neue Ufer immer wieder.
Kein Weg ist je zu viel.

Wir schlagen wie Wellen
an Felsen und Strände.
Wir tanzen und singen
und finden kein Ende.
Wir grübeln und lernen
und reden und lachen.
Wir schmausen und schwelgen
und träumen und machen.
Wir sind.
Für immer Kind.

So bleiben wir so jung,
wie hoch der Wind uns trägt
und gehen mit dem Menschen,
der uns grad versteht.

Und schließlich geh'n wir weiter.
Und manchmal auch allein.
So lass' uns bis zum Wiedersehen
freie Vögel sein.
Wild und bunt und liebend
und in der Welt daheim.

Muchas Gracias,
Dennis & Hedwig.
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3 Gründe warum wir manchmal schweigen sollten, obwohl es so viel zu sagen gibt

Es ist so still hier. Die Welt lauscht, das Blog schweigt. Warum sagt es denn nichts?
Es ist eine der längsten Funkstillen, die ich in diesem Rahmen je eingelegt habe. Meine Website zeigt Arbeiten von vor zwei Jahren, ist unangerührt seit Monaten, und erzählt von dem Mensch, der ich damals war. Und das, obwohl quasi Gedankenmassen ähnlich der Niagarafälle von dem Rand meines Horizontes hinunterstürzen. Gedanken, die sich, noch während sie gedacht werden, selbst überholen.

 

Warum also teile ich sie bis jetzt nicht mit der Welt? Ich habe bisher gut drei Texte vorbereitet, in denen ich versuchte zu ergründen und/oder zu erklären, warum ich so lange keinen Blogartikel mehr veröffentlicht habe. Keiner von ihnen bringt ausreichend zum Ausdruck, worum es dabei geht. Ich stecke wahrscheinlich selbst noch bis über beide Ohren in einem Prozess, der mir Klarheit darüber verschafft. Ich möchte mich hier trotzdem an einer Zusammenfassung der verschiedenen Baustellen versuchen.
Meine erste Vermutung – eine sehr simple Erklärung – war, dass ich dem Schreiben derzeit keine Priorität einräume, dass kein Platz dafür ist in meiner pulsierenden Woche. Aber das kann man so nicht sagen. Ich hüpfe und tanze und schlendere durch meinen Alltag und meine Gedanken formen bereits ganze ausformulierte Sätze fast so als würde jemand parallel jedes Grübeln, jede Idee und jede Erkenntnis in Worte kleiden, die in Gedanken-Bänden direkt abgedruckt werden könnten. Ich hätte diese also nur ergreifen und zu Papier bringen müssen. Machte ich aber nicht.

 

1. Der Schulterklopfer
Der erste Grund ist also ein anderer. Und zwar wahrscheinlich, dass ich mich bei vielen meiner Handlungen derzeitig frage, wofür ich sie tue. Warum und für wen?
Warum. Eine häufige Antwort auf die Frage, warum wir Dinge tun, ist, weil wir gefallen wollen oder Anerkennung suchen. Wir alle suchen nach Bestätigung. Wir wollen Bestätigung für die Kleidung, die wir tragen, die Marken, mit denen wir uns umgeben, den Lifestyle, den wir haben, den Ort, an dem wir leben, die Arbeit, die wir verrichten, die Dinge, die wir lieben.. – ich könnte diese Liste ewig weiterführen. Für die meisten Dinge in unserem Leben wollen wir Anerkennung. Ob durch Likes, einen Schulterklopfer, Blicke, Kommentare, einen Status, eine Gruppe oder durch den eigenen Stolz. Das ist grundlegend auch in Ordnung und ich selbst nehme mich da nicht aus. Und trotzdem widerstrebt mir der Gedanke, dass wir Menschen nichts mehr tun können, ohne darüber zu reden. Und gelobt zu werden.

 

Und für wen? Wir leben in einem andauerndem Vergleich mit unserem Umfeld und dem Rest der Welt und vergessen bei all dem Miteinander-Messen und Idealen-hinterher-Gelaufe ganz, was wir selbst tief in unserem Inneren wirklich wollen. Will ich das, was ich gerade kaufe, besitze, plane oder tue, wirklich oder ist es etwas, dass ich von meinen Eltern, Freunden, der Schule, dem System, der Werbung oder der Gesellschaft, in der ich lebe, gelernt habe und als meine Realität angenommen habe? Uns einzugestehen, dass wir einigen wenigen Dingen, vielen oder vielleicht auch einem Großteil der Aspekte in unserem Leben blind und fremdbestimmt hinterherlaufen, tut weh. Ich erfahre diesen Schmerz gerade an jeder Ecke. Etwas nur für uns selbst zu tun oder etwas nur zu tun um des Tuns willen – ohne Zweck, Gewinn, Vergütung, Anerkennung, dem Streben, an ein Ideal heran zu reichen, oder eben einfach ohne es zu teilen – das offenbart sich für mich derzeit als sehr wertvoll und wunderbar.

 

Ich komme trotzdem zu dem Schluss, dass ich einen Schulterklopfer als Nebeneffekt akzeptieren kann, wenn ich ihn verdient habe, auch wenn das Augenmerk für mich nicht auf der Bestätigung und somit dem Nehmen liegt sondern auf dem Teilen im Sinne von bedingungslosem Geben. Das Teilen und Weiterreichen von Gedanken ähnlich einem Getränk, von dem ich einen Schluck nehme und es dir gebe, damit du sehen kannst, wie es dir schmeckt. Oder viel eher noch wie ein Bild, das ich beginne zu malen und an dich weitergebe, damit du deine Linien hinzufügen kannst, ihm eine neue Schicht verpassen kannst, mit ihm machen kannst, was du willst.

 

2. Das Hamsterrad des Teilens
Der zweite von mir identifizierte Grund für meine ausgebliebene Kommunikation ist, dass das Teilen von Bildern, Informationen und Momenten immer Zeit benötigt. Wenn wir etwas aufbereiten, findet die eigentliche Aktion in einer bestimmten Zeit x statt. Es kommt im Anschluss eine weitere meistens nicht unerhebliche Zeitspanne dazu, die wir nur damit verbringen, die erste verbrachte Zeit aufzuarbeiten. Ich erinnere mich, an ewige Portfolio-Arbeit und Projektdarstellungen, die zwar zum Job gehören, die aber meistens fast ein eigenes Projekt darstellen. Ich erinnere mich an Instagram-Posts, mit denen ich so viel Zeit verbracht habe, dass ich das zu teilende Erlebnis in der Zeit wahrscheinlich noch drei Mal hätte erleben können. Teilen wird zu einem Hobby, zu einer Freizeitbeschäftigung, nimmt ganze Stunden unseres Tages ein.

 

Und wenn wir dann erst zum Echtzeit-Teilen kommen, beschneiden wir sogar die Aktion selbst. Wenn ich an einem Wasserfall stehe und dabei eine Life-Übertragung schalte, wie ich vorm Wasserfall stehe, zeige ich dabei eigentlich nicht mich, wie ich vor einem Wasserfall stehe, sondern mich, wie ich teile, dass ich vor einem Wasserfall stehe. Das hat nicht nur zur Folge, dass ich weder den Wasserfall sehen kann, noch wirklich gedanklich am Ort bin, sondern auch, dass ich ja mindestens die Hälfte der Zeit und Aufmerksamkeit mit dem Teilen verbringe statt mit dem Erleben. Unsere Aktionen bekommen durch das Teilen also nicht nur manchmal einen anderen Zweck sondern verlieren sogar an Qualität. Wenn ich also meine Gedanken teile, während ich sie habe, oder im Verhältnis mehr teile, als ich eigentlich denke, habe ich weniger Zeit zum Denken und weniger Qualität der Gedanken. Eine sehr einfache Gleichung und ein klassisches Beispiel dafür, dass  Qualität vor Quantität Sinn macht.
Vielleicht brauchen wir bei der Flut der Gedanken und Erlebnisse einen Damm. Wir brauchen einen Staudamm, der uns vor Überflutungen und ungebremsten Massen schützt und schließlich nur ein kleines hübsch anzusehendes Rinnsal hindurch lässt – konzentriert, essenziell und wunderschön.

 

3. Gedanken auf der Überholspur
Und der dritte, letzte und damit zusammenhängende Grund ist das Verhältnis von Input zu Output bzw. der zeitliche Abstand dazwischen. Es ist fast so als sagte eine Stimme in meinem Kopf: »Bitte warten Sie einen Moment, Ihre Gedanken werden gerade verarbeitet. Dies kann einige Zeit dauern.« Darunter ein Ladebalken, der von 90% auch gerne mal zurück auf 40 springt.
Die Welt prasselt geradezu mit neuen Ideen, Werten, Lebenskonzepten und möglichen Türen, die einladend zur Auswahl stehen, auf einen ein. Ich persönlich merke, dass ich gerade sehr viel mit dem Input beschäftigt bin und vieles noch nicht ausreichend verarbeitet habe, um es mit anderen zu teilen. Was machen diese Gedanken mit mir? Wie verändern sie mich und wie verändere ich wiederum sie? Kann ich sie greifen und will ich das? Kann und will ich sie bewerten? Man kann schlecht lauschen, wenn man im gleichen Moment schreit – man würde ja eh nur sein eigenes Gebrüll hören. Also lausche ich und schweige. Mal schauen, was von draußen kommt, mal sehen was im Inneren passiert.

 

Was ich hier teile sind also diesmal Gedanken zu meinen Gedanken. Es ist ein bisschen wie mit jemandem darüber zu reden, dass man mal miteinander reden muss. Oder mit Leuten darüber abzustimmen, ob man über etwas abstimmt. Vielleicht ist es aber auch wie jemand anderem in die Augen zu sehen und ihm zu sagen: »Ich sehe dich.«, und damit viel mehr zu meinen als bloß, dass man ihn sieht. Vielleicht ein bisschen, wie in einen Spiegel zu schauen, der sich nicht vor dir befindet sondern in dir. Ein bisschen so fühlt es sich an.

 

Die Quintessenz: Warum ich trotzdem weiter teilen werde
Man sagt über Liebe, dass, wenn man sie teilt, sie sich verdoppelt. Und ich glaube, das gleiche trifft auf Gedanken zu. So wäre es doch eine Verschwendung, wenn ich Gedankengänge für mich behalte, die sich in exponentiellem Wachstum vervielfältigen und weiterentwickeln könnten. Ich gebe sie dir und du gibst sie zwei anderen und die wiederum zwei anderen.
Natürlich ist es auch ein bisschen wie mit der stillen Post und ein Gedanke kann sich auf dem Weg Gehirn–Mund–Ohr–Gehirn allein durch Interpretation und Horizont schon stark wandeln, aber genau darum geht es ja. Eine schillernde phosphorisierende Gedankenmasse, die ständig Farbe und Form ändert um mal angeregt tanzend, mal träge dahinfließend von Wirt zu Wirt wandert und sich wie eine Zelle teilt. Ein ungreifbarer wundersamer Organismus. Der umtriebige Organismus, der uns als Individuum und als Menschheit am Leben hält.
Dich, mich und uns alle. Und ich lausche und glaube, er tanzt und wabert und schillert gerade ein wenig…

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Liebe, Frieden & Zahnarzt – eine Woche ROC in der Notunterkunft Neukölln

Der Raum füllt sich mit Leben. Immer mehr Menschen strömen durch die Türen und aus den Fahrstühlen in die geräumige 4. Etage. Alle voller Aufregung, alle voller Vorfreude – das Warten hat sich gelohnt. Die Rede ist von der Eröffnung der »Etage der Möglichkeiten« in einer Notunterkunft in Berlin Neukölln. Viele Monate Arbeit stecken in dem wundervollen Ergebnis, dass ich zusammen mit dem Rest des Teams und den Bewohnern in diesem Moment auf mich wirken lasse, ja gerade zu genieße.

 

Das Projekt ROC – Refugee Open Cities – will etwas verändern. Der Alltag für geflüchtete Menschen, die in Deutschland ankommen, ist schwierig, die Unterbringung sehr einfach und es herrschen weder Wohnlichkeit noch Privatsphäre. Knapp 600 Menschen teilen sich die 3 Etagen in dem ehemaligen Einkaufszentrum. Da bleibt wenig Raum für selbstständige Beschäftigung, Entspannung, Kinderbetreuung (für die ca. 150 Kinder) oder einfach eine ungestörte Unterhaltung.

 

Wie soll man so eine Situation bewältigen, wo soll man anfangen? Wie soll man Dinge wie Behaglichkeit, Unbeschwertheit und so etwas wie Normalität in einen Ort stecken, an dem auf engstem Raum Menschen leben, die schrecklichste Strapazen hinter sich und noch einen langen Weg Richtung »geregeltes Leben« vor sich haben?
Im Sommer 2016 beschloss ein Team von Open State gemeinsam mit Bewohnern und in Zusammenarbeit mit den Maltesern, dies gemeinsam herauszufinden, und arbeitete mehrere Monate an Lösungen, Visionen und einem Plan, der es in sich hatte.
Das Ganze resultierte im »ROC Baufestival«, einer Woche, in der all die Ideen für die freistehende 4. Etage des Gebäudes umgesetzt werden sollten und zu der auch ich eingeladen wurde. Was ich dort erlebte, war schlicht weg unglaublich!

 

Die Planung sah eine Vielzahl an einzelnen Räumen vor: einen Sportraum mit Geräten und Platz für Übungsstunden, ein Lernzentrum, in dem unter anderem Deutschlernkurse stattfinden können, ein Frauenzimmer zum Nähen und Ungestört-Sein, ein Kinderzimmer mit Möglichkeit zum Toben und Energie abbauen, ein Teehaus für die Herren der Schöpfung, ein kleiner Garten und eine provisorische Küche, ein Informationszentrum z.B. mit Angeboten für den Berufseinstieg, eine kleine Siedlung abschließbarer Tiny-Häuser mit Betten und/oder Tischen für ein wenig Privatsphäre sowie ein »Marktplatz« als Zentrum mit einer kleinen Bühne, einer Leinwand und genügend Sitzgelegenheiten für alle. Jeder dieser Räume hatte also eine Aufgabe und würden nach der Bauwoche von den Maltesern mit Programm und Workshops für die Bewohner bespielt werden.
Doch zu erst einmal gab es da ja nur eine riesige Halle, die so ganz und gar nicht einladend war. Bei meiner Ankunft waren immerhin schon einige Wände eingezogen und farbenprächtig bemalt. Doch so richtig vorstellen konnte ich mir das Ganze noch nicht. Nach dem morgendlichen Check-In verteilten sich die täglich angetanzten freiwilligen Helfer auf die verschiedenen Teams der Riesen-Baustelle. Tatsächlich tummelten sich binnen kürzester Zeit Unmengen von sägenden, bauenden, malenden und organisierenden Helfer und Bewohner in der Halle. Innerhalb der 7 Tage wurden Wände eingezogen, kleine Häuser und Möbel gebaut und jeder Raum seiner Funktion entsprechend Bestückt und eingerichtet.

 

Meine Aufgabe war es, ein Leitsystem mit Icons für die gesamte Etage zu erstellen, welches ich später gut sichtbar auf drei große Platten am Eingang übertrug.

 

Ich war insgesamt sehr beeindruckt, welch motivierte, engagierte und großartige Menschen an diesem Ort zusammenkamen. In der Luft lag neben dem Duft von gutem Essen nicht bloß die konzentrierte und zum Ende hin leicht hektische Anspannung. Es war mehr. Es war ein gemeinsames Ziel, geteilter Schweiß, Unterhaltungen auf den verschiedensten Sprachen, Menschen, die an einem Strang zogen, und ein Geist, der all dies zusammen hielt. Es klingt ein wenig kitschig, aber irgendwie spürte man so etwas wie Aufbruch und Hoffnung.

 

Und dann wurde dieser neuer Ort mit seinem ganz eigenen Zauber feierlich eröffnet. Es gab eine Band, ein mitgebrachtes Buffet und eine kleine Parade, in der die Bewohner und das Team einmal gemeinsam durch die Etage gingen und jeden Raum kurz einweihten.

 

In der Mitte des Eingangsbereiches stand ein zusammengezimmerter von den Kindern wild bemalter Wunschbaum, an den diese nun ihre Wünsche hängen durften. Ich fragte mich, was dort wohl so stehen mochte – trotz der Freude über das neue Kinderzimmer hatten die Kinder keine unbeschwerte Kindheit. Die Wünsche zu lesen, hat mich erinnert, warum es so wichtig ist, an solchen Projekten teilzunehmen oder sie zu initiieren. Ein Schild blieb mir besonders in Erinnerung und ließ mich im Moment, da ich es las, wieder einmal gewahr werden, wie gut es uns geht. Es sagte: »Liebe, Frieden & Zahnarzt«.

 

Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Woche werden wohl noch ein wenig nachhallen. Und es geht natürlich weiter mit ROC. Das Projekt in Berlin soll erst der Anfang und Vorbild für viele weitere Projekte in Deutschland und Europa sein. Um anderen die Durchführung eines solchen Vorhabens zu erleichtern, wird das Ganze nun in einem Online-Toolkit als Open Source aufbereitet. Auch das ist wieder jede Menge Arbeit. Wie gut, dass auch dafür ein bisschen Gestaltung benötigt wird…

 

(Fotos: Open State; ROC)

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Kapstadt – das südlichste Europa der Welt

Bei all den erkenntnisreichen Ergüssen, die mir während meiner Reise aus den Fingern fließen, komme ich nicht umhin auch mal einen kleinen etwas klassischeren Reisebericht einzuschieben. Ich habe Südafrika abgeschlossen und möchte dieses Land nicht einfach unbeschrieben zurück lassen.
Vorweg muss ich schon mal gestehen, dass ich nicht wirklich von Südafrika schreiben kann. Ich kann von Kapstadt, dem kleinen eigenen Europa am südlichen Zipfel des Landes, und von der Garden Route – doch zu dieser vielleicht an anderer Stelle mehr. Das Folgende kann allen, die bereits in Cape Town waren, ein lächelndes Zurückerinnern bescheren und allen, die noch dort hin wollen einen netten ersten Vorgeschmack geben.

 

Kapstadt ist eine vibrierende funkelnde Metropole mit so vielen Gesichtern, wie es Dinge zu erleben gibt. Ich möchte die Reisetipps kurz halten und nur kurz und knackig anreißen, was euch dort erwartet. Wie gerade schon angedeutet: Glaubt nicht, dass ihr dort „Afrika“ zu spüren bekommt. Natürlich könnt ihr bunte Armbänder, hölzerne Giraffenfiguren oder farbenfrohe Gewänder kaufen, aber ihr werdet hier nicht auf einem Elefanten reiten, mit den Löwen schlafen oder euch durch den Dschungel schlagen. Es gibt hier genauso Konzerte, Hipsterviertel, Szene Cafés und allen anderen Klimm-Bimm, den es in jeder anderen Stadt von Welt auch gibt. Auch Kapstadt hat dunkle Ecken und fröhliche Ecken und teure Ecken und hektische Ecken. Auch Kapstadt hat Berufsverkehr, bei dem gar nichts mehr geht, und Mietpreise, denen man beim steigen quasi zusehen kann – wie das ist einer Metropole eben so ist.
Was diese Stadt aber so besonders macht, ist die Kombination von Rundum-Meer und den Bergen in der Mitte. Die südafrikanische Sonne brennt im Sommer (unserem Winter) kräftig einen weg, während der South-Eastern-Wind (Cape-Doctor) einem vom Meer die ersehnte Abkühlung bringt.

 

Die Kapstädter, örtlich „Capetonians“ genannt, sind überspitzt gesagt eine Mischung aus schwarz, weiß, Südafrikaner, Holländern und Deutschen. Gesprochen wird Englisch, Xhosa oder Afrikaans – und da gibt es dann noch ein paar sprachliche Eigenheiten, wie zum Beispiel, Fragen mit einem „hey?“ zu beenden oder zur Verblüffung ein „Joh!“ oder „Jissis!“ auszustoßen.
Wir befinden uns hier außerdem in einem Land, in dem Kontraste zwischen arm und reich oder weiß und schwarz größer gar nicht sein könnten. Südafrikas Geschichte der Apartheid spiegelt sich natürlich auch hier wieder und so kann man am einen Ende der Stadt die teuersten Luxusvillen bewundern, am anderen Ende Townships mit Wellblechhütten vorfinden, die sich in einem scheinbar gewollten Chaos über große Fläche erstrecken.

 

Schauen wir doch noch einmal was Kapstadt denn nun so zu bieten hat. Ich gehe dabei jetzt mal nach Bezirken vor – diese sind überspitzt formuliert folgende:
Obz aka Observatory ist Studentenbezirk und wird von den meisten besser betuchten eher als „dodgy“ beschrieben, hat aber mit seinen Second-Hand-Läden, Restaurants und Cafés auf der Lower Main Road jede Menge Charme. Es grenzt an den Devilspeak, einen besonders anstrengend (!) zu besteigenden Ausläufer des Tafelberges.
In Woodstock geht das kreative Leben ab: Biscuit Mill Market, Design Studios, Ausstellungen, Start-Ups.
Es folgen etwas weiter nördlich Milnerton, Sunset Beach, Table View, Blouberg – endloser wunderschöner Strand, der an Nordsee und Dänemark erinnert, mit bestem Blick auf Kapstadt City und den Tafelberg (als absoluter Kite-Surfing Strand bekannt).
Zurück in Kapstadt: das Stadtzentrum. Im Schutze des Tafelberges wandert man durch Long-Street (bei Tag Touri-Meile, bei Nacht Party-Meile), Loop-Street, Bree Street und Green Market (Geheimtipp „First Thursday“ mit freiem Eintritt in Galerien, kostenlosem Wein und jeder Menge feierfreudiger Menschen). Außerdem zu finden: Tambourskloof, Bo-Kaap, Civic Center, Bahnhof und Minibus-Anlaufstelle.
Nächstes Highlight – V&A Waterfront und der Hafenbereich: Schicki-Micki-Shoppen, Sehen und Gesehen-Werden, seine Yacht ausführen, zu Silvester Feuerwerk gucken oder einfach teuer essen gehen. Von hier aus kann man auch ein Boot Richtung Robben Island nehmen (frühere Gefängnisinsel, auf der Nelson Mandela lange Zeit verbrachte).
Weiter an der Küste entlang folgen Greenpoint, Seepoint, Clifton und schließlich Camps Bay, welche in dieser Reihenfolge auch steigende Grundstückspreise, Einkommen und Egos vorweisen. Lange Promenaden mit Grünanlagen, Alibi-Joggern oder Sonnuntergangs-Spaziergängern. Auch hier zu Hause sind Leuchtturm, Greenpark und das WM-Stadion. Clifton lädt zu einem Tag an Beach 1-4 und eiskaltem Wasser ein, Camps Bay trumpft auf mit feinen Restaurants, einem abendlichen Glas Wein mit den Schönen und Reichen oder dem Sonntag-Abend im Café Caprice (egal was man hier unternimmt, man wird auf jeden Fall Geld los).
Weiter geht’s mit Hout Bay, einem kleinen Fischer-Hafen, mit feinem weißen Sandstrand, jeder Menge Seehunden und einem atemberaubenden Wochenendmarkt in der Markthalle. Eine ganz eigene Welt bildet die Peninsula: Touri-Programm pur. Ein sehr schöner Nationalpark, mit dem süd-westlichsten Punkt Afrikas, Pinguine zum Anfassen und kleinen süßen Orten wir Simons Town oder Fish Hoek. Vorbei an Kalkbay folgt dann Muizenberg, die Surferhochburg mit den kleinen bunten Umkleidehäuschen. Von hier aus könnte man dann am Township Khayelitsha vorbei Richtung Strand fahren, einer kleinen Stadt in der False Bay (hier hat das Wasser dann auch endlich Badetemperatur). Alternativ dazu ein Tripp nach Stellenbosch – Weinhochburg, sehr schnieke und nett mit dem angrenzenden ebenso zauberhaften Franchoek. Will man es noch weiter treiben, macht man sich von hier auf die Route 44 und erreicht irgendwann Bettys Bay und schließlich Hermanus die Wal-Stadt, in der (hauptsächlich zwischen Juni und Oktober) jede Menge Wale zu sehen sind.

 

Das wars dann auch schon mit der kurzen, leicht verspäteten Zusammenfassung von Kapstadt und Umgebung. Ein kleiner Text wird dieser pulsierenden Metropole sicher nicht ganz gerecht und auch muss ich detailliertere Tipps und Erläuterungen aussparen – ich stehe euch aber jederzeit für Fragen bereit.
Ich habe die einzelnen Facetten und vor allem aber die Menschen, die ich in dort kennen lernen durfte, sehr geschätzt und behalte sie in warmer guter Erinnerung in der südlichsten Ecke meines Reiseherzens.

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Reisen – was das?

Ich glaube, ich bin lange genug von zu Hause weg, um mir ein kleines Reise technisches Zwischenfazit zu erlauben. Mir wird bewusst, dass Reisen nicht nur der Schlüssel zu einer neuen Perspektive und einem objektiveren Blick auf unser eigenes Leben ist, sondern uns auch viele der Dinge zurück gibt, die wir im Schoße unserer alltäglichen Gewohnheiten verlernt oder vergessen haben.

 

Ich muss zum Beispiel feststellen, dass man in einem Gespräch mit jemandem, den man gerade eben erst getroffen hat, sehr schnell sehr viel von sich preisgeben kann wie auch sehr tiefgründig werden kann. Dieses Phänomen ist gar nicht mal an das Reisen gebunden, mir aber durch die hohe Frequenz neuer Leute besonders bewusst geworden. Man erzählt diesem fremden Menschen eine Geschichte, die man vielleicht schon mit jedem seiner Freunde durchgekaut hat und doch bekommt sie einen ganz neuen Anstrich, eine ganz neue Reflexion, nur weil ein Fremder seine objektive Meinung dazu kund tut. Ich glaube, dass diese Konversationen mit zufälligen Bekanntschaften, die man vielleicht in einem Bus sitzend, auf einer Felskante wartend oder klassischer Weise in einem Café beginnt, einem jede Menge geben können, ohne dass man dafür allzu viel tun muss. Es ist das simpelste und zugleich wichtigste Konzept der Welt: unsere Kommunikation. Diese befindet sich dauerhaft im Wandel und jede Generation hat aufs Neue das Gefühl, dass wir verlernen, miteinander zu sprechen. Und ich denke, das hat auch seine Berechtigung – zu mal eben jene spontanen und doch zutiefst interessanten Gespräche immer seltener werden. Wenn ich darüber nachdenke, wann ich in Deutschland zuletzt ein Gespräch mit einer fremden Person im Bus begonnen habe (ohne dass es aus Höflichkeit und ohne dass es eine ältere Dame war, die diese Form der Kommunikation noch ganz anders verinnerlicht hat), muss ich schon sehr lange überlegen. Und dabei haben wir immer die Freiheit und Wahl dies bei jeder Möglichkeit einfach zu tun.
Und das ist eines der wichtigsten Dinge, die ich bis jetzt vom Reisen mitnehme: Wir haben immer die Wahl. Wir haben immer die Wahl und können uns immer für diesen oder jeden Weg, diese oder jede Handlung, diese oder jede Art zu sein entscheiden. Viele der Menschen, die ich treffe, reisen, um sich ihrer selbst bewusst zu werden, zu verstehen, was sie wirklich wollen, einen Neuanfang zu starten, bei Null anzusetzen. Und ich sehe, dass es kein Alter, keinen Lebensabschnitt und kein Land gibt, in dem das nicht passiert bzw. nicht möglich wäre. Wenn jemand meint, es geht nicht, dann will er es meiner Meinung nach nur nicht genug, setzt seine Prioritäten anders. Wir können immer neu beginnen, wir können immer, diese Woche, heute, jetzt sofort anfangen, das zu tun, was wir wirklich wollen, was wir wirklich tief in uns ersehnen.

 

Reisen ist also Sehnsucht. Reisen ist Inspiration. Und Reisen bedeutet, sich selbst neu zu erfinden.
Das Gefühl, ein Reisender zu sein, befähigt einen zu jeder Menge neuer Handlungen und Eigenschaften. Man ist der Ausländer, Außenseiter, in Welpenschutz und außerdem hat man generell die Erlaubnis, jede Art von Fragen zu stellen. Das Reisen scheint uns einen Teil unserer kindlichen Neugierde zurückzugeben. Jeden Tag erleben wir etwas Neues, starten in den Tag mit der Vorfreude auf neue Orte, Menschen und Erfahrungen.
Doch wenn man es streng nimmt, können wir das auch zu Hause haben, oder nicht? Das einzige, was diesem Gefühl, dieser Lebensart, dieser neugierigen Perspektive im Wege steht, ist das kleine Ding, das sich unser Alltag schimpft. Er entsteht durch Wiederholung und die leben wir als Gewohnheitstiere jeden Tag und so oft wie nur möglich. Wir fühlen uns wohl mit Dingen, die wir kennen, mit einem geregelten Tagesablauf.
Die Dinge auf sich zukommen zu lassen, nicht alles zu planen und Inspiration in den Dingen selbst zu finden, beschert mir jedoch gerade höchste Zufriedenheit. Unsere Gefühle, Lebenseinstellungen oder die Art, wie wir uns geben, zu hinterfragen oder zu verändern, ist nicht zwingend an einen fernen Ort gebunden – auch wenn ich zugeben muss, dass man vielleicht einmal einen fremden Ort braucht, um dies überhaupt erst zu erkennen. Ich möchte dies für mein Leben verinnerlichen: reisen nicht bloß, wenn ich „Reisende“ bin, sondern immer, wenn es mir beliebt.
Warum also nicht sein Leben als Reise sehen, seinen Tag als Reise sehen? Diesen neugierigen unverbrauchten Blick, den wir haben, wenn wir unterwegs sind, mit nach Hause nehmen. Vielleicht müssen wir lernen, Neues in unserem Alltag zu finden, ihn neu zu interpretieren, ihn zu verändern. Vielleicht müssen wir nicht mit dem klassischen sich wiederholenden Abbild eines Alltags leben, sondern haben die Möglichkeit, unseren Tag immer wieder neu zu erfinden. Einen anderen Weg zur Arbeit einschlagen, sich Zeit für Dinge nehmen, die wir sonst nur im Vorübergehen tun oder weil wir sie tun müssen, und kleine Gesten, Momente und Ereignisse wieder wertschätzen.

 

Das Reisen hat also jede Menge wundervoller Eigenschaften – sei es Spontanität, Neugierde, Offenheit oder Mut. Wenn wir nur die Hälfte davon wenigstens ab und zu etwas mehr in unserem Tag leben, können wir ein anderes Leben haben, ein anderer Mensch sein. Dann können wir über uns hinaus wachsen, unserem Horizont hinterherjagen und einen neuen abenteuerlichen Weg finden.

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Von Steinen und warum man sie nicht suchen sollte

Wenn wir mal ehrlich sind, beschäftigt man sich auf einer Reise ständig mit Suchen. Sei es nach Steinen, Orten, Menschen, Erlebnissen, Fotomotiven, Weisheit oder sich selbst – man strebt nach Veränderung, nach dem Neuen. Bis jetzt hat sich für mich allerdings herausgestellt, dass das Finden und Entdecken an und für sich viel reizvoller ist.
Nehmen wir einen urlaubsüblichen Strand mit jeder Menge Sand und einigen Steinen, an denen sich der durchschnittliche Urlauber jedes Mal stört, wenn er auf ihnen ausrutscht, sich den Fuß stößt oder sie unter seinem Handtuch hervorholen muss, um bequem zu liegen. Diese Steine sind die Begierde so manch eines verwegenen Sammlers, der vielleicht zersprungene Muscheln satt hat und ein Souvenir sucht, dass von Dauer ist. Nun begebe ich mich in seine Situation und sage mir, ich will den perfekten Stein finden. Abgesehen davon, dass dies eine vage Definition ist und ich vielleicht noch gar nicht richtig weiß, was perfekt in diesem Falle bedeutet, kommen vielleicht jede Menge dieser Steine in Frage. Wie fange ich also an zu suchen? Ich gehe zu einem der angeschwemmten Steinhaufen, bei denen mir die Wahrscheinlichkeit größer erscheint, einen geeigneten Stein zu finden. Das ergibt ja nur Sinn – dachte ich. Doch auch nach mehreren Minuten will sich kein wirkliches Prachtstück finden. Schließlich nehme ich einen x-beliebigen und mache mich auf den Weg nach Hause. Kurz vor dem Holzsteg zurück zum Parkplatz sehe ich ein besonders schönes Exemplar aus dem Sand ragen – nur eine kleine Spitze, doch in so schillernder Farbe, dass ich sie nicht übersehen kann. Es ist kein Stein sondern ein phantastisch geformtes schillerndes von seinem Bewohner verlassenes Schneckenhaus.
Es geht mir natürlich nicht um Steine, denn diese Geschichte hat mir bloß den Denkanstoß für die weitreichende Bedeutung des Ganzen gegeben. Es geht mir um die Suche selbst. Wir suchen Locations, von denen wir Fotos gesehen haben, Orte, an denen sich viele Touristen aufhalten, Restaurants, in denen viele Gäste speisen. Wir suchen die Wale, in Gegenden, in denen viele gesichtet wurden, die große Liebe in Clubs, Kreisen oder in Netzwerken, in denen wir eine große Auswahl haben und unser Glück in all den Dingen, die wir begehren und vor uns sehen.
Es macht Sinn, auf diese Art und Weise zu suchen… Das Ganze liegt nur nahe: das Essen in gut besuchten Restaurants ist gut, mehr Steine bedeuten mehr Auswahl und da wo alle Touris ein Foto machen, hat das auch meistens einen atemberaubenden Grund.

 

Ich glaube allerdings, dass wir vielleicht mit der Suche selbst falsch liegen. Wir schauen mit dem Fernglas weit nach vorne, verpassen den Boden unter unseren Füßen und die Welt um uns herum. Wir suchen die Brille, die auf unserem Kopf ist, das Handy, dass wir gerade in der Hand haben und unseren Verstand, mit dem wir darüber nachdenken, wo er selbst wohl sein mag. Und schließlich verlieren wir aus den Augen, was wirklich zählt, nämlich was, wer, wo und mit wem wir jetzt und in diesem Moment gerade sind. Zu suchen, schürt in uns Erwartungen und Ungeduld und endet vielleicht auf kurz oder lang in Frust, Verzweiflung oder einer weiteren Suche. Zu suchen verändert uns, nimmt unsere Gedanken ein, raubt uns Energie und macht uns unzufrieden.

 

Es ist sicherlich leichter gesagt als getan, aber ich denke, wir sind besser dran, wenn wir versuchen, nicht zu suchen. Wenn wir zufrieden sind mit uns selbst und mit dem, was wir gerade haben. Das Ding, an das wir keine Erwartungen stellen, weil wir es noch nicht wissen, sehen, planen oder eben suchen, kann jene auch nicht enttäuschen.

 

Das beste Essen kann man in einem weit abgelegenen kleinen Restaurant haben – eben weil es nicht jeder kennt und mag, weil es eine irgendwie magische Atmosphäre hat und man mit den Menschen dort landet, die einem am Herzen liegen. Die schönsten Momente hatte ich an Orten, an die ich nie geplant hatte zu gehen, die mir vielleicht zufällig unter die Füße geraten sind oder nur weil ich einen ungewollten Umweg eingeschlagen habe. Wale habe ich nicht auf der unternommenen Whale Watching Tour gesehen, sondern ganz zufällig, als ich nichts ahnend einen Tripp mit einem Segelboot unternommen habe. Und einen Freund und Gefährten findet man manchmal in dem unscheinbarsten Fremden, in einem Menschen, den man nicht erwartet hat, in einem Menschen, der nie geplant war.

 

Man kann es je nach Neigung Zufall, Schicksal oder Glück nennen, aber ich glaube eben jene Phänomene können uns weit mehr Zufriedenheit bescheren als all die Dinge, nach denen wir bewusst und vielleicht vergeblich streben. Natürlich haben wir einen freien Willen und treffen unsere eigenen Entscheidungen und auch möchte ich damit nicht sagen, dass wir keine Träume haben sollen. Träume, Ziele und Sehnsüchte sind Antrieb und Grund für unsere persönliche Veränderung und Weiterentwicklung.

 

Doch wie alles sollte man sie in Maßen genießen. Wir sollten den Plan auch mal verwerfen dürfen oder ihn gar nicht erst schmieden. Wir sollten die Dinge so akzeptieren und genießen, wie sie kommen, und schließlich statt einem Stein ein schillerndes Schneckenhaus mit nach Hause nehmen.

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