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Reflection

When your inside is out,
And your head full of clouds,
When you’re feeling in pain,
And your tears are like rain,
When you’re far from the light,
And the distance feels tight,
When you don’t know your way,
When your vision is gray,
You feel empty and lone,
And you can’t find your home,

Stay calm, breathe in and see:

There is no light without the dark.
You cannot loose, what’s in your heart.
There’ll always be the up and down.
And a time when those will turn around.

Feel, observe and be.
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Voyage

Meeting the light on the way.
Fearless flowing around.
Lighting up the dark spots,
Leaving blind ones behind.

Telling you stories and what it has seen.
About deepest darkness and where it has been.
Telling you to see the truth.
About the world, about yourself.

You travel together.
The light is your guide.
You wake up together, you rest together.
The light is always at your side.

Days pass and then weeks.
And then time passes and disappears.
Light becomes your compass.
Light takes of all your fears.

It meets your eye.
And then the second and the third.
And then it shines through and through.
And you finally see. And you let go.

Open yourself and let it enter.
The sun warming heart and soul.
The moon cooling down thoughts and mind.
The light within you growing rich and bright.

And then slowly slowly begin to shine.
Become the light yourself.
Share and give whatever you can.
Lighting up the world on your way.

See, share and give.
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Freie Vögel

Draußen ist es dunkel-kalt,
finstere Gesichter,
Menschen flĂŒchten, suchen WĂ€rme,
erfinden neue Lichter.
Leere Geister in den HĂ€usern,
erquickt in Überfluss.
Sehnsucht wird betÀubt mit Pflichten,
ZwÀngen und Verdruss.

Schrei'nde Herzen bitten Sonne,
Liebe ist ihr Licht.
Die Seele sucht Weite, um zu grasen,
und Fahrtwind in ihrem Gesicht.

Lass los, spann deine FlĂŒgel
und nimm den Mut zum Springen.
Vertrau dir, leb' die Freiheit,
statt nur von ihr zu singen.

Mit LeichtgepÀck und frischem Geist
Angst bleibt zu Haus' zurĂŒck
bin ich alles, was ich brauch.
Mein GefĂ€hrte wird das GlĂŒck.

Gemeinsam fahr'n wir ohne Hast,
uns liegt die Zeit zu FĂŒĂŸen.
Durchs Fenster sehn wir wilde Zeiten
und Gedanken, die uns grĂŒĂŸen.

Von Wut zu Liebe, von Schnee zu Licht,
zu Menschen ohne Geld.
Über den DĂ€chern und unter den Sternen,
regieren wir die Welt.

Zwei Menschen, vier Beine,
vier RĂ€der, ein Ziel:
Neue Ufer immer wieder.
Kein Weg ist je zu viel.

Wir schlagen wie Wellen
an Felsen und StrÀnde.
Wir tanzen und singen
und finden kein Ende.
Wir grĂŒbeln und lernen
und reden und lachen.
Wir schmausen und schwelgen
und trÀumen und machen.
Wir sind.
FĂŒr immer Kind.

So bleiben wir so jung,
wie hoch der Wind uns trÀgt
und gehen mit dem Menschen,
der uns grad versteht.

Und schließlich geh'n wir weiter.
Und manchmal auch allein.
So lass' uns bis zum Wiedersehen
freie Vögel sein.
Wild und bunt und liebend
und in der Welt daheim.

Muchas Gracias,
Dennis & Hedwig.
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3 GrĂŒnde warum wir manchmal schweigen sollten, obwohl es so viel zu sagen gibt

Es ist so still hier. Die Welt lauscht, das Blog schweigt. Warum sagt es denn nichts?
Es ist eine der lĂ€ngsten Funkstillen, die ich in diesem Rahmen je eingelegt habe. Meine Website zeigt Arbeiten von vor zwei Jahren, ist unangerĂŒhrt seit Monaten, und erzĂ€hlt von dem Mensch, der ich damals war. Und das, obwohl quasi Gedankenmassen Ă€hnlich der NiagarafĂ€lle von dem Rand meines Horizontes hinunterstĂŒrzen. Gedanken, die sich, noch wĂ€hrend sie gedacht werden, selbst ĂŒberholen.

Warum also teile ich sie bis jetzt nicht mit der Welt? Ich habe bisher gut drei Texte vorbereitet, in denen ich versuchte zu ergrĂŒnden und/oder zu erklĂ€ren, warum ich so lange keinen Blogartikel mehr veröffentlicht habe. Keiner von ihnen bringt ausreichend zum Ausdruck, worum es dabei geht. Ich stecke wahrscheinlich selbst noch bis ĂŒber beide Ohren in einem Prozess, der mir Klarheit darĂŒber verschafft. Ich möchte mich hier trotzdem an einer Zusammenfassung der verschiedenen Baustellen versuchen.
Meine erste Vermutung – eine sehr simple ErklĂ€rung – war, dass ich dem Schreiben derzeit keine PrioritĂ€t einrĂ€ume, dass kein Platz dafĂŒr ist in meiner pulsierenden Woche. Aber das kann man so nicht sagen. Ich hĂŒpfe und tanze und schlendere durch meinen Alltag und meine Gedanken formen bereits ganze ausformulierte SĂ€tze fast so als wĂŒrde jemand parallel jedes GrĂŒbeln, jede Idee und jede Erkenntnis in Worte kleiden, die in Gedanken-BĂ€nden direkt abgedruckt werden könnten. Ich hĂ€tte diese also nur ergreifen und zu Papier bringen mĂŒssen. Machte ich aber nicht.

1. Der Schulterklopfer
Der erste Grund ist also ein anderer. Und zwar wahrscheinlich, dass ich mich bei vielen meiner Handlungen derzeitig frage, wofĂŒr ich sie tue. Warum und fĂŒr wen?
Warum. Eine hĂ€ufige Antwort auf die Frage, warum wir Dinge tun, ist, weil wir gefallen wollen oder Anerkennung suchen. Wir alle suchen nach BestĂ€tigung. Wir wollen BestĂ€tigung fĂŒr die Kleidung, die wir tragen, die Marken, mit denen wir uns umgeben, den Lifestyle, den wir haben, den Ort, an dem wir leben, die Arbeit, die wir verrichten, die Dinge, die wir lieben.. – ich könnte diese Liste ewig weiterfĂŒhren. FĂŒr die meisten Dinge in unserem Leben wollen wir Anerkennung. Ob durch Likes, einen Schulterklopfer, Blicke, Kommentare, einen Status, eine Gruppe oder durch den eigenen Stolz. Das ist grundlegend auch in Ordnung und ich selbst nehme mich da nicht aus. Und trotzdem widerstrebt mir der Gedanke, dass wir Menschen nichts mehr tun können, ohne darĂŒber zu reden. Und gelobt zu werden.

Und fĂŒr wen? Wir leben in einem andauerndem Vergleich mit unserem Umfeld und dem Rest der Welt und vergessen bei all dem Miteinander-Messen und Idealen-hinterher-Gelaufe ganz, was wir selbst tief in unserem Inneren wirklich wollen. Will ich das, was ich gerade kaufe, besitze, plane oder tue, wirklich oder ist es etwas, dass ich von meinen Eltern, Freunden, der Schule, dem System, der Werbung oder der Gesellschaft, in der ich lebe, gelernt habe und als meine RealitĂ€t angenommen habe? Uns einzugestehen, dass wir einigen wenigen Dingen, vielen oder vielleicht auch einem Großteil der Aspekte in unserem Leben blind und fremdbestimmt hinterherlaufen, tut weh. Ich erfahre diesen Schmerz gerade an jeder Ecke. Etwas nur fĂŒr uns selbst zu tun oder etwas nur zu tun um des Tuns willen – ohne Zweck, Gewinn, VergĂŒtung, Anerkennung, dem Streben, an ein Ideal heran zu reichen, oder eben einfach ohne es zu teilen – das offenbart sich fĂŒr mich derzeit als sehr wertvoll und wunderbar.

Ich komme trotzdem zu dem Schluss, dass ich einen Schulterklopfer als Nebeneffekt akzeptieren kann, wenn ich ihn verdient habe, auch wenn das Augenmerk fĂŒr mich nicht auf der BestĂ€tigung und somit dem Nehmen liegt sondern auf dem Teilen im Sinne von bedingungslosem Geben. Das Teilen und Weiterreichen von Gedanken Ă€hnlich einem GetrĂ€nk, von dem ich einen Schluck nehme und es dir gebe, damit du sehen kannst, wie es dir schmeckt. Oder viel eher noch wie ein Bild, das ich beginne zu malen und an dich weitergebe, damit du deine Linien hinzufĂŒgen kannst, ihm eine neue Schicht verpassen kannst, mit ihm machen kannst, was du willst.

2. Das Hamsterrad des Teilens
Der zweite von mir identifizierte Grund fĂŒr meine ausgebliebene Kommunikation ist, dass das Teilen von Bildern, Informationen und Momenten immer Zeit benötigt. Wenn wir etwas aufbereiten, findet die eigentliche Aktion in einer bestimmten Zeit x statt. Es kommt im Anschluss eine weitere meistens nicht unerhebliche Zeitspanne dazu, die wir nur damit verbringen, die erste verbrachte Zeit aufzuarbeiten. Ich erinnere mich, an ewige Portfolio-Arbeit und Projektdarstellungen, die zwar zum Job gehören, die aber meistens fast ein eigenes Projekt darstellen. Ich erinnere mich an Instagram-Posts, mit denen ich so viel Zeit verbracht habe, dass ich das zu teilende Erlebnis in der Zeit wahrscheinlich noch drei Mal hĂ€tte erleben können. Teilen wird zu einem Hobby, zu einer FreizeitbeschĂ€ftigung, nimmt ganze Stunden unseres Tages ein.

Und wenn wir dann erst zum Echtzeit-Teilen kommen, beschneiden wir sogar die Aktion selbst. Wenn ich an einem Wasserfall stehe und dabei eine Life-Übertragung schalte, wie ich vorm Wasserfall stehe, zeige ich dabei eigentlich nicht mich, wie ich vor einem Wasserfall stehe, sondern mich, wie ich teile, dass ich vor einem Wasserfall stehe. Das hat nicht nur zur Folge, dass ich weder den Wasserfall sehen kann, noch wirklich gedanklich am Ort bin, sondern auch, dass ich ja mindestens die HĂ€lfte der Zeit und Aufmerksamkeit mit dem Teilen verbringe statt mit dem Erleben. Unsere Aktionen bekommen durch das Teilen also nicht nur manchmal einen anderen Zweck sondern verlieren sogar an QualitĂ€t. Wenn ich also meine Gedanken teile, wĂ€hrend ich sie habe, oder im VerhĂ€ltnis mehr teile, als ich eigentlich denke, habe ich weniger Zeit zum Denken und weniger QualitĂ€t der Gedanken. Eine sehr einfache Gleichung und ein klassisches Beispiel dafĂŒr, dass  QualitĂ€t vor QuantitĂ€t Sinn macht.
Vielleicht brauchen wir bei der Flut der Gedanken und Erlebnisse einen Damm. Wir brauchen einen Staudamm, der uns vor Überflutungen und ungebremsten Massen schĂŒtzt und schließlich nur ein kleines hĂŒbsch anzusehendes Rinnsal hindurch lĂ€sst – konzentriert, essenziell und wunderschön.

3. Gedanken auf der Überholspur
Und der dritte, letzte und damit zusammenhĂ€ngende Grund ist das VerhĂ€ltnis von Input zu Output bzw. der zeitliche Abstand dazwischen. Es ist fast so als sagte eine Stimme in meinem Kopf: »Bitte warten Sie einen Moment, Ihre Gedanken werden gerade verarbeitet. Dies kann einige Zeit dauern.« Darunter ein Ladebalken, der von 90% auch gerne mal zurĂŒck auf 40 springt.
Die Welt prasselt geradezu mit neuen Ideen, Werten, Lebenskonzepten und möglichen TĂŒren, die einladend zur Auswahl stehen, auf einen ein. Ich persönlich merke, dass ich gerade sehr viel mit dem Input beschĂ€ftigt bin und vieles noch nicht ausreichend verarbeitet habe, um es mit anderen zu teilen. Was machen diese Gedanken mit mir? Wie verĂ€ndern sie mich und wie verĂ€ndere ich wiederum sie? Kann ich sie greifen und will ich das? Kann und will ich sie bewerten? Man kann schlecht lauschen, wenn man im gleichen Moment schreit – man wĂŒrde ja eh nur sein eigenes GebrĂŒll hören. Also lausche ich und schweige. Mal schauen, was von draußen kommt, mal sehen was im Inneren passiert.

Was ich hier teile sind also diesmal Gedanken zu meinen Gedanken. Es ist ein bisschen wie mit jemandem darĂŒber zu reden, dass man mal miteinander reden muss. Oder mit Leuten darĂŒber abzustimmen, ob man ĂŒber etwas abstimmt. Vielleicht ist es aber auch wie jemand anderem in die Augen zu sehen und ihm zu sagen: »Ich sehe dich.«, und damit viel mehr zu meinen als bloß, dass man ihn sieht. Vielleicht ein bisschen, wie in einen Spiegel zu schauen, der sich nicht vor dir befindet sondern in dir. Ein bisschen so fĂŒhlt es sich an.

Die Quintessenz: Warum ich trotzdem weiter teilen werde
Man sagt ĂŒber Liebe, dass, wenn man sie teilt, sie sich verdoppelt. Und ich glaube, das gleiche trifft auf Gedanken zu. So wĂ€re es doch eine Verschwendung, wenn ich GedankengĂ€nge fĂŒr mich behalte, die sich in exponentiellem Wachstum vervielfĂ€ltigen und weiterentwickeln könnten. Ich gebe sie dir und du gibst sie zwei anderen und die wiederum zwei anderen.
NatĂŒrlich ist es auch ein bisschen wie mit der stillen Post und ein Gedanke kann sich auf dem Weg Gehirn–Mund–Ohr–Gehirn allein durch Interpretation und Horizont schon stark wandeln, aber genau darum geht es ja. Eine schillernde phosphorisierende Gedankenmasse, die stĂ€ndig Farbe und Form Ă€ndert um mal angeregt tanzend, mal trĂ€ge dahinfließend von Wirt zu Wirt wandert und sich wie eine Zelle teilt. Ein ungreifbarer wundersamer Organismus. Der umtriebige Organismus, der uns als Individuum und als Menschheit am Leben hĂ€lt.
Dich, mich und uns alle. Und ich lausche und glaube, er tanzt und wabert und schillert gerade ein wenig…

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Unterwegs

Frei sein,
fern sein,
wild sein,
Wildschwein.

Mampfen,
krampfen,
stampfen,
tanzen.

Schwarz und bleich,
im Kopfe weich,
im Herzen reich,
ganz federleicht.

Kurze Zeiten,
lange Weiten,
fahrend reiten,
den Wind begleitend.

Applaus applaus,
von Haus zu Haus,
und hoch hinaus,
zum Tiefenrausch.

Alleine stehn,
gemeinsam gehn,
sich selber sehn,
die Welt vergeht.

GlÀser heben,
laufend schweben,
geistig beben,
schönes Leben.
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Liebe, Frieden & Zahnarzt – eine Woche ROC in der Notunterkunft Neukölln

Der Raum fĂŒllt sich mit Leben. Immer mehr Menschen strömen durch die TĂŒren und aus den FahrstĂŒhlen in die gerĂ€umige 4. Etage. Alle voller Aufregung, alle voller Vorfreude – das Warten hat sich gelohnt. Die Rede ist von der Eröffnung der »Etage der Möglichkeiten« in einer Notunterkunft in Berlin Neukölln. Viele Monate Arbeit stecken in dem wundervollen Ergebnis, dass ich zusammen mit dem Rest des Teams und den Bewohnern in diesem Moment auf mich wirken lasse, ja gerade zu genieße.

Das Projekt ROC – Refugee Open Cities – will etwas verĂ€ndern. Der Alltag fĂŒr geflĂŒchtete Menschen, die in Deutschland ankommen, ist schwierig, die Unterbringung sehr einfach und es herrschen weder Wohnlichkeit noch PrivatsphĂ€re. Knapp 600 Menschen teilen sich die 3 Etagen in dem ehemaligen Einkaufszentrum. Da bleibt wenig Raum fĂŒr selbststĂ€ndige BeschĂ€ftigung, Entspannung, Kinderbetreuung (fĂŒr die ca. 150 Kinder) oder einfach eine ungestörte Unterhaltung.

Wie soll man so eine Situation bewÀltigen, wo soll man anfangen? Wie soll man Dinge wie Behaglichkeit, Unbeschwertheit und so etwas wie NormalitÀt in einen Ort stecken, an dem auf engstem Raum Menschen leben, die schrecklichste Strapazen hinter sich und noch einen langen Weg Richtung »geregeltes Leben« vor sich haben?
Im Sommer 2016 beschloss ein Team von Open State gemeinsam mit Bewohnern und in Zusammenarbeit mit den Maltesern, dies gemeinsam herauszufinden, und arbeitete mehrere Monate an Lösungen, Visionen und einem Plan, der es in sich hatte.
Das Ganze resultierte im »ROC Baufestival«, einer Woche, in der all die Ideen fĂŒr die freistehende 4. Etage des GebĂ€udes umgesetzt werden sollten und zu der auch ich eingeladen wurde. Was ich dort erlebte, war schlicht weg unglaublich!

Die Planung sah eine Vielzahl an einzelnen RĂ€umen vor: einen Sportraum mit GerĂ€ten und Platz fĂŒr Übungsstunden, ein Lernzentrum, in dem unter anderem Deutschlernkurse stattfinden können, ein Frauenzimmer zum NĂ€hen und Ungestört-Sein, ein Kinderzimmer mit Möglichkeit zum Toben und Energie abbauen, ein Teehaus fĂŒr die Herren der Schöpfung, ein kleiner Garten und eine provisorische KĂŒche, ein Informationszentrum z.B. mit Angeboten fĂŒr den Berufseinstieg, eine kleine Siedlung abschließbarer Tiny-HĂ€user mit Betten und/oder Tischen fĂŒr ein wenig PrivatsphĂ€re sowie ein »Marktplatz« als Zentrum mit einer kleinen BĂŒhne, einer Leinwand und genĂŒgend Sitzgelegenheiten fĂŒr alle. Jeder dieser RĂ€ume hatte also eine Aufgabe und wĂŒrden nach der Bauwoche von den Maltesern mit Programm und Workshops fĂŒr die Bewohner bespielt werden.
Doch zu erst einmal gab es da ja nur eine riesige Halle, die so ganz und gar nicht einladend war. Bei meiner Ankunft waren immerhin schon einige WĂ€nde eingezogen und farbenprĂ€chtig bemalt. Doch so richtig vorstellen konnte ich mir das Ganze noch nicht. Nach dem morgendlichen Check-In verteilten sich die tĂ€glich angetanzten freiwilligen Helfer auf die verschiedenen Teams der Riesen-Baustelle. TatsĂ€chlich tummelten sich binnen kĂŒrzester Zeit Unmengen von sĂ€genden, bauenden, malenden und organisierenden Helfer und Bewohner in der Halle. Innerhalb der 7 Tage wurden WĂ€nde eingezogen, kleine HĂ€user und Möbel gebaut und jeder Raum seiner Funktion entsprechend BestĂŒckt und eingerichtet.

Meine Aufgabe war es, ein Leitsystem mit Icons fĂŒr die gesamte Etage zu erstellen, welches ich spĂ€ter gut sichtbar auf drei große Platten am Eingang ĂŒbertrug.

Ich war insgesamt sehr beeindruckt, welch motivierte, engagierte und großartige Menschen an diesem Ort zusammenkamen. In der Luft lag neben dem Duft von gutem Essen nicht bloß die konzentrierte und zum Ende hin leicht hektische Anspannung. Es war mehr. Es war ein gemeinsames Ziel, geteilter Schweiß, Unterhaltungen auf den verschiedensten Sprachen, Menschen, die an einem Strang zogen, und ein Geist, der all dies zusammen hielt. Es klingt ein wenig kitschig, aber irgendwie spĂŒrte man so etwas wie Aufbruch und Hoffnung.

Und dann wurde dieser neuer Ort mit seinem ganz eigenen Zauber feierlich eröffnet. Es gab eine Band, ein mitgebrachtes Buffet und eine kleine Parade, in der die Bewohner und das Team einmal gemeinsam durch die Etage gingen und jeden Raum kurz einweihten.

In der Mitte des Eingangsbereiches stand ein zusammengezimmerter von den Kindern wild bemalter Wunschbaum, an den diese nun ihre WĂŒnsche hĂ€ngen durften. Ich fragte mich, was dort wohl so stehen mochte – trotz der Freude ĂŒber das neue Kinderzimmer hatten die Kinder keine unbeschwerte Kindheit. Die WĂŒnsche zu lesen, hat mich erinnert, warum es so wichtig ist, an solchen Projekten teilzunehmen oder sie zu initiieren. Ein Schild blieb mir besonders in Erinnerung und ließ mich im Moment, da ich es las, wieder einmal gewahr werden, wie gut es uns geht. Es sagte: »Liebe, Frieden & Zahnarzt«.

Die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Woche werden wohl noch ein wenig nachhallen. Und es geht natĂŒrlich weiter mit ROC. Das Projekt in Berlin soll erst der Anfang und Vorbild fĂŒr viele weitere Projekte in Deutschland und Europa sein. Um anderen die DurchfĂŒhrung eines solchen Vorhabens zu erleichtern, wird das Ganze nun in einem Online-Toolkit als Open Source aufbereitet. Auch das ist wieder jede Menge Arbeit. Wie gut, dass auch dafĂŒr ein bisschen Gestaltung benötigt wird…

(Fotos: Open State; ROC)

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3 Wege zum nachhaltigeren Reisen

So einige Male gingen mir die Folgen von Tourismus und Globalisierung ziemlich gegen den Strich. Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass wir deshalb aufhören zu reisen. An einem der besuchten StrĂ€nde Ă€rgerten mich angeschwemmte Fischernetze und MĂŒll derartig, dass ich einen kleinen Denkanstoß daraus bastelte, der daraufhin fleißig von vorbeikommenden Besuchern diskutiert und fotografiert wurde. Das war eine schöne Aktion – ein Besuch im Ausland muss aber natĂŒrlich nicht in stundenlangem Bastel-Aktivismus ausarten. Es reichen herunter gebrochen drei kleine Nachhaltigkeits-Prinzipien…

1. Langsamer – Probier’s mal mit GemĂŒtlichkeit

Vielen geht es im Leben und besonders beim Reisen darum, möglichst viel in möglichst geringer Zeit zu sehen, zu erleben, abzuhaken. Was ist aber, wenn man versucht, in der gleichen Zeit an einem Ort zu bleiben und ihn dafĂŒr intensiver zu erkunden?

Ich bin mittlerweile sehr froh, dass ich in Kapstadt nicht auf der Durchreise war, sondern mir knapp drei Monate Zeit gegeben habe. So manch einer hĂ€tte in der gleichen Zeit ganz SĂŒdafrika abgereist und vielleicht noch weitere LĂ€nder. Diese Art des Reisens hat ja auch ihre Vorteile: Man sieht eine grĂ¶ĂŸere Vielfalt an Landschaften, Menschen und Erfahrungen und kommt ein wenig mehr oder weiter rum in der Welt. Und natĂŒrlich ist unsere jĂ€hrliche Urlaubs- oder Reisezeit in den meisten FĂ€llen begrenzt. Es geht mir aber gar nicht um 3 Monate oder 3 Wochen, sondern um die Art und Weise, wie man einen x-beliebigen Zeitraum beim Reisen nutzt.
Was ist, wenn man dem Ort und den Menschen mal die Zeit gibt, einem ihre Version darzulegen? Ihre LieblingsplĂ€tze besucht, die Dinge tut, die sie dort tun, und die Menschen trifft, die zu ihrem Leben gehören? Man taucht in ihre Welt ein, in ihre Version der Stadt oder des Landes. Ich habe in Kapstadt Woche um Woche mit einem anderen Couchsurfer verbracht und so jedes Mal einen neuen Menschen, einen neuen Freundeskreis, einen neuen Stadtteil und einen neuen Lebensstil kennengelernt – »zu Besuch im Leben eines anderen«. Es ist (besonders bei drei Monaten) weder Urlaub noch wirklich Reisen. Es ist, fĂŒr eine kurze Zeit, an diesem Ort leben. Man lernt ein paar Sprachbröckchen und kann diese mit den Leuten vor Ort austauschen. Man lernt, was die Regeln in der Gesellschaft vor Ort sind, spĂŒrt die Vibes und das Feeling, das der Ort rĂŒberbringt.

NatĂŒrlich fĂŒhrt das Ganze zu dem Kompromiss, dass man in seinem Leben vielleicht nicht alle »sehenswerten« StĂ€dte, LĂ€nder und Orte von der Lonely Planet Liste abhaken kann. Aber ist es denn nicht auch viel schöner und erstrebenswerter, abseits von irgendwelchen Listen, Empfehlungen und Location-Suchen sein persönliches GlĂŒck einfach zu finden und selbst zu definieren? Wer hat denn zu entscheiden, was fĂŒr mich persönlich »sehenswert« ist? Warum muss ich die Top-20-StĂ€dte unserer Welt besucht haben? Vielleicht finden wir unsere schönsten Erinnerungen nicht in den 5-10 grĂ¶ĂŸten, besten, schönsten SehenswĂŒrdigkeiten eines Ortes, sondern in dem kleinen CafĂ©, das wir zufĂ€llig entdecken, wĂ€hrend wir unsere Umgebung erforschen. Das klassische »Back to the Roots«, zurĂŒck auf den Boden der Tatsachen kommen, den Boden, auf dem wir uns befinden, wenn wir unterwegs sind.

2. Regionaler – Bleib auf dem Boden

Mir wird dabei bewusst, dass ich meinen eigenen Boden, meine eigene Stadt, mein eigenes Bundesland und eigentlich auch Deutschland noch nie auf diese Art erkundet habe. NatĂŒrlich ist man mal in anderen Ecken Deutschlands, besucht Freunde oder Veranstaltungen, macht einen kleinen Urlaub. Aber kann ich nicht genauso zu Hause reisen, wie ich es im Rest der Welt tue? Kann ich nicht mit der gleichen Neugierde, mit der gleichen Offenheit in meinem eigenen Land reisen? NatĂŒrlich ist der Sprach-, Kultur- und Klimaunterschied nicht ganz so gravierend wie bei einer Reise um die halbe Welt und doch kann man dank dieser Unterschiede sicherlich ganz neue Seiten, ganz neue Menschen in seinem eigenen Land finden. Oder einfach das Nachbardorf, -see oder -meer, ein Tagestrip in die Umgebung, ein Wochenende außerhalb der eigenen vier WĂ€nde, des eigenen Alltags und der eigenen Komfortzone. Warum nicht ein paar Kilometer rausfahren und Zelten? Warum nicht 2 Wochen bei einem Freund oder einem Fremden unterkommen? Warum nicht vor der eigenen HaustĂŒr zum Entdecker werden? Wenn wir es versuchen, können wir Erfahrungen und Erkenntnisse machen, die Ă€hnlich denen sind, die ein Reisender in der großen weiten Welt erfĂ€hrt.

Und selbst wenn wir uns gegen die Heimat entscheiden und in die Ferne wollen: Wir mĂŒssen ja nicht immer gleich fliegen. CO2 Emissionen, die wir beim Fliegen in unsere Umwelt pusten sind weitaus schlimmer als viele der kleinen Umweltverbrechen, die wir tagtĂ€glich so akribisch zu vermeiden suchen. Wir können uns also andere Ziele suchen oder als Kompromiss bei den Zielen bleiben und nach alternativen Transportmitteln Ausschau halten. InlandsflĂŒge sind komplett unnötig, FlĂŒge in Europa lassen sich hĂ€ufig durch gĂŒnstige Busverbindungen vermeiden. NatĂŒrlich sind da wieder die kleinen sehr bedeutenden Faktor Zeit und Bequemlichkeit. Aber warum nicht auch mal den Weg als Ziel sehen? Wir hetzen immer von Ziel zu Ziel, merken gar nicht mehr, wo wir eigentlich sind, wie weit wir uns bewegen. Wir steigen in ein Flugzeug, genießen einige Stunden Board-Programm und -kĂŒche und steigen dann irgendwo auf der Welt wieder aus, ganz als wĂ€ren wir dorthin teleportiert.
Sollte aber das Traumziel in einem vertretbaren Rahmen eben nur im Flugzeug erreichbar sein, gibt es Unternehmen wie Atmosfair. Das System von Atmosfair berechnet einem den CO2-Ausstoß seiner FlĂŒge und daraus einen Betrag, den man zum Ausgleich seiner Freveltat in ein ökologisches Projekt investieren kann. Vermeiden ist zwar besser als Ausgleichen, aber Ausgleichen ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung immer noch deutlich besser als Ignoranz:)

3. Bewusster – Watch Your Steps

Und genau um diese kleine Schritte geht es, wenn wir unsere Art des Reisens hinterfragen. Es geht nicht um ein gebuchtes »Nachhaltigkeits-Erlebnis« (zum Thema Eco-Tourismus möchte ich an dieser Stelle nicht so ausfĂŒhrlich werden, da der ganze Bereich relativ komplex ist, und neben einigen wirklich guten Projekten nicht nur jede Menge Green-Washing betrieben wird sondern teilweise noch grĂ¶ĂŸere SchĂ€den angerichtet werden).
Auch geht es nicht nur um Entfernung und Geschwindigkeit. Es geht um ein allgegenwĂ€rtiges Bewusstsein. Wir sind zu Gast. Selbst wenn wir zu Hause sind, sind wir zu Gast in unserer Stadt in unserem Land, in unserer Natur. Wir sollten nichts in unserer Umgebung als selbstverstĂ€ndlich annehmen. Wenn wir irgendwo zu Besuch sind, irgendwo eine gewisse Zeit verbringen, irgendwo leben, nutzen wir einen Lebensraum, interagieren wir mit anderen Bewohnern dessen und nehmen in irgendeiner Form einen Platz in ihm ein. Wir beeinflussen seine Wirtschaft, die Einwohnerdichte, das BIP , vielleicht, wie viele Hotels gebaut werden, oder wie gut die Infrastruktur sich entwickelt. Wir produzieren MĂŒll, LĂ€rm und Gestank und Geschwindigkeit, weil wir Menschen sind. Mit der Entscheidung, wo wir uns in dieser Sekunde, Woche oder im ganzen nĂ€chsten Jahr aufhalten, verĂ€ndern wir den jeweiligen Ort, formen wir unsere ganze Welt. Man sollte ab und zu reflektieren und sich bewusst machen, wo man sich denn eigentlich aufhĂ€lt oder sich aufhalten will, warum ĂŒberhaupt und welche Folgen das fĂŒr den jeweiligen Ort hat. Und dann sollte man versuchen, dem Ort und der Gesellschaft vor Ort etwas zurĂŒckzugeben. Etwas von dem zurĂŒckzugeben, was man ihm genommen hat, dem Ort etwas zu geben, das ihn den bleiben lĂ€sst, der er vorher war, oder ihm etwas hinzufĂŒgt, das ihm gut tut. Wenn man einen Ort besucht, wie lange auch immer, wird man zumindest fĂŒr eine kurze Zeitspanne ein Teil von ihm – und wir können bewusst entscheiden, wie dieser Teil aussehen soll, ob wir Spuren hinterlassen und wenn ja, wie tief diese sind.

 

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Die Komfort-HĂŒtte oder warum ein Blick aus dem Fenster nicht reicht

Bei dem ein oder anderen etwas schĂ€rferen Text, den ich derzeitig mal schreibe, mag man vielleicht das GefĂŒhl bekommen, dass ich eine oppositionelle Position gegenĂŒber allem Gewohnten einnehme, voll auf dem Anti-Alles-Trip bin. Das ist so einfach allerdings nicht zu sagen. Zu sagen ist, dass ich derzeitig den wohl grĂ¶ĂŸten Abstand zu meinem alltĂ€glichen Leben und meinen Gewohnheiten eingenommen habe, den ich je hatte.

Es ist ein wenig wie aus einem Haus heraus zu treten, in dem man zwar tĂ€glich wohnt, das man aber nie verlĂ€sst, geschweige denn von außen in Augenschein nehmen kann. Wir bleiben in unseren geschĂŒtzten vier WĂ€nden, weil es warm ist und trocken und – wie könnte es anders sein – sicher. Wir leben so vor uns da hin, folgen unserer Routine, schauen vielleicht auch mal aus dem Fenster, wenn wir eines haben, und öffnen es als höchstes der GefĂŒhle vielleicht auch, um einen Lufthauch zu erhaschen. Wir könnten natĂŒrlich hinausgehen und atmen und die Sonne und den Wind auf unserer Haut spĂŒren, all die guten GerĂŒche und GerĂ€usche erleben und vielleicht auch den Garten verlassen, wenn wir denn wissen, was ein Garten ist und einen haben. Aber das wĂ€re viel zu gefĂ€hrlich, denn man weiß ja nicht, was sonst noch alles passieren kann da draußen und schließlich geht es uns ja auch eigentlich gut so wie es ist. Jeder, der das jetzt so liest, wĂŒrde sagen: NatĂŒrlich verlasse ich mein Haus, das mache ich tagtĂ€glich. Aber natĂŒrlich geht es nicht wirklich um ein Haus, nein, ich spreche von unserer allzu oft beschriebenem und allgemein kritisierten Komfortzone. Und diese verlassen wirklich die allerwenigsten von uns. Ich meine, natĂŒrlich ist sie nichts Schlimmes und sie gefĂ€llt uns, sonst hĂ€tte sie nicht ihren Namen. Und auch ich habe eine – jeder hat sie. Sie kann in den unterschiedlichsten Formen auftreten: Sie kann das Zuhause sein mit all seinen Facetten, die Nachbarschaft, die Arbeit, zu der viele tĂ€glich gehen, vielleicht auch einfach das Badezimmer in seiner gewohnten Form, ein warmes weiches Bett, das Smartphone, die gewohnten Menschen, Familie und Freunde, die alltĂ€glichen Gewohnheiten, finanzielle Sicherheit oder sogar das Wetter. Sie ist das, womit wir in unserem Alltag gezielt umgeben.

Doch wenn man sich das Sinnbild des Hauses noch einmal vor Augen hĂ€lt – ein Mensch und sein kleines angenehmes zu Hause –, wĂŒrde man wohl immer sagen: »Warum verlĂ€sst die Nase nicht das Haus? Es ist doch so viel schöner im Garten und bei den Nachbarn und gegenĂŒber in der Bar und in der gesamten bunten Welt um sein Haus herum!« Nun, die »Nase« ist eben bequem und vermeidet Unannehmlichkeiten. Vorsicht ist schließlich besser als Nachsicht. Man könnte draußen hinfallen, angegriffen werden oder sogar sterben. Fakt ist, dass man das in seinem Haus frĂŒher oder spĂ€ter auch tut und Nachsicht kann ja manchmal auch als reizvollen Lehre auftreten.
Doch worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist, dass wir uns nicht nur viele interessante Erfahrungen draußen in der Welt nehmen, wir nehmen uns auch den Blick auf unser eigenes Haus. So sehen wir nicht, wie es beschaffen ist, welche Farbe es hat oder wo es sich ĂŒberhaupt befindet. Das Reisen gibt uns die Möglichkeit, unsere Komfortzone zu verlassen und einen objektiveren Blick von außen auf uns selbst und unser ganzes eigenes Leben zu gewinnen. Wir lernen Dinge ĂŒber unser eigenes Leben, weil wir so viele neue Versionen eben jenes kennenlernen und wir lernen so einiges ĂŒber uns selbst, einfach weil wir uns in einem ganz neuen Umfeld, in einem ganz neuem Licht sehen. Wenn es in unserem Haus mal stĂŒrmisch wĂ€re oder geregnet hĂ€tte, hĂ€tten wir immer die Tropfen mit einem Eimer aufgefangen und so das Problem weitestgehend behoben. Nun aber können wir sehen, dass der Wind die Dachziegeln vom Dach gerissen hat und es jedes Mal hineinregnet. Durch unseren Blick von außen gewinnen wir einen ganz neue Perspektive auf das Problem und können es vielleicht beheben.

Man muss sicherlich nicht ans andere Ende der Welt reisen, um seine Komfortzone zu verlassen oder genĂŒgend Abstand dazu zu gewinnen. Was ist schon genĂŒgend Abstand? Entscheidend ist, dass man es sich mal bewusst »ungemĂŒtlich« macht, sich Extremsituationen aussetzt, sich in eine Situation begibt, in der man gefordert wird und unter UmstĂ€nden alleine klarkommen muss. Es geht darum, ĂŒber sich hinauszuwachsen. Um dies wörtlich zu nehmen eine weitere letzte Metapher: Es fĂŒhlt sich vielleicht ein wenig an wie eine Blume zu sein, die man aus einem kleinen Topf in der Ecke eines stinkigen dunklen Zimmers genommen und draußen an einem schönen Fleckchen in die Erde gepflanzt hat. Versteht mich nicht falsch, mein Leben ist kein stinkiges, dunkles Zimmer. Aber der Effekt, den das Reisen auf mich hat ist einfach ein sehr extremer. Ich kann atmen, ich kann meine Wurzeln ausstrecken und wandern wohin immer ich will und mich der Sonne entgegen recken, wachsen bis in den Himmel und erblĂŒhen in vollster BlĂŒte, Kraft und Energie. Ich weiß, dass dieser Satz wahrscheinlich kleine SchleimfĂ€den zwischen den Synapsen eurer literarischen Gehirnwindungen zieht, doch er drĂŒckt genau das aus, was ich erlebe. Ich möchte euch also ermutigen, aus eurer kuschligen kleinen HĂŒtte heraus zu treten, die TĂŒr hinter euch zuzuschlagen, die Welt zu erkunden, in der ihr euch befindet, euch selbst zu erkunden und schließlich zu wachsen, wohin immer ihr wollt.

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Urlaub in Thailand und sein bitterer Nachgeschmack

Thailand – mit seinen wunderschönen Wasserwelten, Inselgruppen, Tempeln und idyllischen Landstrichen wunderschön anzusehen. Lokales Essen, Pad Thai, frische FrĂŒchte und exotische SpezialitĂ€ten an jeder Straßenecke. In der Luft liegt ein Geruch von heißen gerade zubereiteten Köstlichkeiten, den verschiedensten GewĂŒrzen, RĂ€ucherstĂ€bchen. Und der Gestank des Tourismus.

Der Aufenthalt in Thailand hatte fĂŒr mich definitiv zwei Seiten. Ich habe die Bilderbuch-Buchten, das gute Essen und vor allem die Sonne sehr genossen und doch hatte das Ganze irgendwie einen leicht bitteren Nachgeschmack. Warum fĂ€hrt man an einen Ort wie Thailand? Weil es warm ist, weil die Fotos im Internet schön aussehen und weil es sicher ist. Sicher ist in unserer heutigen Welt ein sehr relativer Begriff. Und doch kann man an einem Ort, an dem sich so viele Touristen aufhalten wohl annehmen, dass es sicher ist. Wenn ich von »Backpacking durch Thailand« erzĂ€hle, klingt das erst mal nach einem abenteuerlichen Tripp – wunderschöne Landschaften und nichts als den Rucksack mit seinem Hab und Gut dabei. Fakt ist aber: Von diesen Backpackern gibt es dort etliche geradezu unzĂ€hlbare Mengen. Nachdem wir auf einem mehrstĂŒndigen Tripp mit Tetris Ă€hnlichem Geschick gemeinsam mit anderen Touristen und GepĂ€ck in einem Minibus geradezu verladen wurden, kam mir irgendwie der Vergleich zu einer Viehherde in den Sinn, welcher erst einmal etwas hart erscheint, mir aber in vielerlei Hinsicht sehr passend vorkommt.

Das schöne mit uns Menschen ist, dass wir immer nach einer neuen frischen grĂŒnen Wiese suchen, auf der die Grashalme noch von einer erfrischenden Schicht Raureif bedeckt sind, kein Halm einen Knick besitzt, kein anderer je gegrast hat. Das ist so weit verstĂ€ndlich, denn Reisen ist gĂŒnstiger denn je und die billigen FlĂŒge und Angebote sorgen dafĂŒr, dass es fast egal wird, welches Ziel wir letzten Endes wĂ€hlen. Das Ganze hat nur einen Haken: Unsere WeidegrĂŒnde sind begrenzt. Wir neigen in jeder Hinsicht und eigentlich immer dazu, uns zu ĂŒberfressen. Es wird nicht mehr geschmeckt, wiedergekĂ€ut, reflektiert oder genossen. Nein, wir fressen und dann scheiden wir unverdaut wieder aus. Wir suchen uns im Katalog oder wahrscheinlicher im Internet, bei Google-Bilder oder bei Instagram eine Weide aus, nehmen ein bisschen Geld in die Hand und dann wird abgegrast. Möglichst viele Spots in möglichst kurzer Zeit, denn man weiß ja nicht, wann man den nĂ€chsten Urlaub bekommt von der Arbeit, die man eigentlich gar nicht machen will. SehenswĂŒrdigkeiten abklappern, den Tipps der Bewertungsportale, Blogger und Youtuber folgen, die auch den letzten unerforschten, scheinbar unberĂŒhrten Winkel eines Landes finden und ihn an den Rest der Welt heraus posaunen. Und dann geht es los: Es ist dabei nicht besonders wichtig, was die landestypischen Gepflogenheiten oder Benimmregeln sind, nicht wichtig, dass man FledermĂ€use mit seinem Blitzlicht stört, Korallen zertrampelt, ganze Riffe zerstört oder Menschen in ihren Wohnzimmern fotografiert, denn man ist ja so wie so nur kurz zu Besuch. Man grast eine Woche oder zwei oder fĂŒnf oder sechs so herum und zieht dann weiter oder zurĂŒck zum Stall. ZurĂŒck bleibt ein völlig zertrampeltes, abgegrastes und matschiges Land.
Keine Frage, Tourismus ist super fĂŒr die Wirtschaft. Die reichen Besucher werden schließlich auch ordentlich gemolken und ausgenommen – lokale Preise sind da nicht drin. Da Touristen höhere Preise zahlen können, sollen sie dies doch bitte auch tun. Wenn man mal die Perspektive wechselt, scheint das nur fair. Es funktioniert ja auch fĂŒr alle Beteiligten. Und trotzdem scheint mir der Preis, den die Locals, das Land und besonders die Natur fĂŒr diese Einnahmen zahlen, unvergleichlich hoch. Jedes Mal, wenn ein Land weiter touristisch erschlossen wird, ist es, als verlöre dieses Land etwas von seiner UnberĂŒhrtheit, seiner Unschuld, etwas, das ihm fĂŒr immer genommen wird.

Wir alle mĂŒssen uns also dringend mehr mit dem Thema von einem nachhaltigen Tourismus beschĂ€ftigen. Durch Globalisierung, Entwicklung und unser Bevölkerungswachstum erschließen wir immer mehr unserer »unberĂŒhrten Weiden« und verkaufen sie an heißhungrige Viehherden, die nur darauf warten, die Halme aus dem Boden zu reißen. Kein Wunder, dass wir anfangen, den Tourismus auf den Mond zu verlegen. Gibt es doch schließlich bald keine Superlative mehr, wenn so mancher mit Anfang 30 schon einen Großteil unserer irdischen LĂ€nder bereist hat und seine Bucketlist schon dreimal neu schreiben musste. Es klingt wie das traurige Ende einer Geschichte, ist aber wahrscheinlich die nĂŒchterne Wahrheit: Wenn wir nicht aufwachen, wird es diese Weiden bald gar nicht mehr geben. So wie wir das Reisen unserer Eltern nicht mehr kennengelernt haben (kommunikativ abgenabelt, mit Karte in der Hand und zu Flecken der Erde, die kein anderer in ihrem Freundeskreis je besucht hat) so werden die nĂ€chsten Generationen auch unsere Art des Reisens vielleicht nicht mehr nachvollziehen können. Das ist natĂŒrlich bis zu einem bestimmten Punkt einfach der Lauf der Dinge. Einen großen Anteil haben wir aber durch pure Ignoranz selbst zu verantworten. Schon jetzt kommt man in manchen Ecken Thailands an, in denen es deutsche Guides gibt, deutsche Restaurants mit deutschem Essen und sogar deutsche Straßenschilder. Wenn man so etwas sieht, fragt man sich doch, warum die Deutschen nicht einfach gleich in Deutschland bleiben.

Die Krux an dieser ganzen Geschichte ist, dass ich dieses ganze Problem beschreibe und zugleich ein Teil seiner bin. Ich wĂŒsste all dies nicht, wenn ich es nicht erlebt hĂ€tte, was wiederum bedeutet, dass ich selbst zum Vieh gehöre und grundsĂ€tzlich nicht besser bin als all die anderen Trampeltiere. Und auch ich habe nicht vor, mit dem Reisen aufzuhören. Doch – und ich glaube, das ist entscheidend – ich merke wenigstens, dass ich zu der menschlichen Rasse der Trampeltiere gehöre und erkenne die Probleme, die ich verursache. Es reicht natĂŒrlich nicht, das Problem auszumachen und zu beschreiben. Man muss auch etwas verĂ€ndern. Wir brauchen Lösungen. Wie kann ich reisen und trotzdem keine allzu tiefen Spuren auf den bezaubernden HĂ€ngen und Wiesen hinterlassen? Wie kann ich grasen, sodass nach meiner Mahlzeit genĂŒgend Gras fĂŒr das nĂ€chste Vieh nachwĂ€chst? Wie kann ich zu Besuch sein und den Menschen vor Ort dabei angemessen begegnen? Wie können wir die Welt, wie wir sie kennen, erforschen und sie trotzdem fĂŒr kommende Generationen erhalten?

Nun, die Antworten darauf wĂŒrden sicherlich den Umfang dieses Textes sprengen und ich möchte sie auch nicht in Form einer kurzen Liste behandeln, sondern dem Thema angemessen und ausfĂŒhrlich gegenĂŒbertreten. Ich verspreche also, den Prozess, der in meinem Kopf in Gange ist, und die Lösungen, die ich vielleicht finde, in weiteren Artikeln hier mit euch zu teilen. Bleibt also dran!

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Kapstadt – das sĂŒdlichste Europa der Welt

Bei all den erkenntnisreichen ErgĂŒssen, die mir wĂ€hrend meiner Reise aus den Fingern fließen, komme ich nicht umhin auch mal einen kleinen etwas klassischeren Reisebericht einzuschieben. Ich habe SĂŒdafrika abgeschlossen und möchte dieses Land nicht einfach unbeschrieben zurĂŒck lassen.
Vorweg muss ich schon mal gestehen, dass ich nicht wirklich von SĂŒdafrika schreiben kann. Ich kann von Kapstadt, dem kleinen eigenen Europa am sĂŒdlichen Zipfel des Landes, und von der Garden Route – doch zu dieser vielleicht an anderer Stelle mehr. Das Folgende kann allen, die bereits in Cape Town waren, ein lĂ€chelndes ZurĂŒckerinnern bescheren und allen, die noch dort hin wollen einen netten ersten Vorgeschmack geben.

Kapstadt ist eine vibrierende funkelnde Metropole mit so vielen Gesichtern, wie es Dinge zu erleben gibt. Ich möchte die Reisetipps kurz halten und nur kurz und knackig anreißen, was euch dort erwartet. Wie gerade schon angedeutet: Glaubt nicht, dass ihr dort „Afrika“ zu spĂŒren bekommt. NatĂŒrlich könnt ihr bunte ArmbĂ€nder, hölzerne Giraffenfiguren oder farbenfrohe GewĂ€nder kaufen, aber ihr werdet hier nicht auf einem Elefanten reiten, mit den Löwen schlafen oder euch durch den Dschungel schlagen. Es gibt hier genauso Konzerte, Hipsterviertel, Szene CafĂ©s und allen anderen Klimm-Bimm, den es in jeder anderen Stadt von Welt auch gibt. Auch Kapstadt hat dunkle Ecken und fröhliche Ecken und teure Ecken und hektische Ecken. Auch Kapstadt hat Berufsverkehr, bei dem gar nichts mehr geht, und Mietpreise, denen man beim steigen quasi zusehen kann – wie das ist einer Metropole eben so ist.
Was diese Stadt aber so besonders macht, ist die Kombination von Rundum-Meer und den Bergen in der Mitte. Die sĂŒdafrikanische Sonne brennt im Sommer (unserem Winter) krĂ€ftig einen weg, wĂ€hrend der South-Eastern-Wind (Cape-Doctor) einem vom Meer die ersehnte AbkĂŒhlung bringt.

Die KapstĂ€dter, örtlich „Capetonians“ genannt, sind ĂŒberspitzt gesagt eine Mischung aus schwarz, weiß, SĂŒdafrikaner, HollĂ€ndern und Deutschen. Gesprochen wird Englisch, Xhosa oder Afrikaans – und da gibt es dann noch ein paar sprachliche Eigenheiten, wie zum Beispiel, Fragen mit einem „hey?“ zu beenden oder zur VerblĂŒffung ein „Joh!“ oder „Jissis!“ auszustoßen.
Wir befinden uns hier außerdem in einem Land, in dem Kontraste zwischen arm und reich oder weiß und schwarz grĂ¶ĂŸer gar nicht sein könnten. SĂŒdafrikas Geschichte der Apartheid spiegelt sich natĂŒrlich auch hier wieder und so kann man am einen Ende der Stadt die teuersten Luxusvillen bewundern, am anderen Ende Townships mit WellblechhĂŒtten vorfinden, die sich in einem scheinbar gewollten Chaos ĂŒber große FlĂ€che erstrecken.

Schauen wir doch noch einmal was Kapstadt denn nun so zu bieten hat. Ich gehe dabei jetzt mal nach Bezirken vor – diese sind ĂŒberspitzt formuliert folgende:
Obz aka Observatory ist Studentenbezirk und wird von den meisten besser betuchten eher als „dodgy“ beschrieben, hat aber mit seinen Second-Hand-LĂ€den, Restaurants und CafĂ©s auf der Lower Main Road jede Menge Charme. Es grenzt an den Devilspeak, einen besonders anstrengend (!) zu besteigenden AuslĂ€ufer des Tafelberges.
In Woodstock geht das kreative Leben ab: Biscuit Mill Market, Design Studios, Ausstellungen, Start-Ups.
Es folgen etwas weiter nördlich Milnerton, Sunset Beach, Table View, Blouberg – endloser wunderschöner Strand, der an Nordsee und DĂ€nemark erinnert, mit bestem Blick auf Kapstadt City und den Tafelberg (als absoluter Kite-Surfing Strand bekannt).
ZurĂŒck in Kapstadt: das Stadtzentrum. Im Schutze des Tafelberges wandert man durch Long-Street (bei Tag Touri-Meile, bei Nacht Party-Meile), Loop-Street, Bree Street und Green Market (Geheimtipp „First Thursday“ mit freiem Eintritt in Galerien, kostenlosem Wein und jeder Menge feierfreudiger Menschen). Außerdem zu finden: Tambourskloof, Bo-Kaap, Civic Center, Bahnhof und Minibus-Anlaufstelle.
NĂ€chstes Highlight – V&A Waterfront und der Hafenbereich: Schicki-Micki-Shoppen, Sehen und Gesehen-Werden, seine Yacht ausfĂŒhren, zu Silvester Feuerwerk gucken oder einfach teuer essen gehen. Von hier aus kann man auch ein Boot Richtung Robben Island nehmen (frĂŒhere GefĂ€ngnisinsel, auf der Nelson Mandela lange Zeit verbrachte).
Weiter an der KĂŒste entlang folgen Greenpoint, Seepoint, Clifton und schließlich Camps Bay, welche in dieser Reihenfolge auch steigende GrundstĂŒckspreise, Einkommen und Egos vorweisen. Lange Promenaden mit GrĂŒnanlagen, Alibi-Joggern oder Sonnuntergangs-SpaziergĂ€ngern. Auch hier zu Hause sind Leuchtturm, Greenpark und das WM-Stadion. Clifton lĂ€dt zu einem Tag an Beach 1-4 und eiskaltem Wasser ein, Camps Bay trumpft auf mit feinen Restaurants, einem abendlichen Glas Wein mit den Schönen und Reichen oder dem Sonntag-Abend im CafĂ© Caprice (egal was man hier unternimmt, man wird auf jeden Fall Geld los).
Weiter geht’s mit Hout Bay, einem kleinen Fischer-Hafen, mit feinem weißen Sandstrand, jeder Menge Seehunden und einem atemberaubenden Wochenendmarkt in der Markthalle. Eine ganz eigene Welt bildet die Peninsula: Touri-Programm pur. Ein sehr schöner Nationalpark, mit dem sĂŒd-westlichsten Punkt Afrikas, Pinguine zum Anfassen und kleinen sĂŒĂŸen Orten wir Simons Town oder Fish Hoek. Vorbei an Kalkbay folgt dann Muizenberg, die Surferhochburg mit den kleinen bunten UmkleidehĂ€uschen. Von hier aus könnte man dann am Township Khayelitsha vorbei Richtung Strand fahren, einer kleinen Stadt in der False Bay (hier hat das Wasser dann auch endlich Badetemperatur). Alternativ dazu ein Tripp nach Stellenbosch – Weinhochburg, sehr schnieke und nett mit dem angrenzenden ebenso zauberhaften Franchoek. Will man es noch weiter treiben, macht man sich von hier auf die Route 44 und erreicht irgendwann Bettys Bay und schließlich Hermanus die Wal-Stadt, in der (hauptsĂ€chlich zwischen Juni und Oktober) jede Menge Wale zu sehen sind.

Das wars dann auch schon mit der kurzen, leicht verspĂ€teten Zusammenfassung von Kapstadt und Umgebung. Ein kleiner Text wird dieser pulsierenden Metropole sicher nicht ganz gerecht und auch muss ich detailliertere Tipps und ErlĂ€uterungen aussparen – ich stehe euch aber jederzeit fĂŒr Fragen bereit.
Ich habe die einzelnen Facetten und vor allem aber die Menschen, die ich in dort kennen lernen durfte, sehr geschĂ€tzt und behalte sie in warmer guter Erinnerung in der sĂŒdlichsten Ecke meines Reiseherzens.

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