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Unterwegs in der Welt

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Lass dich treiben…

Buchprojekt Kalligrafie

Für all’ die, die noch keinen blassen Schimmer von Kalligrafie haben: Es ist so in etwa die »Kunst des Schreibens«. Meiner Kunstschule Wandsbek sei Dank, durfte ich diese Kunst auch in den Ansätzen lernen.

Folgendes gab ich als mein literarisches Verständnis dieser neuen künstlerischen Errungenschaft von mir:

Wenn eines Menschen Seele spricht,

So kann man ruhig lauschen – man hört sie nicht.

Sie kann es wohl ohne Mühe lenken,

Dass wir ihre Sprache denken.

So kann es wohl auch sein, dass wir es wagen,

Und das Gedachte frei raus sagen.

Doch immer noch kann man in der Zukunft nicht erschließen,

Was wir so frei verlauten ließen.

Es fand der Mensch zum Glück den Stift,

Und schrieb mit ihm ganz frei die Schrift.

Doch die Seele wollte mehr,

Waren bloße Worte doch kalt und leer.

Und ganz heimlich – sie verriet es nie,

Schuf die Seele so die Kalligrafie.

Nun lassen wir aber vielleicht doch lieber die Bilder sprechen. Unten findet ihr die 26 Seiten meines Kalligrafie-Buches in chronologischer Reihenfolge. Meine Textgrundlage ist ein eigens verfasster Text mit Gedanken zum Altern, Lachen und zu Kindern. Ihr findet die Seiten sonst auch immer unter der neuen Rubrik “Projekte und Serien”.

Und bitte kein Verdruss über Rechtschreibung oder Unlesbarkeit – das darf in diesem Buch sein, es geht um die Ästhetik.

 

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Pessimismus oder Realität?

Die Frage muss sich bei diesem langen aber hoffentlich nicht langatmigen Ausschnitt aus Knuds Archiven wohl jeder selbst beantworten. Man darf nur nicht vergessen, dass wir eigentlich in einer schönen Welt leben:

Warum drückt jeder Mensch im Bus den Stopp-Knopf? Er weiß ganz genau, dass der Bus am Hauptbahnhof hält – selbst wenn keiner drückt. Und doch hat er Angst.

Er hat Angst, im Stich und alleine gelassen zu werden. Er hat Angst, dass der Bus doch weiter fährt und er nicht die Chance bekommt auszusteigen. Auch die Zusteiger fürchten sich. Es könnte ja sein, dass der Busfahrer die Tür sogleich schließt, sind alle Passagiere ausgestiegen. Drum wird ihnen – den Aussteigenden – entgegengestürmt.

Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Menschen, die vielleicht Hilfe beim Ein- oder Aussteigen brauchen. Sicherlich, es gibt den einen oder anderen, der doch behilflich ist, fast als müsste er sich für das rücksichtslose Verhalten der anderen entschuldigen. Vielleicht besitzt er aber auch das gute Herz, die gute Seele, den klassischen, alt eingestaubten Anstand, den doch so wenige der neuen Generation beherzigen.

Viel zu anstrengend ist das Leben, viel zu knapp die Zeit und viel zu beschäftigt ein jeder, um kurz Halt zu machen und zu helfen.

Autonom verläuft auch die Fahrt. Egal wo – Musik steckt im Ohr und das verlorende Individuum widmet sich seiner selbst. Selbst die zwei sonst so Vertrauten sitzen verkabelt und mehr oder minder abwesend in Gedanken, für die sonst keine Zeit bleibt, verloren nebeneinander. Es wird aneinander vorbei statt miteinander, füreinander gelebt.

In alten Zeiten – so erzählte man mir – setzte sich der eine zum anderen. Man war sich fremd und doch begann man eine selbstverständliche Konversation, die mal mehr und mal weniger unter die Oberfläche reichte. Man knüpfte Bekanntschaften, lachte und ließ die Zeit verstreichen.

Es ist ja gar nicht so, dass keine Dialoge mehr entstehen zwischen Halbfremden. Doch sie haben unsere gegenständliche Welt verlassen und spielen sich im bloßen visuellen Raum ab. Social Media, maximal ein auditives Gespräch via Telefon. Es ist einfach – möglich, sich mit 5, nein gleich 10 Menschen gleichzeitig zu unterhalten.

Eine kleine Rechenaufgabe: Wenn die Unterhaltung mit 10 Menschen den zeitlichen Raum von einer einzelnen einnimmt, wie hoch kann dann die Gesprächsqualität maximal sein? Verlieren wir uns in einem stetigen Fluss von Small-Talk? Wir haben 400 Freunde und doch könnten wir fast jeden einzelnen davon mit einem Klick löschen. Wieder die Angst: Wir könnten doch glatt alleine dastehen, verpassen die Chance, einen x-Beliebigen einmal im Jahr zu kontaktieren, um zu fragen, wie es ihm geht, oder herauszufinden, welche Fotos ihm gefallen oder ob seine Schwägerin vielleicht doch schwanger ist. Ist es die Evolution?

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